RWTH Aachen von Spionage betroffen
WDR. 00:39 Min.. Verfügbar bis 20.05.2028.
Den Eheleuten Xuejun C. und Hua S. wird vorgeworfen, Kontakte zu Wissenschaftlern an deutschen Hochschulen und Forschungseinrichtungen aufgenommen zu haben, um Informationen über militärisch nutzbare Hochtechnologie zu bekommen. Betroffen sind demnach vor allem Lehrstühle für Luft- und Raumfahrttechnik, Informatik und Künstliche Intelligenz.
RWTH-Forscher hielt zwei Online-Vorträge
An der RWTH Aachen wurden am Mittwoch im Rahmen der Ermittlungen die Räumlichkeiten eines Lehrstuhls durchsucht. Welcher das ist, wollte die RWTH auf Nachfrage des WDR nicht sagen. Grund sei, dass ein Aachener Forscher in den Jahren 2020 bis 2023 zwei Online-Vorträge vor Vertretern von chinesischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen gehalten habe.
Darin sei es um zivile Nutzungsszenarien einer aktuellen Technologie gegangen. Gegen den betroffenen Forscher werde allerdings nicht ermittelt, betont die RWTH. Der Lehrstuhl unterstütze die Ermittlungen und stelle der Polizei alle Unterlagen zur Verfügung.
Die Bundesanwaltschaft hat Kontakt zu insgesamt zehn nicht verdächtigen Personen aufgenommen, die als mögliche Zeugen gelten, unter anderem eben in Aachen. Ein Professor aus dem münsterländischen Rheine, der in einem technischen Fachbereich arbeitet, hatte ebenfalls Kontakt zu dem Ehepaar. Er wurde von Ermittlern befragt. Weitere Zeugen soll es in Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg und Niedersachsen geben.
Der Generalbundesanwalt ermittelt
Wissenschaftler nach China gelockt
Die Beschuldigten sind deutsche Staatsangehörige und sollen sich deutschen Wissenschaftlern gegenüber als Dolmetscher oder Mitarbeiter eines Automobilherstellers ausgegeben haben. Einige von ihnen sollen laut Bundesanwaltschaft nach China gelockt worden sein, um dort gegen Honorar Vorträge vor einem zivilen Publikum zu halten. Tatsächlich soll es sich bei den Zuhörern aber um Angehörige staatlicher Rüstungsunternehmen gehandelt haben.
Zwei Verdächtige wurden in München festgenommen
"Chinesische Spionage-Aktivität gibt es schon seit vielen Jahren. (...) Und klar ist: Jeder Praktikant, Austauschstudent muss mit einer gewissen Vorsicht betrachtet werden.“ Holger Schmidt, ARD-Sicherheitsexperte
Der ARD-Sicherheitsexperte Holger Schmidt erklärte im Interview mit der Aktuellen Stunde, dass einer der Forscher sich beim Bundesamt für Verfassungsschutz gemeldet habe: "Er wollte auf Vermittlung des Paares einen Vortrag halten, bei dem allerdings Fachpublikum fehlte. Nur chinesische Militärs waren anwesend." Insgesamt gebe es chinesische Spionage-Aktivität schon seit vielen Jahren, so Schmidt. Das sei nichts Neues.
ARD-Sicherheitsexperte Holger Schmidt im Interview mit der Aktuellen Stunde
Das Ehepaar wurde am Mittwoch in München von Beamten des Bayerischen Landeskriminalamts festgenommen. Wohnräume und Arbeitsplätze der Beschuldigten wurden durchsucht.
Unsere Quellen
- Pressemitteilung Generalbundesanwalt
- Pressemitteilung RWTH Aachen
- Interview mit dem ARD-Sicherheitsexperten Holger Schmidt
Sendung: WDR Hörfunk, Lokalzeit aus Aachen, 19.05.2026, 16:31 Uhr.