Jahrzehntelang wusste die Familie nicht, wo Walenty Fabijanski begraben wurde. Der polnische Dokumentarfilmer Marcin Korneluk hatte seiner Urgroßmutter ein Versprechen gegeben: Er wollte das Grab seines Urgroßvaters Fabijanski finden. Jahrzehntelang fehlte jede Spur. Nur bekannt war, dass Walenty Fabijanski während des Zweiten Weltkriegs als Zwangsarbeiter in Kall eingesetzt worden war.
Recherche durch Lokalhistoriker
Mit einer E-Mail aus Stettin an die Gemeinde Kall begann die Suche. Die Stadt schaltete daraufhin die Lokalhistoriker Andreas Züll und Franz-Albert Heinen ein. Sie durchforsteten Archive und alte Dokumente und wurden fündig. Sie fanden den Wohnort, die Arbeitsstelle und schließlich die letzte Ruhestätte von Walenty Fabijanski.
"Wir haben meist nur Daten in den Papieren, aber selten ein Gesicht dazu. Dass Herr Korneluk persönlich aus Polen vor Ort ist, ist etwas ganz anderes", erklärt Heinen. Die Recherchen ergaben, dass Fabijanski jahrelang als Lkw-Fahrer in einem Baustoffhandel in Kall arbeiten musste.
Ein Leben voller Brüche
An den Folgen eines schweren Bombenangriffs, vermutlich im Januar 1945, kam Walenty Fabijanski im Alter von 42 Jahren ums Leben. Er starb, ohne seine Frau und seine zwei Kinder noch einmal zu sehen.
Vor dem Krieg hatte er in der Automobilbranche gearbeitet und für die Autofirma Ford an einem frühen Vorläufer des Sicherheitsgurts mitgewirkt. Später wurde er in die polnische Armee eingezogen. Nach seiner Gefangennahme geriet er in die Zwangsarbeit.
"Allein im Kreisgebiet Schleiden konnten wir 2.800 Zwangsarbeiter namentlich nachweisen." Franz-Albert Heinen, Journalist und Lokalhistoriker
Franz-Albert Heinen ergänzt: "In der Gemeinde Kall waren es 230, etwa die Hälfte davon Polen."
Ungewöhnliche Ruhestätte
Beigesetzt wurde Walenty Fabijanski auf dem Soldatenfriedhof in Mariawald eine halbe Stunde von Kall entfernt. Sein Grab befindet sich an einem ungewöhnlichen Ort. Dort liegen deutsche Soldaten, die 1944 und 1945 ums Leben kamen, aber auch Zwangsarbeiter der Region. Nach Jahrzehnten der Ungewissheit steht Marcin Korneluk nun gemeinsam mit dem Kaller Bürgermeister am Grab seines Urgroßvaters. Tränen stehen ihm in den Augen.
Sein Versprechen an die Urgroßmutter hat er eingelöst. Und vielleicht wird aus der Familiengeschichte bald ein neuer Dokumentarfilm. Damit die Geschichte seines Urgroßvaters unvergessen bleibt. Denn: "Man muss vergeben, aber nicht vergessen", sagt der Urenkel.
Unsere Quellen:
- Reporterin vor Ort
- Interview mit Marcin Korneluk
- Interview mit Franz-Albert Heinen
- Interview mit Andreas Züll
- Interview mit Bürgermeister Emmanuel Kunz
Sendung: WDR.de, Eifel: Nach 80 Jahren Grab des Zwangsarbeiters entdeckt, 22.06.2026, 17:00 Uhr