So sieht Heinsbergs erster inklusiver Spielplatz aus

WDR 03:17 Min. Verfügbar bis 05.05.2028

Spezielle Geräte So sieht Heinsbergs erster inklusiver Spielplatz aus

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In Heinsberg hat Kindern mit Behinderung ein Ort zum Spielen gefehlt. Eine Gruppe Eltern hat sich stark gemacht, um das zu ändern.

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Lilia Manthei
und
Rebecca Hoven
Rebecca Hoven

Ein Mädchen fährt auf einer surrenden Kinderseilbahn einen Hang hinab, weiter vorne schüttet Junge einen Eimer aus, sodass Sand rieselnd zu Boden fällt. Nicht weit davon wirbelt eine Gruppe Kinder in einem Karussell umher, das eines von ihnen anschubst - Spielplatzszenen, wie sie viele aus der eigenen Nachbarschaft kennen. Dieser Spielplatz in Heinsberg-Lieck ist aber anders.

"Hier sind alle Geräte so bedienbar, dass die Eltern mit der Hand die Kinder unterstützen können. Jedes Gerät ist direkt anfahrbar", erklärt Sandra Senftleben vom Verein "Die Spielplatzbande", während sie ihren Sohn anschaukelt. Senftleben, die selbst eine beeinträchtigte Tochter hat, ist Mitgründerin des Vereins, aus dem das Projekt des ersten inklusiven Spielplatzes in Heinsberg gewachsen ist. Nach zweijähriger Planung und Umsetzung steht der Spielplatz seit Sonntag, 3. Mai, Familien offen.

Das gehört zu einem inklusiven Spielplatz dazu

Erster inklusiver Spielplatz in Heinsberg

Die Rutschen sind extrabreit

Dass es sich bei dem Spielplatz in Heinsberg-Lieck um einen inklusiven handelt, mag vielen erst bei genauerer Betrachtung auffallen: Die Eingänge und Spielgeräte sind extra breit, ebenerdig und barrierefrei, sodass Eltern ihren Kindern beim Klettern und Spielen helfen können.

Eine Tafel mit bunten Bildchen von Gesten erklärt ihre Bedeutung. Sie soll bei nonverbaler Kommunikation unterstützen. Und statt Sand befindet sich um die meisten Spielgeräte herum ein Mattenboden, "sodass auch jemand mit einem Rollator oder einem Rollstuhl den Weg problemlos bis zum Spielgerät leisten kann", erklärt Senftleben.

"Wir haben versucht, so viele Behinderungen wie möglich zu berücksichtigen." Esther Weirauch, Landschaftsarchitektin

"Dass wir die Bärenhöhle da vorne haben," – eine Art Tippi aus Holz – "wo man sich erstmal zurückziehen kann, für die Kinder, die nicht so kommunikativ sind am Anfang. Wir haben eine Umzäunung, das gilt vor allem für die Behinderungen, wo die Kinder Fluchttendenzen haben", erklärt Landschaftsarchitektin Esther Weirauch, die den Spielplatz ehrenamtlich geplant hat.

Nur ein Fünftel der Spielplätze inklusiv

Elisa Derix ist mit ihrem geistig beeinträchtigten Sohn gekommen. Sie findet, dass es Orte wie diesen öfter geben sollte, "damit Kinder tatsächlich gemeinsam spielen können und sich vielleicht weiterentwickeln können, weil sie Sachen voneinander abschauen und sich helfen können", erklärt Derix.

Noch ist der Spielplatz in Heinsberg eine Ausnahme. Laut einer Studie der Aktion Mensch verfügen nur 21,3 Prozent der untersuchten Spielplätze in Deutschland über inklusive Merkmale, also Angebote, die es Kindern mit und ohne Behinderung ermöglichen, gemeinsam zu spielen. Alleine in NRW gibt es über 16.000 Spielplätze - der Bedarf ist also groß.

Auf einem Spielplatz spielt ein Junge im Rollstuhl mit einem Vorhang aus Stäben. Sein Vater steht daneben und hilft ihm, während ein kleines Mädchen im Vorgerdrung aus einem Becher trinkt.

Alle Geräte auf dem inklusiven Spielplatz in Heinsberg sind so gebaut, dass Eltern ihren Kindern problemlos helfen können.

Die Mehrheit der Spielplätze bleibt stattdessen für viele nur eingeschränkt nutzbar. Inklusive Spielplätze sind jedoch mehr als nur barrierefreie Orte. Sie schaffen Begegnungen im Alltag - niedrigschwellig, selbstverständlich und früh. Genau darin liegt ihre Bedeutung: Kinder lernen hier, dass Unterschiedlichkeit normal ist.

Inklusion im Städtebau kein Standard

Für die Designerin und Forscherin Esther Kantorek ist das ein zentraler Punkt. "Wenn Kinder ausgeschlossen werden, lernen sie auch keine anderen Kinder mit Behinderung kennen", so Kantorek. Fehlende Zugänglichkeit treffe dabei nicht nur Kinder. Auch Eltern mit Behinderung oder Großeltern mit Gehhilfe könnten viele Spielplätze gar nicht erst erreichen.

Eine Gruppe von Menschen sitzt an einem Tisch und tauscht sich aus.

Esther Kantorek beschäftigt sich als Designerin mit Inklusion und Teilhabeforschung

Bestehende Spielplätze müssen nachgerüstet werden - etwa durch Rampen oder barrierearme Zugänge. Und bei Neubauten darf Inklusion nicht länger ein Zusatz sein, sondern muss von Anfang an mitgedacht werden, findet Kantorek.

Doch warum gibt es so wenige inklusive Spielplätze? Im Städtebau ist Inklusion noch kein Standard, sondern oft eine Frage von Platz und Kosten. Hinzu kommt: Viele inklusive Spielgeräte sind teurer als herkömmliche Angebote. Für Ursula Espeter, Geschäftsführerin der gemeinnützigen Organisation TABALiNGO in Stolberg, ist das jedoch zu kurz gedacht.

"Wenn man bauseits Normalität reinbringt, wäre es auch normal, dass da ein Kind spielt. Das muss man einfach mal mitdenken." Ursula Espeter, Geschäftsführerin TABALiNGO

Mit dem ersten inklusiven Spielplatz in Heinsberg ist dahingehend ein Anfang geschaffen. Dort werden sowohl Kindern mit und ohne Beeinträchtigung als auch verschiedenenen Alters Angebote zum Spielen gemacht. "Hier der Spielplatz, der ist wirklich für all unsere Familien und unsere Freunde so geeignet, dass wir gemeinsam spielen können", sagt Sandra Senftleben von "Der Spielplatzbande".

Forscherin Esther Kantorek über inklusive Spielplätze

WDR 04.05.2026 00:47 Min. Verfügbar bis 03.05.2028 WDR Online

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Unsere Quellen

Sendung: WDR.de, Erster inklusiver Spielplatz in Heinsberg, 04.05.2026, 18.30 Uhr

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