Hebammen demonstrieren für faire Bezahlung
Lokalzeit aus Aachen. 05.05.2025. 02:46 Min.. Verfügbar bis 05.05.2027. WDR. Von Thomas Wenkert.
Zum 1. November soll die Vergütung der Hebammen geändert werden. Die aktuellen Pläne stoßen aber vor allem bei den so genannten Dienst-Beleghebammen auf Kritik. Das sind freiberufliche Hebammen, die sich selbst organisieren und in eigener Regie in Kreißsälen arbeiten. Dieses Modell gibt es auch im Heinsberger Krankenhaus. Dort haben sich vor knapp drei Jahren zwölf Hebammen zusammengeschlossen.
Wir sollen künftig weniger Geld für mehr Arbeit bekommen Brigitte Hülden, Hebamme
Unter anderem wollen die Krankenkassen künftig zahlreiche Untersuchungen nicht mehr bezahlen, darunter die U-Eins-Untersuchung. Auch alle Wochenenddienste sollen nicht mehr bezahlt werden. Außerdem fordern die Krankenkassen künftig eine Eins-zu-eins-Betreuung. Im Klartext: Eine Hebamme soll sich ausschließlich um eine Schwangere kümmern. “Das wäre natürlich schön, ist aber in der Realität kaum umsetzbar”, sagt Hülden. Mehr Geld gibt es nur für eine Eins-zu-eins-Betreuung. Betreut eine Hebamme aber mehrere Schwangere in einer Schicht, gibt es Abschläge.
Hebammenberuf wird unattraktiv
Das klingt nach Mengenrabatt, sagen die Hebammen. Mit dem geplanten neuen Vergütungssystem werde der Hebammenberuf auf Dauer unattraktiv. So werde ein Nachwuchsproblem provoziert, sagt der Vorstandsvorsitzende des Heinsberger Krankenhauses, Kai Louis. Schon jetzt gebe es zu wenig Hebammen. Der CDU-Politiker betonte, das Vorgehen sei absolut unverständlich.
Hoffnung auf eine andere Lösung
Allein im Städtischen Krankenhaus Heinsberg kommen durchschnittlich zwei Babys pro Tag auf die Welt. Im ersten Quartal des laufenden Jahres erblickten hier bereits 255 Jungen und Mädchen das Licht der Welt. "Hebammen sind systemrelevant, bezahlt sie auch so" oder "Von Dank können wir nicht leben" stand heute auf den Protestschildern. Die Hebammen hoffen auf neue Lohnverhandlungen. Auch Hebammen aus Bonn, Birkesdorf und Bensberg nahmen heute an der Demonstration in der Heinsberger Innenstadt teil. Insgesamt rund 100 Personen.
Unsere Quellen:
- Gespräch mit Hebamme Brigitte Hülden
- Gespräch mit Kai Louis, Vorstand Krankenhaus Heinsberg
- Reporter vor Ort