Alkoholfreier Wein raus aus der Nische?
Aktuelle Stunde . 03.06.2025. 11:58 Min.. UT. Verfügbar bis 03.06.2027. WDR. Von Marius Schneider.
Erst das Bier, jetzt der Wein: Alkoholfreie Getränke werden besser
Stand:
Alkoholfreies Bier ist inzwischen Standard. So könnte es auch alkoholfreiem Wein bald ergehen - Qualität und Absatz steigen jedenfalls. Und der regelmäßige Alkoholkonsum unter 18- bis 25-Jährigen ist auf einem Tiefstand.
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Zu den Kommentaren [5]Sie heißen light, fun, blue oder zero: alkoholfreie Getränke. Vor allem alkoholfreies Bier ist in Deutschland so beliebt wie nie. Der Deutsche Brauer-Bund rechnet damit, dass bald jedes zehnte in Deutschland gebraute Bier alkoholfrei sein wird.
Auch der Absatz an alkoholfreiem Sekt, Wein, Wodka oder Prosecco steigt. So gingen 2024 fast 20 Millionen Flaschen alkoholfreien Sekts über die Ladentheke - ein Plus von fast zehn Prozent im Vergleich zu 2023. Doch woran liegt das?
"Die Qualität alkoholfreier Produkte ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen", sagt der Chef der Kellerei Henkell-Freixenet, Andreas Brokemper. Das habe auch technologische Gründe, weil sich die Verfahren der Entalkoholisierung beim Wein deutlich weiterentwickelt hätten.
Wein schmeckt auch ohne Alkohol
"Bei der gängigsten Methode, der sogenannten Vakuumdestillation, kann der Alkohol heutzutage bei viel geringeren Temperaturen entzogen werden", erläutert Ernst Büscher, Pressesprecher des Deutschen Weininstituts, im Gespräch mit dem WDR.
Das sei schonender, und der Wein bleibe auch ohne Alkohol aromatisch:
"Man hat sehr viel gelernt in den letzten Jahren, und die Qualität ist deutlich besser geworden." Ernst Büscher
Nun ist alkoholfreier Wein noch ein absolutes Nischenprodukt, aber: Das war alkoholfreies Bier auch am Anfang. Mittlerweile findet man alkholfreien Wein von immer mehr Herstellern.
"Ich prognostiziere, dass in ein paar Jahren jedes Weingut einen alkoholfreien Wein im Angebot haben wird", sagt Ernst Büscher. Und er geht davon aus, dass es die entsprechenden Abnehmer und Konsumenten geben wird – auch weil die Trinkgewohnheiten sich geändert haben, vor allem bei jungen Menschen.
Aktuelle Daten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zeigen zwar, dass das sogenannte Rauschtrinken nach der Pandemie wieder deutlich zugenommen hat. Der regelmäßige Alkoholkonsum der 18- bis 25-Jährigen ist allerdings auf einem Tiefstand.
Junge Menschen trinken weniger Alkohol
Demnach trinken bei den Frauen noch 18,2 Prozent regelmäßig und bei den Männern 38,8 Prozent. Eine YouGov-Studie aus dem Jahr 2022 kam zu dem Schluss, dass 49 Prozent der 18- bis 24-Jährigen in Deutschland gar keinen Alkohol trinken - so viele wie in keiner anderen Altersgruppe in Deutschland.
Und wenn die heutige Jugend doch Alkohol trinke, beginne sie später damit, sagt Simone Loose vom Institut für Wein- und Getränkewirtschaft der Hochschule Geisenheim im Gespräch mit dem WDR. "Viele wollen bewusster und gesünder leben."
"Früher ist man erwachsen geworden, wenn man über die Strenge geschlagen hat mit Alkohol. Das ist heute anders. Es ist nicht mehr angesagt, wenn man sich mit Alkohol daneben benimmt." Simone Loose
Für die Winzer heißt das: "Es ist gut, dass sie sich an alkoholfreiem Wein ausprobieren. Technisch hängen sie noch hinterher. Aber beim alkoholfreien Bier hat es auch fast 20 Jahre gedauert, bis wir heute das Getränk haben, das sich nur wenig vom normalen Bier unterscheidet."
Hersteller anderer entalkoholisierter Getränke aus Gin oder Whisky hätten es einfacher, weil für diese keine Vorschriften wie das Weingesetz gelte: "Sie können Bitterstoffe oder Aromen zusetzen. Wenn es nur um den Geschmack geht, haben die aromatisierten Getränke einen Vorteil - und die wachsen auch. Ich bin mir sehr sicher, dass in ein paar Jahren sehr viele interessante Produkte nebeneinander im Regal stehen werden", so Loose.
Unsere Quellen:
- Interview mit Ernst Büscher
- Interview mit Simone Loose
- Nachrichtenagenturen dpa, KNA
- Tagesschau-Artikel "Wein Zero"-Trend
- Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
- YouGov-Studie zum Alkoholkonsum
5 Kommentare
Kommentar 5: Sonja schreibt am 04.06.2025, 12:25 Uhr :
Ich trinke gelegentlich ein gut gekühltes alkoholfreies Bier....und ich genieße es ! Wer es nicht mag, der oder die kann ja einfach weiterhin die "traditionelle" Version trinken. Miesmachen ist unfair!
Kommentar 4: Karin schreibt am 04.06.2025, 07:28 Uhr :
Ich arbeite in der Weinabteilung und habe mich auf Alkoholfrei spezialisiert. Es gibt unglaublich gute Sache inzwischen mei Sortiment beträgt inzwischen locker 80 verschiedene Produkte. Die Kunden nehmen es super an die Produkte werden immer besser also weshalb Alkohol zu sich nehmen wenn es ohne auch schmecken kann.
Kommentar 3: Stefan schreibt am 04.06.2025, 06:27 Uhr :
Verständlich, die Kritik am alkoholfreien Rotwein teile ich – der Weg Richtung Traubensaft ist oft nicht zu leugnen. Aber bei Bier und Weißwein finde ich das Bild etwas zu hart gezeichnet. Es gibt inzwischen Sorten, bei denen der Charakter erstaunlich gut erhalten bleibt, gerade bei Weißweinen mit angepasster Säurestruktur oder bei hopfenbetonten, kalt entalkoholisierten Bieren. Ein herbes alkoholfreies Bier ist wohl kaum mit einer Limo vergleichbar – und von manchen regulären Bieren kaum zu unterscheiden. Klar: Wer Täuschung sucht, wird enttäuscht. Wer aber weiß, dass es nie das Original ist, kann trotzdem Geschmack finden – nicht als Ersatz, sondern als eigene Kategorie.
Kommentar 2: Wolfgang schreibt am 03.06.2025, 13:15 Uhr :
Alkoholfreies Bier ist viel besser geworden kann man Trinken.
Kommentar 1: Ruhri schreibt am 03.06.2025, 12:46 Uhr :
Von Fake halte ich grundsätzlich nichts. Wein ohne Alkohol ist Traubensaft und selbst der darf bis zu 3 g/l Alkohol enthalten. Nichts gegen Traubensaft aber Traubensaft in der Geschmacksrichtung Wein ist Selbstbetrug. Bei Bier sehe ich das auch so, entweder trinke ich Bier oder Limonade. Einzige Ausnahme wäre Dunkelbier mit etwa 0,5% Alkoholgehalt, da gibt es eine Tradition und da will man nichts anderes vortäuschen. Bier ist Bier, Schnaps ist Schnaps und Limonade bleibt Limonade egal welches Aroma.
Antwort von Stefan , geschrieben am 04.06.2025, 06:26 Uhr :
Verständlich, die Kritik am alkoholfreien Rotwein teile ich – der Weg Richtung Traubensaft ist oft nicht zu leugnen. Aber bei Bier und Weißwein finde ich das Bild etwas zu hart gezeichnet. Es gibt inzwischen Sorten, bei denen der Charakter erstaunlich gut erhalten bleibt, gerade bei Weißweinen mit angepasster Säurestruktur oder bei hopfenbetonten, kalt entalkoholisierten Bieren. Ein herbes alkoholfreies Bier ist wohl kaum mit einer Limo vergleichbar – und von manchen regulären Bieren kaum zu unterscheiden. Klar: Wer Täuschung sucht, wird enttäuscht. Wer aber weiß, dass es nie das Original ist, kann trotzdem Geschmack finden – nicht als Ersatz, sondern als eigene Kategorie.