Wehrdienst – was bedeutet das für "dich und mich" & Interview mit Jugendforscher | Aktuelle Stunde

02:50 Min. Verfügbar bis 08.07.2027

Rückkehr zur Wehrpflicht? Warum ein Vater Angst um seine Söhne hat

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Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) denkt über eine Rückkehr zur Wehrpflicht nach. Ein Vater aus Burscheid erklärt, warum ihn das besorgt.

Einsatzbereit, kaltstartfähig und durchhaltefähig: So wünscht Boris Pistorius sich die Bundeswehr. Dazu hat der Bundesverteidigungsminister einen ersten Gesetzesentwurf vorgelegt.

Ziel Nummer eins: die Truppe verstärken. Derzeit gibt es 180.000 Soldatinnen und Soldaten - nicht genug, sagt Pistorius. Also lockt der Bund mit Geld: Rund 2.000 Euro netto im Monat sind im Gespräch.

Wenn das nicht hilft, dann soll doch die Pflicht kommen. Vorausgesetzt, der Bundestag stellt eine Verschärfung der Bedrohungslage fest. Gelten soll die Wehrpflicht für alle Männer ab Jahrgang 2008.

Wehrpflicht ein Schreckensszenario

Für Georgios Kacsikas aus Burscheid klingt das alles wie ein Schreckensszenario. Die Angst um seine beiden Söhne Jan und Felix (beide 15) ist groß, auch wenn er die Notwendigkeit zur Verteidigung grundsätzlich sieht.

Das sehe ich ein. Trotzdem bin ich als Vater maximal beunruhigt und beängstigt. Die zwei Kinder, die wir auf die Welt gebracht haben, sollen die Welt erkunden, die sollen sich entwickeln. Georgios Kacsikas

Deswegen würde er seinen Kindern immer vorschlagen: "Macht einen Ersatzdienst. Im Sanitätsbereich, im Hilfebereich. Aber nicht mit der Waffe in der Hand."

Sechs Monate lang soll der Wehrdienst dauern. Geplant sind zunächst 30.000 Freiwillige pro Jahr. Auf die Art soll die Bundeswehr bis 2029 stetig anwachsen. Das Problem: Viele Kasernen sind marode.

Georgios Kacsikas

Allein in NRW müssen laut Landesregierung 147 Kasernen renoviert werden. Unklar ist auch, ob die vielen Freiwilligen so überhaupt untergebracht werden könnten. Für Georgios Kacsikas ist das indiskutabel: "Ich finde, die, die sich dafür entschieden haben, bei der Bundeswehr zu arbeiten, die besten Werkzeuge an die Hand bekommen sollten. Die besten Kasernen, die besten Ausstattungen, das beste Material."

Pistorius hofft auf viele Freiwillige

Bundesverteidigungsminister Pistorius hofft, dass sich in den kommenden Jahren so viele Freiwillige melden, dass ein verpflichtender Wehrdienst gar nicht erst nötig wird.

Das Problem: Junge Menschen in Deutschland haben offenbar keine Lust auf den Wehrdienst. Das ist zumindest das Ergebnis der Studie "Jugend in Deutschland 2025 mit Generationenvergleich", die im Mai erschienen ist.

Junge Menschen lehnen Wehrpflicht ab

Demnach sagen nur 18 Prozent der 14- bis 29-Jährigen, dass sie einen verpflichtenden Wehrdienst grundsätzlich gut finden. "Von den 14-bis 18-Jährigen, die akut betroffen wären, sind es nur 14 Prozent. Die Mehrheit ist dagegen", sagte Mit-Herausgeber Simon Schnetzer, Sozialwissenschaftler an der Hertie School of Governance, in der "Aktuellen Stunde".

Von den befragten Schülerinnen und Schülern würden sich sogar nur zwei Prozent freiwillig melden. Aber: "Wenn sie gezwungen werden, finden sie es ok, weil sie die Notwendigkeit erkennen", sagt Simon Schnetzer.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt eine repräsentative YouGov-Befragung für die Studie "Junges Europa 2025". 55 Prozent der 16- bis 26-Jährigen in Deutschland lehnen die Einführung einer allgemeinen Dienstpflicht ab, nur 38 Prozent sind dafür.

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