ADHS-Diagnose per TikTok-Video? Warum das mit Vorsicht zu genießen ist | WDR aktuell
WDR. 02:13 Min.. Verfügbar bis 11.03.2028.
ADHS-Diagnose per TikTok-Video? Warum das mit Vorsicht zu genießen ist
Stand:
ADHS, Schizophrenie, Depression: Selbst-Diagnosen per TikTok-Video können laut Studie gefährlich sein. Worauf man achten sollte.
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Zu den Kommentaren [5]"Fünf Dinge, die Menschen mit ADHS haben", "Die acht häufigsten körperlichen Symptome bei übermäßigen Ängsten" - so ähnlich klingen manche Botschaften von TikTok-Videos zum Thema psychsische Gesundheit. Was ist davon zu halten? Das haben Forschende der Uni Duisburg-Essen in einer neuen Studie untersucht.
Dafür haben sie 177 deutschsprachige TikTok-Videos zu Menthal Health analysiert, die Breitenwirkung haben. Zusammen hatten diese Videos bisher rund 94 Millionen Ansichten - also durchschnittlich rund eine halbe Million Aufrufe pro Video.
In den untersuchten Videos ging es um sechs psychische Störungen: ADHS, Depression, Autismus, Angststörung, Narzissmus und Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS).
Was kam bei der Analyse raus?
Das Ergebnis ist ernüchternd: Nur knapp jedes fünfte TikTok-Video zu psychischer Gesundheit war korrekt - über ein Drittel war komplett falsch. Fast 20 Prozent waren zu allgemein formuliert oder hatten keine wissenschaftliche Grundlage. Und ein knappes Drittel der Videos gaben lediglich persönliche Erfahrungen wieder.
Doch das bedeutet nicht, dass TikTok-Videos generell nichts taugen. Laut der Studie waren Videos von Fachleuten wie Ärzten oder Psychologen deutlich zuverlässiger. Im Gegensatz dazu waren demnach Videos von Laien oder sogenannten Coaches eher schlecht recherchiert oder sogar irreführend.
Wie sahen die Ergebnisse bei ADHS-Videos aus?
Psychotherapeut Benedikt Langenbach
"ADHS wurde in der Analyse nicht besonders in den Fokus genommen", sagte Dr. Benedikt Langenbach, einer der Studien-Autoren, am Donnerstag dem WDR. Zum Zeitpunkt der Datenerhebung sei ADHS allerdings mit 440 Millionen Ansichten das Thema zu psychischer Gesundheit gewesen, "das am meisten gesehen wurde".
Es seien 30 Videos zu ADHS untersucht worden. Von diesen seien nur drei korrekt gewesen - und zwölf inkorrekt. "Das heißt, es gab dazu vier Mal so viel falsche wie richtige Videos." Außerdem seien fünf Videos verallgemeinernd oder ungenau gewesen und zehn hätten lediglich persönliche Erfahrungen berichtet, so Langenbach.
Was können inkorrekte Videos für Folgen haben?
"Wenn Menschen so massiv mit Falschinformationen konfrontiert sind, birgt das die Gefahr, dass sie sich verspätet oder nicht in Behandlung begeben", sagte Langenbach. "Zum Beispiel, weil sie lange nach einer spezialisierten Diagnostikstelle für ADHS suchen, während sie in Wirklichkeit vielleicht eine Angststörung haben, die rasch ambulant behandelt werden könnte."
Fehlinformationen könnten auch zu falschen Selbst-Diagnosen führen oder psychische Erkrankungen sogar glorifizieren. Der Psychotherapeut Benedikt Langenbach sagte dem WDR, er habe es schon erlebt, dass Patienten "mit einer fixen Diagnose im Kopf" in die Behandlung gekommen seien, die sie auf Social Media gefunden hätten. Dann brauche es manchmal Überzeugungsarbeit, dass es statt ADHS doch etwas anderes sein könnte.
Also Hände weg von TikTok-Videos?
Nein, auf keinen Fall, sollte man sich auf Social Media nicht mehr informieren, sagt Langenbach. Als Psychotherapeut finde er es super, wenn Menschen über psychische Gesundheit reden - auch auf Social Media. Dass sich Betroffene austauschen, sei wertvoll. Aber es sei auch wichtig, dass die Informationen auch stimmen.
Sein Tipp ist: "Immer die Quelle checken!" Also: Von wem kommt das Video? Videos von Profis mit medizinischem oder psychologischem Hintergrund waren häufiger korrekt, sagte er. Es gebe aber auch große Selbsthilfe-Organisationen, die guten Content machen. Allerdings: Videos könnten die Beratung und Diagnostik von Profis - wie etwa in einer Psychotherapie - nicht ersetzen.
Unsere Quellen:
- 0630 - der News-Podcast
- Info zur TikTok-Studie der LVR-Klinik Essen und der Uni Duisburg-Essen
- WDR-Interview mit Studien-Autor Dr. Benedikt Langebach
Sendung: 1LIVE, 0630 - der News-Podcast, 09.04.2026, 6:30 Uhr
5 Kommentare
Kommentar 5: Brigitta S. schreibt am 11.04.2026, 11:45 Uhr :
Die zunehmende Digitalisierung beeinflusst Schulkinder, es gibt Risiken mit ADHS- Belastungen. Ein Wohlergehen der jungen Generation kann das der Staat gewährleisten für ihre Zukunft, wenn sie als Kinder schulisch schon so unter Druck gesetzt werden? Das Hirn eines Grundschülers kann viel aufnehmen und abspeichern, aber die Fantasie das eigene Talent ist leider nicht bei allen Kinderköpfen gleich. Dem Schulministerium, den Eltern sollte bewusst sein, dass ihre Maßnahmen zur Unterstützung von Kindern bei emotionaler Überforderung dem Kind besser angepasst werden sollte. Schulkinder sind überfordert bei der Möglichkeit an Nutzung von Smartphones, Tablets, Konsolen usw. Der hohe Technikkonsum kann bei Kindern, der Jugend ein aggressives Verhalten erzeugen, was sich immer öfter zeigt. Wer als Erwachsener zu viel Technikkonsum in Kauf nimmt, da zeigt sich auch oft ein emotionaler Stress mit innerer Unruhe, Depressionen, Nacken, Schulter und Rückenschmerzen. Kinder sollen alles verkraften?
Kommentar 4: Brigitta S. schreibt am 10.04.2026, 11:32 Uhr :
Um ADHS herrscht ein Hype, ist es wirklich eine Krankheit? Ich bin überzeugt, ja aufgedrängt durch das Internet und deren Plattformen wie zum Bsp. Tik Tok usw. Da werden die Symptome von ADHS verstärkt, sie führen zu Ablenkungen und Konzentrationsprobleme. Wie kann man sagen, dass Internet hat auch Vorteile? ADHS zeigt es, dass Erwachsene, Jugend, Kinder durch anfällige Reize bei intensiver Nutzung der digitalen Medien krankhaft süchtig gemacht werden. Der private Medienkonsum ist enorm geworden, die Überkonzentrationsgefahr ist vorhanden, wenn unsere Kinder bei Messenger-Dienste, mit zu vielen Personen gleichzeitig kommunizieren. Da wurde nicht vorgesorgt, was kann bei den Digital- Vorteilen nebenbei schädlich krankhaft passieren. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Wirtschaft mit den Symptomen von ADHS leidet. Sie hat die vielen gewollten Vorteile erhalten. Internet macht einsam? Jeder ist seines Glückes Schmied bei der Auswahl. „Kinder müssen geschützt werden“ vor ADHS!
Kommentar 3: August Schulte schreibt am 10.04.2026, 10:44 Uhr :
Spiegelbild für schwindende Kritikfähigkeit. Wer glaubt denn an Patentrezepte für so sensible Themen? Völlig überflüssig. Und: Warum so viele Anglizismen?
Kommentar 2: Franziska 1 schreibt am 09.04.2026, 23:51 Uhr :
TikTok ist es überhaupt lebenswichtig? Ich bin überzeugt, nein! Wer mitmacht, die Video ansieht, dann kann es chronisch krankhaft werden und wird zur selbst gewählten Lebenshaft! Habe anfangs mal rein geschaut, aber dann für immer geschlossen. Ich lasse mich von Fakes nicht berieseln bei Tik Tok, den Kram dort brauch ich nicht um gesünder, schöner zu werden. Dafür gibt es von mir selbst ausgewählte Ärzte, Therapeuten usw. falls benötigt. Die Quelle check ich immer automatisch bei Webseiten und Apps. Ich brauche das "betreute psychische Denken" anderer Menschen nicht. Bei Tik Tok nicht und von andere Schnick-Schnack Plattformen die mir sagen, wie ich mich verhalten soll. Ja, mit fremden Menschen austauschen, dass ist wichtig. Ich treffe sie aber lieber persönlich. Ausnahme sind für mich Foren wie hier, da kann man auch Studien machen wie Leute ticken. Nun, jedem Tierchen sein Plisierchen! Ich besitze schon seit 28 Jahren einen Computer, über den Tisch gezogen hat mich noch keiner.
Kommentar 1: Runhild H. schreibt am 09.04.2026, 21:56 Uhr :
Das Problem mit diesen Filmen ist, dass die Menschen damit verwirrt werden und bei sich selber ständig irgendwelche Probleme finden, die sie bestätigt haben möchten. Dann werden die Diagnosen angestrebt. Beim Autismus ist das besonders auffällig. Die Diagnosen sind schwierig und langwierig. Es gibt zu wenig Diagnoseplätze und zu viele Anfragen. Wartezeiten von mehreren Jahren sind normal. Nach den Statistiken, die mir bekannt sind, werden bei Autismus bis zu 80% der Anfragen negativ bewertet, die Diagnose also nicht gestellt. Das Problem ist dann, dass für die wirklich betroffenen Menschen kaum eine Möglichkeit besteht, in akzeptabler Zeit an eine Diagnose zu kommen. Die wirklich Betroffenen gehen bei dem Kampf um die Diagnoseplätze unter. Für viele Autistinnen und Autisten ist es gar nicht möglich, ständig am Telefon zu hängen und nach Terminen zu fragen. Das können sie einfach nicht und damit haben sie schon verloren. Bei ADHS ist es wohl so ähnlich. Ohne Diagnose keine Hilfe!