Streik in NRW: Busse und Bahnen stehen noch bis Dienstagfrüh still

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Leere Haltestellen, volle Straßen: Der Warnstreik hat am Montag den öffentlichen Nahverkehr in großen Teilen von NRW lahmgelegt. Gestreikt werden soll laut Gewerkschaft Verdi noch bis Dienstagfrüh, 3 Uhr.

Busse, Straßen- und U-Bahnen blieben am Montag in den Depots. 12.000 Beschäftigte seien dem Streikaufruf gefolgt, teilte die Gewerkschaft Verdi mit. Am Dienstag soll sich die Lage im ÖPNV aber wieder normalisieren. Laut Gewerkschaft soll der Streik bis Dienstag, 3 Uhr weitergehen. Hintergrund des Warnstreiks, zu dem die Gewerkschaft Verdi in allen Bundesländern außer Niedersachsen aufgerufen hat, sind die laufenden Tarifverhandlungen.

Köln, Dortmund, Düsseldorf: Fast alle NRW-Städte vom Streik betroffen

Vor dem Hauptbahnhof in Dortmund warteten heute Taxis auf Reisende. | Bildquelle: WDR/Fabian Neuenzeit

Zu den kommunalen Verkehrsbetrieben, um die es in den Verhandlungen geht, gehören nahezu alle großen Städte in Nordrhein-Westfalen - von Köln, Düsseldorf und Duisburg über Oberhausen, Gelsenkirchen und Dortmund bis hin zu Bielefeld. Die Aachener Verkehrsbetriebe Aseag sind eine der wenigen Ausnahmen in NRW, auf die sich die Tarifverhandlungen nicht beziehen - dort gab es am Montag normalen Nahverkehr.

Nach Informationen der WDR-Verkehrsredaktion kam es durch den Streik am frühen Montagmorgen nicht zu einem verstärkten Verkehrsaufkommen. Viele Menschen stellten sich demnach auf die Einschränkungen ein und arbeiten beispielsweise aus dem Homeoffice. Im Verlauf des Vormittags gab es in NRW zwar zwischenzeitlich rund 250 Kilometer Stau. Laut der WDR-Verkehrsredaktion sei das aber nicht auf ein erhöhtes Verkehrsaufkommen zurückzuführen, sondern auf Unfälle und Sperrungen.

Das sagen Menschen aus Köln zu den Streiks im ÖPNV

Einzelne Subunternehmer-Linien nicht vom Streik betroffen

Durch den Streik standen allerdings nicht alle Busse und Bahnen still. In einigen Kommunen sind auf einzelnen Linien private Subunternehmer unterwegs, die nicht streiken. Es lohnte sich also, trotz Streik in den aktuellen Fahrplan auf der Website oder in der App der Anbieter zu schauen.

Liste zum Ausklappen: Welche NRW-Verkehrsunternehmen sind vom Warnstreik betroffen?

  • Bahnen der Stadt Monheim
  • Beteiligungsgesellschaft des Kreises Düren
  • Bogestra
  • Dortmunder Stadtwerke AG
  • Duisburger Verkehrsgesellschaft AG
  • Hagener Straßenbahn AG
  • Kölner Verkehrs-Betriebe AG
  • moBiel GmbH
  • MVG Märkische Verkehrsgesellschaft
  • NEW mobil + aktiv MG GmbH
  • NEW mobil + aktiv Viersen GmbH
  • Niederrheinische Verkehrsbetriebe AG NIAG
  • Rhein-Erft-Verkehrsgesellschaft
  • Rheinbahn AG
  • Ruhrbahn GmbH (früher EVAG)
  • Stadtbus Gütersloh GmbH
  • Stadtwerke Bonn Verkehrs-GmbH (einschließlich Fahrbetrieb Bonn GmbH)
  • Stadtwerke Hamm Verkehrsbetrieb Hamm GmbH
  • Stadtwerke Münster GmbH Nahverkehr
  • STOAG Stadtwerke Oberhausen GmbH
  • Straßenbahn Herne Castrop-Rauxel
  • SWK mobil GmbH
  • Verkehrsbetriebe der Stadtwerke Remscheid GmbH
  • Verkehrsbetriebe der Stadtwerke Solingen GmbH
  • Verkehrsgesellschaft Ennepe-Ruhr
  • Vestische Straßenbahnen GmbH
  • WestVerkehr GmbH
  • WSW mobil GmbH
  • wupsi GmbH

NRW-Schulministerium: Schulpflicht gilt trotz Streik

Das NRW-Schulministerium hatte bereits im Vorfeld der Warnstreiks auf die Schulpflicht verwiesen: Eltern müssten dafür sorgen, dass ihre Kinder zur Schule kämen. Sollte der Schulweg im Einzelfall nicht zumutbar sein, handele es sich um entschuldigte Fehlzeiten.

Weitere Warnstreiks bei Bus und Bahn wahrscheinlich

Frank Christian Starke, WDR-Wirschaftsredakteur | Bildquelle: WDR

"Es ist davon auszugehen, dass das nicht die letzte Protestaktion sein wird", sagt WDR-Wirtschaftsredakteur Frank Christian Starke: "Denn der Tarifkonflikt ist noch im Anfangsstadium. Es ist gerade erst eine Verhandlungsrunde vorbei." In der Regel steigere Verdi die Intensität der Arbeitskampfmaßnahmen, so Starke. Und weiter:

"Gut möglich also, dass es vor der nächsten Verhandlungsrunde Anfang März erneut zu Warnstreiks kommt." Frank Christian Starke, WDR-Wirtschaftsredakteur

Nach seiner Einschätzung sind die Verhandlungen schwierig. "Es geht nicht um Lohnprozente, sondern um Arbeits- und Ruhezeiten, um Zuschläge. Solche Fragen zu klären, braucht in der Regel viel Zeit.

Was Verdi in den Tarifverhandlungen verlangt

Mit den Warnstreiks soll der Druck auf die Arbeitgeber erhöht werden, die zweite Verhandlungsrunde der Tarifgespräche ist für den 2. März geplant.

Verdi NRW fordert unter anderem:

  • Die wöchentliche Arbeitszeit soll von 39 Stunden bei vollem Lohnausgleich verkürzt werden. Auf welche Stundenzahl genau soll noch konkretisiert werden.
  • Die Ruhezeit zwischen zwei Schichten soll von zehn auf elf Stunden erhöht werden.
  • Der Zuschlag für Sonntagsarbeit soll von 25 Prozent des Stundenentgelts auf mindestens 40 Prozent steigen.
  • Außerdem pocht die Gewerkschaft auf deutlich mehr Investitionen in Infrastruktur und Personal. 

Warum die Arbeitgeber die Verdi-Forderungen ablehnen

Die Arbeitgeber werfen Verdi vor, "die Augen vor der Realität der desolaten Finanzlage der kommunalen Nahverkehrsunternehmen" und der Kommunen zu verschließen. Der Nahverkehr sei ein gewaltiges Zuschussgeschäft. Würde man den Forderungen nachkommen, müsste voraussichtlich an vielen Stellen verstärkt etwa über die Einstellung von Linien, über längere Takte und über die Vergabe von Beförderungsleistungen an das private Busgewerbe nachgedacht werden, teilte der Kommunale Arbeitgeberverband Nordrhein-Westfalen mit.

Vor allem die Forderung nach Arbeitszeitverkürzung sieht der Verband kritisch. "Eine Position ist bei uns sehr klar", sagte Bernhard Langenbrinck vom Kommunalen Arbeitgeberverband in NRW im Interview mit dem WDR 5 Morgenecho: "Wir dürfen die Produktivität im ÖPNV nicht weiter vermindern." Denn dann sei das Ziel der Verkehrswende gefährdet.

Kommunale Arbeitgeber über ÖPNV-Streik: "Problematisch" WDR 5 Morgenecho - Interview 02.02.2026 06:03 Min. Verfügbar bis 02.02.2027 WDR 5

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Der Verband verweist auf Steigerungen in den vergangenen Jahren, die "bei der Gewerkschaft scheinbar völlig aus dem Blick geraten" seien. Die Tarif- und Entgeltbedingungen für die Beschäftigten im kommunalen Nahverkehr in NRW hätten sich deutlich verbessert, sodass dieser bereits jetzt attraktive Arbeitsplätze biete.

Die Arbeitgeber haben nach eigenen Angaben beim ersten Treffen Gespräche über einen sogenannten Zukunftstarifvertrag angeboten. Die Verdi-Forderung nach einer Arbeitszeitverkürzung sei bisher unkonkret.

Unsere Quellen:

  • Mitteilung der Gewerkschaft Verdi
  • Verdi-Sprecherin
  • Mitteilung des Kommunalen Arbeitgeberverbands Nordrhein-Westfalen
  • Nachrichtenagentur dpa/lnw

Sendung: WDR Fernsehen, WDR aktuell, 02.02.2026, 12:45 Uhr

Kommentare zum Thema

  • Brigitta S. 04.02.2026, 11:58 Uhr

    Die Verdi- Gewerkschaft hatte mal ein gutes Image, um den Arbeitern einen besseren Lohn zu erstreiten. Tarifverträge könnte auch ohne Streik ausgehandelt werden, aber wenn jeder ewig auf seinen Standpunkt bleibt, dann wird es unweigerlich zum Chaos zum Bsp. beim Nahverkehr. Eine andere Streik- Waffe gibt es nicht? Die Streiks von Verdi schädigen die Wirtschaft enorm, sie sind zu viele und dauern zulange. Streiks die den Nahverkehr lähmen, sollten bei harte Eis- Schnee- Winter nicht stattfinden dürfen. Das Streikrecht in Deutschland ist verfassungsrechtlich geschützt und unterliegt bestimmten Grenzen, dazu steht auch ein Verhältnismäßigkeitsgebot.“ Jeder ist sich selbst der Nächste“, leider ist es so! Ohne Rücksicht auf Verluste anderer Menschen.

    • LYN 04.02.2026, 13:18 Uhr

      Schwierig wenn man seit Jahren probiert was zu reißen und es immer wieder abgelehnt wird. man streik ja nicht, weil man mal Lust hat.

    • Paul S. 04.02.2026, 13:39 Uhr

      Der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit gilt auch für die Art und Weise, wie der Streik durchgeführt wird. Der Arbeitskampf muss sich deshalb auch zumindest an Grundgebote der Fairness halten. Grundsätzlich gibt es keine festgeschriebene, gesetzliche Regelung, wie lange Gewerkschaften streiken dürfen. Das Streikgesetz stammt aus einem Streikzeitalter, was heutzutage nicht mehr passend sein kann. Der Nahverkehr hat sich seitdem in der Größe stark verändert. Verdi nimmt diese Verkehr-Größenordnung mit Kusshand beim Streik.

  • Conny 04.02.2026, 04:36 Uhr

    Ver.di sagt ja immer so schön, sie wollen die Arbeitgeber treffen. Schon mal überlegt, warum diese mindestens 2 Verhandlungsrunden lang kein Angebot machen? Ich denke, denen kann ver.di gar keinen größeren Gefallen tun als zu streiken. Dadurch holen sie einen Teil der künftigen Mehrausgaben wieder rein, weil sie an den Streiktagen keinen Lohn zahlen müssen - also je nehr, desto besser. - Die verschnähte 39-Stunden-Woche hätte ich gern; unsere Arbeutszeit wurde vor Jahren auf 41 hochgesetzt - ohne jeden finanziellen Ausgleich. Und mein Urlaub, der eigentlich für meine Erholung ist, wird von ver.di fremdbestimmt - allein letztes Jahr 5 Tage futsch...

  • Franziska 1 03.02.2026, 20:16 Uhr

    Verdi hat einen Generalstreik angeordnet, dazu fällt mir als Retourkutsche folgendes ein, weil über den Köpfen der ganzen Gesellschaft in Deutschland gehandelt wird von der Verdi- Gewerkschaft und sie viele Menschen behindert den Nahverkehr benützen zu können. Was würde passieren, wenn alle Arbeiternehmer die es gibt im Land für einen halben Tag streiken würden. Keiner geht bis Mittag zur Arbeit oder sonst wohin, außer der Rettungsdienst und die Polizei? Mir ist klar, es hört sich wie eine Spinnerei an, jedoch dann würde man erkennen, dass andere Leute die nichts mit Verdi zu tun haben, auch Druck ausüben können, nicht nur sie selbst. Ich betreibe damit keine Volks -Verhetzung, es ist kein Aufruf, sondern nur eine Fantasie-Idee die bestimmt was bewirken würde, aber nicht durchsetzbar ist. Die Wirtschaft soll nicht darunter leiden, Verdi scheint es egal zu sein.

    • Streik 2026 03.02.2026, 22:05 Uhr

      Sie haben ihrer Fantasie aber wirklich freien Lauf gelassen,aber mehr ist es auch nicht,wenn man mit ihrer Fantasie gegen hält, könnte man auch meinen das ist einen Sache für den Staatsschutz,aber wie geschrieben, nur "Fantasie." Somit wertlos,oder sinnlos?

    • Hammer 03.02.2026, 22:44 Uhr

      @Franziska Der Gedanke der Gemeinsamkeit, also wenn die eigentliche Mehrheit gemeinsam für gute Bedingungen eine starke Position einnehmen will und sich nicht mehr durch die Ausbeuter spalten ließe, ist doch keine dumme Idee. Nach dem Motto: "Lohnabhängige aller Klassen vereinigt Euch! Ihr habt nichts zu verlieren, außer eure Unterdrückung!" Das ginge natürlich recht einfach schon bei Wahlen, indem alle Nicht-Oligarchen solche Parteien wie CDU, CSU, FDP, AfD, Werteunion und dergleichen logischer Weise nicht wählen, sondern natürlich solche, die den Sozialstaat und die Menschenwürde wirklich schützen und achten. Also, ich empfehle grundsätzlich allen Arbeitnehmern (m/w/d) die Sozialdemokraten zu wählen. Einigkeit, liebe Kolleginnen und Kollegen, ist so wichtig! Lasst Euch nicht gegeneinander ausspielen.