Eine Hand hält eine kleine Babyhand

Gedenktag für Sternenkinder: Felix wäre 2025 drei Jahre alt geworden

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Der 15. Oktober ist der Gedenktag für Sternenkinder - Kinder, die viel zu früh gestorben, aber nicht vergessen sind. Julia Jäger aus NRW ist Mutter und erzählt von ihrem Sternenkind Felix.

Julia Jäger hat drei gesunde Kinder und fühlt trotzdem "jedes Jahr aufs Neue" einen Verlust und Schmerz, weil ein Kind an ihrer Seite fehlt: Felix wäre Ende November drei Jahre alt geworden, wenn er kein Sternenkind wäre. Sternenkinder werden Kinder genannt, die während der Schwangerschaft beziehungsweise kurz vor oder kurz nach der Geburt sterben. Das Herz von Felix hatte in der 17. Schwangerschaftswoche aufgehört zu schlagen.

"Sternenkind" - ein Begriff zur Bewältigung von Trauer

Eine Frau sitzt auf einer roten Bank

Julia Jäger besucht ihren Sohn auf dem Friedhof.

Julia Jäger brachte ihren Sohn tot auf die Welt und besucht ihn nun regelmäßig auf einem Friedhof für Sternenkinder. Der Platz und der Stein mit seinem Namen spenden der 36-Jährigen Trost, weil sie zeigen, dass "er ein Mensch gewesen ist, dass er da war und dass er gelebt hat". Trotz des Schmerzes hat der Tod von Felix ihr Leben nicht nur negativ verändert. Sie empfinde "viel mehr Glück und viel mehr Liebe" im Umgang mit ihren Kindern, weil sie viel bewusster wahrnehme, "dass sie leben und dass sie gesund sind".

Der Verlust ist wieder da. Die Schmerzen sind wieder da. Das ist jedes Jahr aufs Neue. Julia Jäger zum Verlust ihres Sohnes Felix während der Schwangerschaft

So wie Jäger geht es vielen Frauen, die – unabhängig von den medizinischen Bezeichnungen für menschliches Leben in seinen Entwicklungsstadien – das Gefühl eint, ein Kind verloren zu haben. Deswegen habe man auch den Begriff "Sternenkind" geprägt, erklärt Professorin Nicola Bauer, Leiterin des Instituts für Hebammenwissenschaft an der Universität zu Köln: "Um nicht vom Tod oder einer Fehlgeburt sprechen zu müssen."

Es gehe dabei um die Bewältigung von Trauer, die sich nicht danach bemessen lasse, ob man ein Kind nun zu einem sehr frühen Zeitpunkt in der Gebärmutter oder bei der Geburt verliere. Dieser Begriff ließe sich nicht in ein Schema zeitlicher Abläufe pressen, sondern sei "sehr individuell". Da ein Schwangerschaftsabbruch in Deutschland bis zur 12. Schwangerschaftswoche möglich sei, sprächen Mediziner erst ab der 13. Woche von einem "Kind". Aber Bauer, die auch ausgebildete Hebamme ist, weiß, dass dies nichts mit der Gefühlswelt der Mütter zu tun haben muss.

Jede vierte Schwangerschaft endet vor der 13. Woche

"Das hängt von der Person ab und der Vorgeschichte. Ich wäre sehr zurückhaltend damit zu sagen, das steht einer Mutter nicht zu", sagt Bauer zur Verwendung des Begriffes "Sternenkind". Wie viele Mütter jährlich Kinder verlieren, ist unklar. Die Kölner Professorin verweist darauf, dass schätzungsweise jede vierte Schwangerschaft nicht über die 12. Schwangerschaftswoche hinauskomme.

Ein Viertel der Schwangerschaften besteht nicht über die 12. Woche hinweg. Nicola Bauer, Leiterin des Instituts für Hebammenwissenschaft an der Universität zu Köln

Dass ein Verlust während des Geburtsvorgangs schwerer wiege als einer zu einem sehr frühen Zeitpunkt in der Schwangerschaft, lasse sich nicht sagen. Wie auch die Verwendung des Namens "Sternenkind" sei das sehr individuell: "Schwangerschaften sind mit Hoffnungen und Wünschen verbunden", so Bauer.

Leitfaden soll Hilfsangebote für Betroffene bündeln

Erfüllen sich diese nicht, reagiere jeder anders. Manche wollten den Verlust nicht thematisieren und andere benötigen Hilfe, um ihn zu verarbeiten. Was diese Hilfen angeht, sieht Bauer in Deutschland Luft nach oben. Hilfsangebote wie etwa passende Selbsthilfegruppen zu finden, könnte einen regional vor unterschiedlich große Probleme stellen. Wie groß die wo sind, ließe sich gar nicht sagen, weil es keine Bündelung der Angebote gebe.

Prof. Nicola Bauer

Professorin Nicola Bauer

Das sei das Problem, und genau das soll ein von der Sozialstiftung NRW gefördertes Modellprojekt ändern. Es soll Eltern helfen, die eine Tot- oder Fehlgeburt erlebt haben. Ziel ist die Erarbeitung eines Leitfadens für die Versorgung Betroffener, wie die Stiftung am Dienstag mitteilte. Erstellt wird dieser vom Elisabeth-Krankenhaus in Essen, die wissenschaftliche Begleitung übernimmt das Institut für Gesundheitsökonomie und klinische Epidemiologie sowie das Institut für Hebammenwissenschaft, das Bauer leitet.

Wir wollen eine Landkarte der Angebote schaffen. Nicola Bauer

In Deutschland wurden den Angaben zufolge zuletzt jährlich rund 3.000 Totgeburten registriert. Die Zahlen für Fehlgeburten, die sich zu einem früheren Zeitpunkt der Schwangerschaft ereignen, liegen weit höher. In einem Bericht der Wissenschaftlichen Dienste des Bundestags von 2023 heißt es, dass es "2021 in Deutschland 39.762 registrierte Schwangerschaften mit abortivem Ausgang gab". Da diese nicht gemeldet werden müssen, dürfte die Dunkelziffer deutlich höher sein.

Professorin Bauer lobt Mutterschutz bei Fehlgeburten ab Woche 13

Eltern, die ein Sternenkind verlieren, stünden nach einer Tot- oder Fehlgeburt zunächst unter Schock, sagt Bauer. Fehlende Unterstützung für die Betroffenen könne sowohl körperliche als auch psychische Langzeitfolgen haben. Studien zeigten, dass Frauen nach schlecht bewältigten Schwangerschaftsverlusten seltener oder gar nicht mehr schwanger werden.

Trotz des Fehlens einer Übersicht über Hilfsangebote und ihrer guten Vernetzung lässt Bauer keinen Zweifel daran, dass Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern sehr gut aufgestellt ist. Seit Juni dieses Jahres haben auch Frauen Anspruch auf Mutterschutz, die ab der 13. Woche eine Fehlgeburt erleiden. Das heißt, in dieser Zeit dürfen Arbeitgeber die betroffenen Frauen nur beschäftigen, wenn diese sich ausdrücklich zur Arbeit bereit erklärt: "Das ist revolutionär, dass das umgesetzt worden ist. Das gibt es in anderen Ländern nicht."

15. Oktober ist der Gedenktag für Sternenkinder

Diese Regelung erkenne an, wie schwer auch ein früher Verlust wiegen kann, was die Kölner Professorin ausdrücklich lobt, denn: "Kein Kind ist einfach ersetzbar", so Nicola Bauer. Selbst bei sehr jungen Müttern, die ein Kind verlieren, sei es daher nicht unbedingt eine gute Idee, ihnen zu sagen, dass sie ja wieder schwanger werden könnten.

Das weiß auch Julia Jäger, die nach dem Tod von Felix in der nächsten Schwangerschaft große Ängste durchlebte, aber letztlich ein drittes gesundes Kind auf die Welt brachte. Jäger hat einen Hinweis für Mütter, die wie sie diesen großen Verlust erleiden, aus dem sie selbst Kraft schöpfen konnte: "Egal wie gesund man ist, egal wie gesund man lebt - es ist nie die Schuld der Mutter, dass das Kind stirbt." Und auch Kinder, die außerhalb der Gebärmutter nicht oder nur sehr kurz gelebt haben, werden nicht vergessen - denn jeder 15. Oktober ist ein Gedenktag für Sternenkinder. 

Unsere Quellen:

  • WDR-Gespräch mit Julia Jäger, Mutter eines "Sternenkindes"
  • WDR-Gespräch mit Nicola Bauer, Leiterin des Instituts für Hebammenwissenschaft an der Universität zu Köln
  • Wissenschaftliche Dienste des Bundestags
  • Nachrichtenagentur EPD
  • Techniker Krankenkasse

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