Maskendeals: Spahn sagt aus

Aktuelle Stunde 15.12.2025 28:01 Min. UT Verfügbar bis 15.12.2027 WDR Von Alexander Roettig

Spahn und die Maskenaffäre: Das sind die Vorwürfe

Stand:

Hat Jens Spahn während der Corona-Pandemie Milliarden verschwendet und Mauscheleien ermöglicht? Darüber sprach heute die Enquete-Kommission mit dem ehemaligen Gesundheitsminister von der CDU.

 "Wir werden einander viel verzeihen müssen": Das kündigte Jens Spahn (CDU), damals Gesundheitsminister, bereits zu Beginn der Corona-Pandemie an. Aber wie genau sah diese Zeit aus und wie wird sie heute gesehen? Die einen haben vieles aus den Pandemie-Jahren erfolgreich verdrängt und wollen sich keine Gedanken mehr machen über PCR-Tests, 3G-Regel und den Unterschied zwischen AstraZeneca und Biontech. Andere leiden an Long Covid oder haben Jobs, Freunde und das Vertrauen in den Staat verloren.

Was genau die Regierung während der Corona-Zeit richtig und was sie falsch gemacht hat, versucht eine Enquete-Kommission des Bundestags seit Anfang September zu klären. Heute musste dort Jens Spahn Rede und Antwort stehen - und viele stellen sich die Frage, ob man auch ihm viel verzeihen muss. Denn seine Entscheidungen während der Pandemie sorgen seit Jahren für viel Kritik: Er sei beratungsresistent, habe verschwenderisch agiert. Und er soll seine Münsterland-Connections genutzt und dafür gesorgt haben, dass eine Firma aus seiner Heimat einen Milliarden-Auftrag seines ehemaligen Ministeriums erhielt.

Spahn verteidigt sein Corona-Krisenmanagement

Spahn selbst sah das heute bei seiner Befragung anders. "Es gab damals keine Blaupause", erklärte der ehemalige Gesundheitsminister. Gleichzeitig sei es aber "um Leben und Tod" gegangen. Deshalb sei es das oberste Ziel gewesen, eine Überlastung des Gesundheitswesens zu vermeiden.

Um das zu erreichen, schaltete sich der damalige Minister persönlich ein, um medizinisches Material - darunter Masken - zu beschaffen. "Hier wollte die ganze Welt gleichzeitig das Gleiche", so Spahn. Auch Könige und Staatsoberhäupter hätten sich bei den Anbietern gemeldet. "Da konnte ich jetzt schlecht auf Referatsebene anrufen lassen."

7 Euro Stückpreis für minderwertige Masken

Spahn wird vorgeworfen, den Kauf von Masken ohne die üblichen Prüfungen und teils zu überhöhten Preisen veranlasst zu haben. Dabei soll er den Rat seiner Fachabteilungen im Gesundheitsministeriums ignoriert haben. Im Zentrum der Kritik stehen dabei Verträge mit der Schweizer Firma Emix. Laut einem Bericht der Sonderermittlerin Margaretha Sudhof, die von Spahns Amtsnachfolger Karl Lauterbach (SPD) eingesetzt wurde, sollen dabei "Stückpreise von über 7 Euro" bezahlt worden sein.

Ein Preis, der "schwer nachvollziehbar" sei, hieß es weiter. Doch die Masken waren offenbar nicht nur überteuert, sondern auch von schlechter Qualität. Der TÜV Nord schätzte laut Gesundheitsministerium 48 Prozent der Emix-Masken als mangelhaft ein. Laut Bericht sollen diese trotzdem zum Großteil als mangelfrei anerkannt und bezahlt worden sein. Insgesamt sollen über 749 Millionen Euro an die Firma geflossen sein.

Ein "Geschmäckle" bekommt der Emix-Deal aufgrund der Tatsache, dass das Unternehmen seine Aufträge nach Vermittlung der Lobbyistin Andrea Tandler erhielt. Tandler ist die Tochter des früheren CSU-Finanzministers Gerold Tandler und galt als sehr gut vernetzt in Unionskreisen. 2023 wurde Andrea Tandler wegen Steuerhinterziehung zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe verurteilt.

Großauftrag an Münsterländer Logistiker - Kontakt durch Spahn?

Enquete-Kommission des Bundestags zur Corona-Pandemie

Enquete-Kommission soll Corona-Maßnahmen hinterfragen

Doch die Deals mit Emix sind nicht alles. Laut dem Sudhoff-Bericht hatte Spahns Ministerium das Logistikunternehmen Fiege zum zentralen Beschaffer und Verteiler von Masken, Schutzkleidung und Desinfektionsmitteln bestimmt. Fiege hat seinen Sitz im Münsterland und damit in Nähe zu Spahns Wahlkreis "Steinfurt I - Borken I". Obwohl auch Logistik-Riesen wie DHL und Schenker mit dem damaligen Krisenstab im Gespräch waren, wurde letztendlich ein Vertrag mit Fiege abgeschlossen.

Laut Sonderermittler-Bericht kam dieser "ohne Teilnahmewettbewerb" zustande, der Kontakt zu Fiege sei "durch den damaligen Gesundheitsminister zur Verfügung gestellt worden". Insgesamt umfasste der Vertrag mit Fiege Leistungen in Höhe von 1,5 Milliarden Euro. Aber war die Firma auch in der Lage, den schwierigen Job wie vereinbart zu erledigen? Die Sonderermittlerin hat Zweifel. Laut ihrem Bericht "kollabierte" die Logistik der Maskenbeschaffung am Ende. Für den Staat seien so Milliardenrisiken entstanden, obwohl zu der Beschaffung der Masken erfahrene Behörden bereitgestanden hätten.

5,8 Milliarden Masken beschafft, 3,4 Milliarden vernichtet

Grosslieferungen von Schutzausruestung

Ein Großteil der Masken wurde vernichtet

"Es soll lieber Geld kosten als Menschenleben": Mit dieser Begründung verteidigte Spahn am Montag in der ARD seine damalige Politik. Der Bundesrechnungshof rügt allerdings Spahns freigiebigen Umgang mit Steuergeldern während der Corona-Pandemie. Allein die Folgekosten für die Verwaltung der "Überbeschaffung" hätten sich 2024 um weitere 57 Millionen Euro auf nunmehr 517 Millionen Euro erhöht. Insgesamt habe das Ministerium 5,8 Milliarden Schutzmasken für 5,9 Milliarden Euro beschafft. Mehr als 3,4 Milliarden Masken seien aber vernichtet worden bzw. werden noch vernichtet. 

Dazu kommen mehrere Gerichtsverfahren, die Maskenlieferanten gegen den Bund angestrengt haben. Spahns Ministerium soll Unternehmen die Abnahme von Masken zu einem Festpreis von 4,50 Euro pro Maske garantiert haben. Da der Bund die Bezahlung verweigerte mit der Begründung, die Ware hätte Fehler oder sei zu spät geliefert worden, klagten mehrere Unternehmen vor Gericht. Dabei geht es um hunderte Fälle mit einem Streitwert von 2,3 Milliarden Euro. Im kommenden Jahr wird dazu ein Grundsatzurteil des Bundesgerichtshof erwartet.

Normales Krisenmanagement oder Milliardenskandal?

Laut Spahn seien damals Entscheidungen "mit großer Schnelligkeit, unter großem Druck" getroffen worden. "Natürlich würde ich heute manches anders entscheiden", sagte er in der ARD. Damals sei - aus heutiger Sicht - mehr beschafft worden als nötig.

Janosch Dahmen nimmt an der Sitzung des Gesundheitsausschusses teil

Grünen-Gesundheitspolitiker Dahmen

Der Grünen-Gesundheitspolitiker Janosch Dahmen sieht jedoch bei Spahn "Machenschaften" jenseits des "normalen Krisenmanagements". Spahn habe höchstpersönlich Kontakte angebahnt und Druck aufgebaut. zudem sei er "immer wieder" vertragsbrüchig geworden. Er sieht in Spahns Maskenaffäre "den größten Milliardenskandal in der Geschichte der Bundesrepublik". Die Menschen verlören den Glauben in "redliche Politik, wenn so etwas nicht transparent aufgeklärt und Verantwortung übernommen wird", sagte er dem WDR.

Masken-Affäre: "Tägliche Zinsen von einer Million"

WDR 5 Morgenecho - Interview 15.12.2025 06:22 Min. Verfügbar bis 08.12.2026 WDR 5


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Ziel der Corona-Enquetekommission ist es, Lehren für die Zukunft zu ziehen. Ob Jens Spahn dazu beitragen kann und will? Um 14 Uhr beginnt am Montag seine Befragung vor der Kommission.

Unsere Quellen:

  • Nachrichtenagenturen dpa, AP
  • Jens Spahn im ARD-"Morgenmagazin"
  • Interview mit Janosch Dahmen im WDR 5-"Morgenecho"

Sendung: WDR 5, "Morgenecho", 15.12.2025, ab 06:00 Uhr

Kommentare zum Thema

21 Kommentare

  • 21 17.12.2025, 10:54 Uhr

    Name und Kommentar wg. Netiquette-Verstoßes gesperrt. (die Redaktion)

  • 20 Unmaskiert 16.12.2025, 23:35 Uhr

    Die am lautesten nach Masken tragen überall geschrien haben spielen heute die Ankläger. Treibt man die Nachfrage durch Blödsinn weit höher als das Angebot, funktioniert die vorgeschriebene Ausschreibung nicht mehr. Wer Masken im Freien, in leeren Zügen oder im großen gut belüfteten Kaufhaus gefordert hat ist für Geldvernichtung verantwortlich. Was man Spahn vorwerfen kann, er hat sich zu naiv von den Pseudo-Lebensrettern einspannen lassen. Wie wäre es mal mit einer Enquete-Kommission zur Erhöhung von Gewinn und Firmenwert der Impfherstellern Biontech, Pfizer und Moderna.

  • 19 Bernd 1 16.12.2025, 21:36 Uhr

    Jens Spahn hat einen Milliardenschaden verursacht, durch Aktivitäten, die ihm überhaupt nicht übertragen waren. Bis heute kämpfen ca. 100 Unternehmen um nicht bezahlte Rechnungen plus Zinsen in Milliardenhöhe, da stehen Existenzen auf dem Spiel. Auf dieser Ebene ist gut gemeint aber schlecht gemacht unbedingt zu vermeiden. Scheuer hat dagegen nur Peanuts verballert, was allerdings zu erheblichen Erinnerungslücken bei ihm geführt hat. Dazu kommen die ganzen, überwiegend bayrischen, Lokalpolitiker mit Provisionsabzocke im Millionenbereich. Alles Leute, die meiner Meinung nach einen Eid geschworen haben, für‘s Bürgerwohl zu arbeiten; und zwar nicht für‘s eigene. Wenn man Spahn heute sieht und hört, denkt er immer noch, er hätte alles richtig gemacht. Damit ist er aus meiner Sicht nicht weniger gefährlich als Trump. In der ersten Reihe wird es über Jahre ein „geschmäckle“ geben. Deshalb: raus aus der Schusslinie mit ihm, bevor er mehr Schaden anrichtet.

  • 18 Dieter 16.12.2025, 14:21 Uhr

    Meiner Meinung nach würde sich die CDU einen sehr großen Gefallen tun, wenn sie den Herrn Spahn von der vorderen Reihe des Parlaments in eine der hinteren Reihen verlagern würde. Solche Leute braucht unser Land nicht.

  • 17 Thomas Speck 16.12.2025, 08:56 Uhr

    Korruption vom Feinsten und nichts passiert. Macht unsere Politiker einfach immer unglaubwürdiger. Bereichern sich und dienen nicht den Bürgern, was eigentlich ihr Auftrag ist. Sie sind von uns angestellt. Das wird von ihnen leider vergessen. Schade bloß, dass viele Wähler die AFD als Ausweg sehen und nicht sehen, dass sich Frau Weidel und Herr Chrupalla ihre Bezüge erst mal verdoppelt haben, als das Parlament sich ohnehin mal wieder die Diäten unverhältnismäßig hoch erhöht haben.

  • 16 Thomas Speck 16.12.2025, 08:52 Uhr

    Korruption vom Feinsten und nichts passiert. Macht unsere Politiker einfach immer unglaubwürdiger. Bereichern sich und dienen nicht den Bürgern, was eigentlich ihr Auftrag ist. Sie sind von uns angestellt. Das wird von ihnen leider vergessen. Schade bloß, dass viele Wähler die AFD als Ausweg sehen und nicht sehen, dass sich Frau Weidel und Herr Pofalla ihre Bezüge erst mal verdoppelt haben, als das Parlament sich ohnehin mal wieder die Diäten unverhältnismäßig hoch erhöht haben.

  • 15 Anonym 16.12.2025, 08:11 Uhr

    Ich frage mich, warum so viele Masken vernichtet werden müssen. Der Bedarf war ja schon größer, aber es war für sehr viele Menschen eine Kostenfrage. Warum verschenkte man die Masken nicht rechtzeitig an Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen? Nein, da wartet man das Verfallsdatum ab. Das finde ich sehr unvernünftig.

    Antworten (1)
    • Dortmunder 16.12.2025, 13:15 Uhr

      Der Bedarf war nicht größer, in den meisten Fällen hätte Abstand gereicht, reicht auch jetzt bei der Grippewelle und bei dicker Luft mal lüften. Schweden hatte keinen Masken-Fetisch und ist nicht schlechter durch Corona gekommen. Überhaupt sind am Ende Länder mit strengen Vorgaben nicht besser gefahren als die anderen. Abstand kostet nichts im Gegensatz zu Masken.

  • 14 Hans Gerd 16.12.2025, 08:05 Uhr

    So ist das, wenn ein Bankkaufman glaubt, er hätte die Weisheit gepachtet , und den Rat seiner Fachleute ignoriert,

  • 13 Queezle 15.12.2025, 21:20 Uhr

    Hat Jens Spahn während der Corona-Pandemie Milliarden verschwendet und Mauscheleien ermöglicht? Spoiler: Ja, hat er.

  • 12 Lobbyismus pur 15.12.2025, 18:30 Uhr

    gefühlt werden wir von Lobbyisten regiert! - Diese InteressenvertreterInnen der Wirtschaft und der Verbände und und und haben aus meiner subjektiven Sicht zu viel an Einfluss gewonnen. Und wenn gewählte "Volksvertreter" sich zurück ziehen aus dem Schaulaufen in der Politik - winkt den Meisten ein lukrativer Job in der Wirtschaft - der Industrie - oder sonst wie - oder gar als LobbyistIn - ein Schelm, der sich Böses dabei denkt - und es ist gleich, welcher Partei Mann oder Frau angehören oder angehört haben - oder es sind wie oben angeführt Familienmitglieder. - Dabei lautet der Auftrag der gewählten PolitikerInnen: "zum Wohle des Volkes" und nicht ihres eigenen Geldbeutels . . .

    Antworten (2)
    • Jap 15.12.2025, 21:34 Uhr

      Die Linke war schon IMMER für das Volk. Denen haben Sie alle Ihre Rechte zu verdanken. Mann und Frau müssen die halt auch wählen, damit sich im großen Stil sehr viel schnell und positiv für das Volk ändert.

    • Rumpelstilz 16.12.2025, 08:18 Uhr

      Ich bin sehr verwundert darüber, dass der WDR den Kommentar von JAP nicht gesperrt hat. Aber wann immer eine Meinung aus dem linken Raum kommt, sieht man das anscheinend nicht so eng ...

  • 11 Karl Heinz 15.12.2025, 18:19 Uhr

    Dieser Kommentar wurde gesperrt, weil er sich nicht auf das Thema der Diskussion bezieht. (die Redaktion)

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