Demo und Prozesstag wegen Abtreibungsverbot an Lippstädter Klinik
Aktuelle Stunde . 08.08.2025. 25:41 Min.. Verfügbar bis 08.08.2027. WDR. Von Dirk Hammel, Frank Strohdiek.
Schwangerschaftsabbruch: Wie gut ist die Versorgung für Frauen in NRW?
Stand:
In Nordrhein-Westfalen stehen Frauen, die einen Schwangerschaftsabbruch in Erwägung ziehen, vor unterschiedlich großen Herausforderungen – je nachdem, ob sie in der Stadt oder auf dem Land leben.
Von Lena Sterz
In Lippstadt hat ein Chefarzt seinen Arbeitgeber, das christliche Klinikum Lippstadt, verklagt, weil er seit kurzem keine Schwangerschaftsabbrüche mehr durchführen darf: Weil seine evangelische Klinik mit einer katholischen fusionierte, erhielt er die Dienstanweisung, dass er selbst bei großen Fehlbildungen eines Embryos keinen Abbruch mehr vornehmen darf. Seine Klage wurde abgewiesen.
Chefarzt Joachim Volz befürchtet, dass durch weitere anstehende Klinikfusionen in NRW die Situation für betroffene Frauen noch schwieriger werden könnte. Die wichtigsten Fragen und Antworten.
Wie viele Schwangerschaftsabbrüche werden in NRW jährlich durchgeführt?
2024 wurden in NRW 23.445 Schwangerschaftsabbrüche gemeldet – der höchste Wert seit 2008. Damals wurden 24.120 Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt. Die niedrigste Zahl von Abbrüchen in diesem Zeitraum wurde 2021 mit 19.887 registriert.
Die Zahl der Arztpraxen und Kliniken, die diese Eingriffe durchführen, ist allerdings begrenzt und regional sehr unterschiedlich verteilt.
Welche regionalen Unterschiede gibt es bei der Versorgung?
In Großstädten wie Köln, Düsseldorf und im Ruhrgebiet gibt es jeweils mehrere Praxen und Kliniken, die Abbrüche vornehmen. Doch in ländlichen Regionen wie im Münsterland, im Sauerland oder Siegerland fehlen solche Einrichtungen in manchen Kreisen komplett. Für betroffene Frauen bedeutet das oft lange Anfahrtswege und große organisatorische Hürden - besonders für Frauen, die ihre Schwangerschaft erst spät bemerken, kann das zum Problem werden.
Die Karte mit Einrichtungen aus Nordrhein-Westfalen, die Schwangerschaftsabbrüche durchführen, basiert auf offiziellen Quellen wie der Bundesärztekammer und Familenplanung.de. Diese Listen sind jedoch nicht vollständig, weil die Meldung der Einrichtungen freiwillig ist und nicht alle Einrichtungen erfasst sind. Für Betroffene empfiehlt sich die Kontaktaufnahme zu regionalen Beratungsstellen wie Pro Familia, die über aktuelle und vollständige Angebote in der Regel genauer Auskunft geben können.
Welche Frauen lassen einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen?
Eine Frau blickt auf einen positiven Schwangerschaftstest
Was viele nicht wissen: Mehr als die Hälfte (54,8 Prozent) der Frauen aus NRW, die sich 2024 für eine Abtreibung entschieden haben, hatten bereits ein oder mehrere Kinder. Nur etwa drei Prozent der abtreibenden Frauen waren minderjährig. Etwa die Hälfte der Abbrüche in NRW fand vor der 7. Schwangerschaftswoche statt, 80 Prozent vor der 9. Woche. Die meisten Eingriffe erfolgen ambulant in Praxen oder Krankenhäusern, stationäre Abbrüche sind eher die Ausnahme.
Wie ist die rechtliche Regelung bei Schwangerschaftsabbrüchen in Deutschland?
In Deutschland ist ein Schwangerschaftsabbruch nach § 218 StGB grundsätzlich strafbar. Straffrei ist ein Schwangerschaftsabbruch bis zur 12. Schwangerschaftswoche durch einen Arzt, wenn sich die Frau zuvor bei einer staatlich anerkannten Konfliktberatungsstelle beraten lässt. Ein Abbruch ist auch straffrei, wenn eine medizinische Indikation (schweres Gesundheitsrisiko für die Frau) oder eine kriminologische Indikation (Vergewaltigung, Missbrauch) vorliegt.
Welche Unterstützungsangebote für betroffene Frauen gibt es in NRW?
Die Schwangerschaftskonfliktberatungsstellen bieten vertrauliche Beratung und Unterstützung. Zudem ist das Hilfetelefon Schwangere in Not unter der Nummer 0800 / 40 40 020 erreichbar. Die Kosten für einen Abbruch werden nicht von der Krankenkasse übernommen, Frauen mit wenig Geld können aber eine Kostenübernahme beantragen.
Unsere Quellen:
- Landesbetrieb IT.NRW
- Nachrichtenagentur dpa
- Statista
- Bundesärztekammer
- Familienplanung.de