Schuldneratlas 2025: Das Ruhrgebiet als "Sorgenkind" Deutschlands

Stand:

Immer mehr Menschen verschulden sich - in allen Einkommenklassen. Laut Schuldneratlas 2025 ist vor allem das Ruhrgebiet ein "Sorgenkind".

5,67 Millionen Menschen in Deutschland sind verschuldet, Trend steigend. Mit 111.000 Neuverschuldeten stieg die Gesamtzahl um zwei Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das zeigt der "Schuldneratlas 2025", den das Unternehmen Creditreform am Freitag veröffentlichte.

Erstmals seit Jahren stieg demnach die Zahl überschuldeter Verbraucher über fast alle sozialen Gruppen hinweg - nicht mehr nur in den klassischen Risikogruppen. "Überschuldung ist kein Randphänomen mehr", so Patrik- Ludwig Hantzsch, Leiter der Wirtschaftsforschung bei Creditreform.

Zunehmend würden auch Menschen mit stabilem Einkommen und geregeltem Alltag ihre finanzielle Belastbarkeit überschätzen - die sogenannten "Lifestyle-Überschuldeten".

Klein- und Ratenkredite boomen, immer mehr Menschen rutschen in den Dispokredit - und bleiben dort. Gleichzeitig stiegen aber die Reallöhne, die Inflationsrate sank deutlich.

Besonders Junge und Ältere betroffen

Überdurchschnittlich stark gestiegen ist dem Bericht zufolge die Überschuldung bei jungen Menschen unter 30 und bei älteren über 60 Jahren. Während Jüngere durch Konsum, Kredite und Online-Käufe ins Straucheln geraten, leiden Ältere zunehmend unter steigenden Lebenshaltungskosten und begrenzten Renteneinkommen.

Regional große Unterschiede

In 69 Prozent der Kreise und kreisfreien Städte deutschlandweit sind die Überschuldungsquoten 2025 dem Bericht zufolge gestiegen - doppelt so häufig wie im Vorjahr. Besonders stark betroffen seien wirtschaftlich angeschlagene Regionen in Nordrhein-Westfalen, aber auch Teile Bayerns und Sachsens.

Unter den zehn Städten mit der höchsten Überschuldungsquote befinden sich vier NRW-Städte: Gelsenkirchen (17,1 Prozent), Herne (16,6 Prozent), Hagen (16,5) und Duisburg (16,3 Prozent). Auch auf der Liste der zehn Kreise und Städte mit dem höchsten Anstieg der Überschuldungsquote finden sich acht NRW-Orte.

NRW stellt demnach fast 40 Prozent aller neuen Überschuldungsfälle bundesweit. Das Ruhrgebiet bezeichnet der Bericht als "Sorgenkind" der Überschuldungsentwicklung.

Gründe für steigende Überschuldung: "Ersparnisse aufgezehrt"

Creditreform sieht die Gründe für den Anstieg vor allem in einer "nachlassenden finanziellen Widerstandsfähigkeit" vieler Haushalte. Nach Jahren diverser Krisen - Pandemie, Energiepreise, Inflation - seien die Ersparnisse vieler Verbraucher aufgezehrt.

Creditreform rechnet damit, dass sich der negative Trend auch 2026 fortsetzen wird: Steigende Zinsen, hohe Lebenshaltungskosten und ein schwächerer Arbeitsmarkt dürften die Situation weiter verschärfen.

Gerade für junge Menschen seien es vor allem die hohen Wohnkosten, die das Budget belasten. Allein lebende Studierende geben demnach mehr als die Hälfte ihres verfügbaren Einkommens fürs Wohnen aus - im Durchschnitt 53 Prozent.

Damit sei die Belastung deutlich höher als in der Gesamtbevölkerung, wo Wohnen im Schnitt 25 Prozent der Ausgaben ausmache. "Wohnen entwickelt sich mehr und mehr zur sozialen Frage."

Verschiedenen Typen von Verschuldung

Bei den Betroffenen definiert der Bericht verschiedene "Überschuldungs-Typologien": Am häufigsten betroffen sind sogenannte "Notfall-Überschuldete", deren Anteil bei 20,7 Prozent liegt und die in diesem Jahr auch den absolut stärksten Anstieg verbuchen. Diese Gruppe gerate meist durch eine ökonomische Notlage in dauerhafte Überschuldung. Oft kämen akute Nöte, Krankheit, Unfall oder kurzfristig entstandene Arbeitslosigkeit hinzu.

Den zweitstärksten Anstieg an Überschuldungsfällen verzeichnen 2025 die eigentlich eher gut situierten "Lifestyle-Überschuldeten" (Anteil: 9,7 Prozent). Eigentlich kenne dieser Typ keine finanziellen Sorgen, heißt es im Bericht. Schuldenmachen gehöre aber zum Dasein und erhöhe nochmals die Lebensqualität, "da man sich außergewöhnliche Dinge kurzfristig leisten kann". Die Betroffenheit von Menschen aus dieser Gruppe sei oft schnell auch wieder beendet.

Schulden vermeiden - diese Tipps können helfen

Damit es gar nicht erst zur Verschuldung kommt, gelte es, die eigenen Finanzen gut im Blick zu halten. Ein Problem: "Wenn viele Produkte heute gekauft werden und erst morgen gezahlt werden, dann kommen die Zahlungsaufforderungen immer sehr zeitversetzt und man hat sie einfach gar nicht mehr im Blick. Dann gerät schnell ein Finanzgebäude ins Wanken und die Überschuldung droht", sagt Roman Schlag von der Schuldnerberatung des Erzbistums Aachen.

Die Hände einer Frau liegen auf einem Haushaltsbuch

Ein Haushaltsbuch kann helfen

Der Verbraucherzentrale NRW zufolge kann ein Haushaltsbuch helfen, in dem sämtliche Einnahmen und Ausgaben notiert werden - vom Einkauf über die Zuzahlung zum Rezept bis zur fälligen Stromrechnung. Dabei zeige sich schnell, "an welchen Positionen es liegt, dass am Ende des Geldes noch so viel Monat übrig ist". Und welche Posten man sich vielleicht sparen kann. Außerdem "sehe ich, welches Budget ich übrige habe, um mir möglicherweise Ratenzahlungen leisten zu können", so Schuldnerberater Schlag.

Miete und Energiekosten sollten grundsätzlich als Erstes bezahlt werden: Bei zwei ausstehenden Mieten droht die Kündigung, auch Strom und Gas können abgedreht werden, wenn Rechnungen offen bleiben.

Ein weiterer Tipp: Kontoauszüge und Telefonrechnungen regelmäßig überprüfen. Nicht selten, so die Verbraucherzentrale, zögen "dubiose Gewinnspielfirmen Beträge für vermeintlich am Telefon oder übers Internet abgeschlossene Abo-Verträge ungefragt ein". Bei unberechtigten Abbuchungen gelte es, schnell zu reagieren und sich Hilfe in einer Beratungsstelle zu suchen.

Wenn sich Mahnbescheide und unbezahlte Rechnungen türmen, hilft nur noch der direkte Weg zu einer anerkannten Schuldnerberatung. Hier bekommt man umfassende Beratung, um die Probleme dauerhaft in den Griff zu bekommen.

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Kommentare zum Thema

3 Kommentare

  • 3 Anonym 15.11.2025, 08:21 Uhr

    Disziplin und Haushaltsbuch sind ja schön und gut aber die Hauptursache sind die Kosten für Wohnung. Kommunaler Grundbesitz wurde in den letzten Jahrzehnten verscherbelt an Investoren in der Hoffnung der freie Markt würde das schon richten. Jetzt werden vom Bund riesige Schulden neu aufgenommen aber nichts davon landet im sozialen Wohnungsbau.

  • 2 Jupp 14.11.2025, 15:45 Uhr

    Hier hilft nur Disziplin und Eltern sollten ein Vorbild sein für ihre Kinder, z.B. jetzt für Urlaub und teure Weihnachtsgeschenke keine Schulden zu machen! Oder für ein neues Auto, Smartphone o.ä., wenn das alte Gerät bzw. Fahrzeug noch gut ist!

  • 1 Engelbert Frölich 14.11.2025, 13:57 Uhr

    „Und ist der eine Wunsch erfüllt, bekommt er augenblicklich Junge!“ Wilhelm Busch

    Antworten (2)
    • Franziska 1 14.11.2025, 23:00 Uhr

      Wer 50 Euro Schulden hat ist ein Schnorrer. Wer 50 000 Euro Schulden macht ist ein Geschäftsmann. Wer 500 000 Euro Schulden macht ist ein Finanz - Genie. Wer 5 Millionen Schulden machen kann gehört zu den Super -Reichen. Zitat Spruch. Wer macht XXXL Milliarden Schulden? Das ist der deutsche Staat! Wer soll das zurückzahlen plus Zinsen? Wir arbeiten, andere sind nur fleißig um Schulden zu machen.

    • Hans 15.11.2025, 10:35 Uhr

      Wer mehr Geld ausgibt als er bekommt, ist entweder dumm oder unverschämt genug davon auszugehen, das andere dafür bezahlen werden.

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