Ratenkredite: Auf Pump in den Ruin
Aktuelle Stunde . 03.09.2025. 28:39 Min.. Verfügbar bis 03.09.2027. WDR. Von Marius-Antonius Brüning.
Buy-now-Pay-later: So risikoreich sind Ratenkredite wirklich
Stand:
Die Schufa meldet einen Aufnahme-Rekord von Ratenkrediten. Häufig geht es um Summen bis 1.000 Euro. Lösung oder Schuldenfalle?
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Zu den Kommentaren [5]Über zehn Millionen Ratenkredite sind im Jahr 2024 neu abgeschlossen worden. Das sind Zahlen der Schufa, einer Bonitätsprüfungsgesellschaft. Der Rekord folgt einer Entwicklung: In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Kreditaufnahmen immer weiter gestiegen. Besonders häufig werden demnach kleinere Summen bis 1.000 Euro aufgenommen, vor allem von Menschen zwischen 35 und 44 Jahren. Aber auch bei den noch Jüngeren von 18 bis 34 Jahren steigt die Zahl der Ratenkredite.
Jetzt kaufen, später bezahlen - bequem, aber riskant
Das hat auch mit den sogenannten Buy-now-Pay-later-Angeboten beim Onlineshopping zu tun. Also: Man bestellt zum Beispiel eine Heißluftfritteuse und muss sie nicht sofort bezahlen, sondern kann den Betrag über mehrere Monate oder sogar Jahre abstottern. Solange der Betrag unter 200 liegt, ist dafür keine Bonitätsprüfung notwendig, es wird also nicht überprüft, ob der Käufer überhaupt zahlungsfähig ist.
Große Bezahldienstleister wie Klarna oder Paypal bieten diesen Service an. Sie gehen beim Händler in Vorkasse und holen sich das Geld beim Endkunden zurück, geben also einen Kredit. Im Falle von Ratenzahlungen allerdings oft mit Zinsen. Der Service kann praktisch sein, wenn man einen Kaufbetrag nicht auf einen Schlag bezahlen kann oder will. Er kann laut der Schufa aber auch zur Schuldenfalle werden, wenn man den Überblick über die laufenden Zahlungsverpflichtungen verliert.
Verpasste Zahlungsfrist kann teuer werden
Eine andere Option sind Zahlungen, die erst innerhalb von 14 oder 30 Tagen geleistet werden müssen. Auch diesen Service gibt es bei vielen Bezahldiensten. Die Gefahr bei dieser Variante ist, dass viele Menschen die Zahlungsfrist verpassen. Eine Umfrage der Schufa aus diesem Jahr zeigt, dass das jeder und jedem Dritten schon mal bei Buy-now-Pay-later-Angeboten passiert ist. Besonders oft sind junge Menschen zwischen 18 und 25 Jahren betroffen. Das Problem: Nach Ablauf der Frist fallen dann doch Zinsen oder zusätzliche Kosten an, der eigentliche Kaufbetrag steigt also an.
Für die Wirtschaftspyschologin Prof. Dr. Julia Pitters von der Internationalen Hochschule ist die einfache Verfügbarkeit eine Gefahr:
"Wenn es sehr viele von diesen Angeboten gibt, dann ist die Wahrscheinlichkeit auch größer, dass ich dann zugreife, wenn ich es mir eigentlich gar nicht leisten kann." Wirtschaftspsychologin Prof. Dr. Julia Pitters
Um die zu schützen, die mit der Ratenzahlung oder verspäteten Zahlung überfordert sind, soll der Verbraucherschutz verbessert werden. Die Europäische Union hat beschlossen, die Regeln für Ratenkredite zu verschärfen. Die Bundesregierung will am Mittwoch einen Gesetzesentwurf beschließen, um diese Vorgabe in deutsches Recht umzuwandeln.
EU verschärft Regeln für Kleinkredite – Deutschland zieht nach
Demnach soll in Zukunft auch für Beträge unter 200 Euro eine Bonitätsprüfung Pflicht werden. Dann könnten Kunden nicht mehr ganz so einfach alles mit wenigen Klicks auf Raten kaufen. Wann das Gesetz verabschiedet wird und wie es letztlich genau aussieht, ist noch unklar.
Unsere Quellen:
- Pressemitteilung Schufa
- Umfrage Schufa
- Pressesprecherin Schufa
- Bundesregierung
- Europäische Union
- Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht
Über dieses Thema berichten wir auch im WDR Hörfunk im Tag um 12 am 03.09.2025.
5 Kommentare
Kommentar 5: Johann Moritz schreibt am 04.09.2025, 07:58 Uhr :
Buy-now-pay-later über Klarna entspricht einem ganz normalen Rechnungskauf mit Zahlungsfrist. Man bekommt eine ordentliche Rechnung, und vor Ablauf der Zahlungsfrist auch rechtzeitig eine Erinnerung an die fällige Zahlung. Eigentlich also ein ganz normales, seit ewigen Zeiten übliches Verfahren. Einst, als man noch per Postkarte aus dem dicken, gedruckten Katalog bestellte, war es völlig normal, entsprechend der der gelieferten Ware beigelegten Rechnung zu bezahlen, und nicht schon vorab wie in vielen Onlineshops, und natürlich gab es eine mehr oder weniger lange Zahlungsfrist (man hätte bei Lieferung ja zB im Urlaub sein können). Was ist daran schwierig oder kompliziert?
Kommentar 4: Franziska 1 schreibt am 03.09.2025, 23:00 Uhr :
Wer ist unserer Zeit noch so d.mm und bestellt im Internet mit den fairen Hinweis"Zahlen erst nach Erhalt der Ware in 14 oder 30 Tagen und vergisst dann die Rechnung? Zahlen muss man sowieso, also dann überweist man die Rechnung sobald wie möglich. Wer nicht bezahlt, da kommt hinterher das große Heulen, weil die Rechnung noch höher ist? Diese Rechnungsart ist seriös mit dem Vertrauen, dass die Zahlungszeit auch eingehalten wird. Leute, die Zahlungen vergessen werde ich nie verstehen. Ausstehende Rechnungen vergißt kein Lieferant, ob ein Käufer in in Urlaub ist oder andere Ausreden hat. Jeder erwartet, dass sein Lohn, Rente oder Bürgergeld pünktlich über wiesen wird, dann sollten Online - Käufer auch den Zahlungstermin einhalten, wo ebenfalls der Warenversender sein Personal bezahlen muss. In was für einer Zeit leben wir, wo manche Käufer meinen nur sie handeln richtig, alle anderen falsch? Mir tun diese Leute nicht leid, wenn sie so Schulden machen und bei der Schuf wächst der Berg.
Kommentar 3: Zu den Kommentaren 1 + 2 schreibt am 03.09.2025, 19:56 Uhr :
Beide Hinweise sind sehr vernünftig. Danke.
Kommentar 2: Anonym schreibt am 03.09.2025, 19:10 Uhr :
Das Problem ist auch in der Produktwerbung zu sehen, die oftmals Gefühle anspricht, ohne Fakten zu nennen. Stichwort Autowerbung: Ein Auto fährt in einer hübschen Landschaft herum, dazu nette Musik, Stimmung. Keine Fakten, warum man nun gerade dieses Modell kaufen sollte. Offenbar zieht diese Gefühlsbeeinflussung so gut, dass viele Menschen zu Spontankäufen angeregt werden - vielleicht nicht gerade ein Auto, aber halt andere Sachen, die eigentlich nicht notwending sind. Persönlich bin ich eisern: Nur im absoluten Notfall Ratenkauf. Gut, für ein Auto oder den Hauskauf geht es nicht anders, oder wenn plötzlich die Heizung kaputtgeht etc. - aber ansonsten: Wenn ich es mir nicht leisten kann, spare ich erstmal und informierte mich in der Zwischenzeit über die Produktkategorie, die ich erwerben möchte. Im Grunde genommen macht das auch mehr Spass: Vorfreude ist die beste Freude. Und auf etwas anzusparen erhöht die Wertschätzung, wenn der Artikel dann endlich zuhause steht.
Kommentar 1: Erst überlegen schreibt am 03.09.2025, 15:41 Uhr :
Es hat noch keinen geschadet, erst über mögliche Wünsche und Zahlungen erstmal 2 oder 3 Tage zu überlegen, brauche ich es jetzt, oder kann es auch später sein. Hilft vielen, die sich nicht sicher sind.
Antwort von DL , geschrieben am 03.09.2025, 17:33 Uhr :
So ist es! Erst kaufen, wenn Mittel vorhanden sind!