"Es war eigentlich ein schöner Tag im Freizeitpark in Bottrop" erzählt WDR2-Hörerin Anna Hußmann. Das änderte sich, als die Sonderpädagogin der Duisburger Förderschule Eschenstraße zusammen mit ihren Kollegen und 28 Kindern am Montagnachmittag zur Rückfahrt am Bahnsteig ankam. Der kleine Bahnhof Feldhausen in Bottrop war zu diesem Zeitpunkt schon voller Fahrgäste.
Kinder mit Kreislaufzusammenbrüchen
Gleich mehrere Zugverbindungen seien ausgefallen oder Züge einfach durchgefahren, weil sie schon überfüllt gewesen seien, berichtet die Lehrerin. Innerhalb kurzer Zeit waren die letzten Getränke aufgebraucht und wenig später klagten immer mehr Kinder über Probleme durch die Hitze. Gleich mehrere erlitten einen Kreislaufzusammenbruch und mussten sich übergeben.
Sanitäter müssen Schüler versorgen
Herbeigerufene Sanitäter behandelten die Schülerinnen und Schüler, während die Lehrkräfte über Bekannte in der Nähe des Bahnhofs Wasser für die Kinder organisierten. Von der Deutschen Bahn habe es keine Hilfe gegeben, beklagt sich Hußmann. Dort habe man am Telefon nur die Information bekommen, dass die Züge von privaten Unternehmen betrieben würden und die Bahn deshalb nicht zuständig sei.
Das sagt die Bahn
Auf WDR-Anfrage wusste man am Dienstagmittag bei der Bahn erst mal noch gar nichts von dem Vorfall. Eine Sprecherin sicherte zu, man wolle das Ganze überprüfen. Am Abend heißt es, man müsse die Faktenlage erst noch klären, bevor man sich detailliert äußern könne. Grundsätzlich gebe es bei "außergewöhnlicher Hitze" durchaus Mineralwasser für Reisende – allerdings nur "an großen Bahnhöfen", heißt es von der Deutschen Bahn.
Am Mittwoch äußerte sich die Bahn dann offiziell. Man bitte um Entschuldigung, sagt eine Sprecherin. Montag sei es aus unterschiedlichen Gründen zu Auswirkungen auf den Zugverkehr gekommen: "Zum einen gab es mehrmals Verspätungen aufgrund von Verzögerungen beim Ein- und Ausstieg in/aus den Zügen. Zum anderen gab es Einschränkungen bei der RE 14 (Rhein-Ruhr-Bahn/Transdev)." Bei der DB-Regio-Linie RB 43 sei es lediglich zu einem Ausfall am späten Nachmittag gekommen.
Die Bundespolizei habe am Nachmittag Kontakt zur DB aufgenommen und über die Lage am Haltepunkt Feldhausen informiert. Die Rhein-Ruhr-Bahn habe nach Austausch mit der Notfallleitstelle der DB einen Schienenersatzverkehr eingerichtet. "Reisende konnten daher ab Feldhausen mit Bussen weiterfahren. Diese Busse sind grundsätzlich auch gut von den Reisenden genutzt worden."
Viele Zugausfälle und Verspätungen durch Hitze
Besonders viel Geduld und ausreichend Getränke mussten Bahnreisende dann am noch heißeren Dienstag mitbringen. Nach Angaben des Infoportals Zuginfo.nrw kam es auf zahlreichen Strecken aufgrund der Hitze zu Verspätungen und Ausfällen im Regional- und S-Bahn-Verkehr. Betroffen waren rund 40 Verbindungen in ganz NRW. Mit diesen Problemen dürfte laut Infoportal auch am Mittwoch noch zu rechnen sein.
Weiterer Schulausflug mit Zug abgesagt
Für die Siebtklässler aus Duisburg ging die Zugfahrt nach Hause erst nach mehr als zweieinhalb Stunden Verspätung weiter. "Glücklicherweise musste niemand mit dem Rettungswagen weggebracht werden", ist Lehrerin Anna Hußmann froh. Allerdings seien gleich mehrere Kinder wegen eines Hitzschlags am Tag darauf nicht zur Schule gekommen. Einen für Donnerstag geplanten Ausflug einer vierten Klasse ebenfalls mit dem Zug nach Bottrop habe man jetzt abgesagt: "Das Risiko wollten wir nicht noch mal eingehen."
Unsere Quellen:
- Interview mit Anna Hussmann, Lehrerin
- Deutsche Bahn
- Portal Zuginfo.nrw