"Kein Rechtsanspruch auf Lifestyle-Teilzeit" - so heißt der Antrag, den die Mittelstands- und Wirtschaftsunion auf dem CDU-Parteitag in Stuttgart Ende Februar einbringen will. Damit will der CDU-Wirtschaftsflügel den gesetzlich festgeschriebenen Rechtsanspruch auf Teilzeit abschaffen - er soll nur noch bei "Vorliegen einer besonderen Begründung" gelten, heißt es im Antrag.
Dazu zählen zum Beispiel Kindererziehung, die Pflege von Angehörigen oder Weiterbildungen. Außerdem soll nicht besonders begründete Teilzeit weiter möglich sein. Arbeitgeber und Arbeitnehmer könnten sie dann einvernehmlich vereinbaren - allerdings ohne gesetzlichen Anspruch auf eine Rückkehr in Vollzeit. Damit soll der Fachkräftemangel bekämpft und der Sozialstaat entlastet werden.
Vergleichsweise wenig Teilzeit in Nordrhein-Westfalen
Bundesweit lag die Teilzeitquote laut dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung im dritten Quartal 2025 bei 40,1 Prozent. In NRW ist der Anteil deutlich geringer. Laut statistischem Landesamt arbeiteten zuletzt knapp über 30 Prozent der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in Teilzeit. Über die vergangenen Jahre ist dieser Anteil aber immer weiter gewachsen: 2008 lag er in NRW noch bei rund 18 Prozent.
Etwas gesunken ist in dieser Zeit der Anteil der Frauen an Teilzeit - von über 82 auf 75 Prozent. Zu den Hauptgründen für Teilzeitarbeit zählen in NRW laut Mikronzensus 2024 vor allem die Betreuung von Kindern oder pflegebedürftigen Verwandten - die sogenannten "Care"-Arbeit, die vor allem von Frauen übernommen wird. Ein weiterer Grund für Teilzeit sind berufsbegleitende Aus- und Fortbildungen.
Kritik vom CDU-Arbeitnehmerflügel
Der Vorsitzende der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft, Dennis Radtke, kritisierte in den Zeitungen der Funke-Mediengruppe, man zäume mit diesen Forderungen das Pferd so von hinten auf. Der Bochumer Europaabgeordnete sagte, er wünsche sich stattdessen, die Rahmenbedingungen bei Kinderbetreuung und Pflege zu verbessern, damit mehr Menschen überhaupt die Möglichkeit hätten, von Teil- in Vollzeit zu wechseln.
Das fordert auch die Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge. Sie kritisiert außerdem den Begriff "Lifestyle-Teilzeit". Er zeichne ein falsches Bild der Lebensreatlität von Frauen und älteren Menschen. Linken-Fraktionschef Sören Pellmann nannte den Vorschlag "dreist". Er zeige, dass relevante Teile der CDU Beschäftigte in Deutschland "zu Bittstellern degradieren und ihnen ein mühsam erkämpftes Recht nach dem anderen nehmen wollen".
Derzeit gibt es unter diesen Voraussetzungen einen gesetzlich verankerten Anspruch auf Teilzeitarbeit: Arbeitnehmer müssen mehr als sechs Monate beschäftigt sein und der Betrieb in der Regel mehr als 15 Beschäftigte haben. Auch für die Rückkehr von Teil- auf Vollzeit gibt es gesetzliche Regelungen.
Diskussion um "Lifestyle-Teilzeit". WDR Studios NRW. 25.01.2026. 02:17 Min.. Verfügbar bis 25.01.2028. WDR Online.
Unsere Quellen:
- Nachrichtenagenturen dpa, AFP, epd
- Statistisches Landesamt NRW
- Bundesministerium für Arbeit und Soziales
Sendung: WDR 4, Tag um Sechs, 25.01.2026, 18:00 Uhr
Sendung: Aktuelle Stunde, 25.01.2026, 18:45 Uhr
Kommentare zum Thema
Anyone ever thought of just keeping account of hours worked in a year for progressive taxes. Then just correct those taxes for things like caring for parents, health issues etc. Thus net-income drops more significantly going from fulltime to parttime. Unless done for reasons for which a correction kicks in.
Ich habe in der Pflege als Fachkraft gearbeitet! Die Pflegeassistenten wären gern auf Vollzeit umgestiegen, was aber nicht möglich war. Ich bin nach Rentenantritt auf 20 Stunden runter gegangen. Da die Firma unterbesetzt und ich noch fit, um die Firma zu unterstützen! Dies wurde mir aber dann vorgehalten, das die Firma keine Fachkraft für 20 Stunden einstellen kann. Also habe ich gekündigt und bin zu Hause geblieben! Noch ne Fachkraft weniger!!!!
Der sogenannte "Fachkräftemangel" liegt keineswegs daran, dass es nicht genug Fachkräfte am Arbeitsmarkt gäbe! Gleiches gilt für "Lehrermangel". Auch geeignete Pädagogen gibt es jede Menge. Das Problem wird völlig falsch dargestellt, denn Ursache für die angeblichen Vakanzen sind miserable Personalentwicklungskonzepte und fehlende Investitionen der Unternehmen in eine niveauvolle Personalgewinnung. Ich habe noch nie eine einzige Lehrerstelle in der Jobbörse der Agentur für Arbeit ausgeschrieben gesehen! Überall werden meist outgesourcte Online-Bewerbungssysteme eingesetzt und die Arbeitgeber bedienen sich dann gerne aus den Massen, die sich in diesen Pools angesammelt haben. Oder auch nicht, weil dort ja angeblich nie geeignete Bewerbungen vorliegen. Das kann allerdings nicht sein. Also liegt es definitiv nur rein ausschließlich an den Arbeitgebern. Die meisten von ihnen sind ja noch nicht mal in der Lage, Bewerbungskosten zu bezahlen. Und Langzeitarbeitslose will niemand. So ist es.