KI-Boom mit Auswirkungen: Warum externe Festplatten gerade teuer sind
02:10 Min.. Verfügbar bis 18.02.2028. Von Jörg Schieb, Jörg Schieb.
KI-Boom mit Auswirkungen: Warum externe Festplatten gerade teuer sind
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KI verbraucht nicht nur jede Menge Strom und Wasser - sondern macht jetzt auch noch Festplatten teurer. WDR-Digitalexperte Jörg Schieb erklärt, warum der KI-Boom gerade alltägliche Technik für uns alle kostspieliger macht - auch für die, die KI nicht benutzen.
Von
Jörg Schieb
Der KI-Boom kostet alle etwas - auch wer Künstliche Intelligenz (KI) nie verwendet. Denn große Konzerne wie Amazon, Google und Microsoft (sogenannte "Hyperscaler") kaufen gerade alles auf, was Speicher hat und in Computer und Server eingebaut werden kann: Chips, RAM, GPUs (grafische Prozessoren) und Speichermedien.
Die Konsequenz: Festplatten werden gerade knapp und dadurch deutlich teurer.
Das klingt nach Tech-Insider-News - ist es aber nicht
Western Digital und Seagate - zwei der drei weltweit noch verbliebenen Festplattenhersteller - haben nach eigenen Angaben ihr komplettes Produktionskontingent für das Jahr 2026 bereits verkaufen können. Nicht ein paar spezielle Modelle, die für den KI-Einsatz besonders nützlich sind, sondern den gesamten Jahresvorrat. Obwohl das Jahr gerade erst begonnen hat.
Von den Preissteigerungen sind sowohl Festplatten als auch SSD-Laufwerke betroffen
Die großen KI-Konzerne kaufen gerade in großen Mengen ein. Amazon, Google, Microsoft, Meta und OpenAI versorgen sich bei den Herstellern mit Festplatten - für ihre riesigen Rechenzentren, die überall auf der Welt entstehen, und auf denen dann KI-Trainingsdaten gespeichert werden.
Western Digital und Seagate haben diesen Trend in ihren jüngsten Aktionärsberichten offiziell bestätigt. Internationale Tech-Medien wie "Tom's Hardware" und "TechRadar" berichten gerade übereinstimmend darüber.
Was das für den Alltag bedeutet
Dieser massenhafte Ankauf hat spürbare Konsequenzen. Wer gerade eine externe Festplatte benötigt und kaufen möchte - für Fotos, als Backup, für den PC -, zahlt derzeit deutlich mehr als noch vor ein paar Wochen oder Monaten.
Laut dem "heise"-Preisradar sind die Preise für Festplatten im deutschen Handel seit Mitte 2025 um 20 bis 50 Prozent gestiegen. Und weil die Hyperscaler als Alternative auch massenhaft SSDs aufkaufen (das sind keine Festplatten im klassischen Sinn, mit rotierenden Scheiben, sondern Speichereinheiten, wie sie im Smartphone eingebaut sind), steigen auch die erkennbar im Preis - einzelne Modelle um das Zwei- bis Dreifache.
Festplatten sind nur die Spitze des Eisbergs
Was gerade mit Festplatten passiert, ist allerdings kein Einzelfall, sondern das jüngste Kapitel einer längeren Geschichte. Der KI-Hunger der Tech-Konzerne hat schon lange andere Komponenten erfasst.
Beim KI-Training fallen Unmengen an Daten an, die auf Festplatten gespeichert werden
Am härtesten trifft es derzeit Arbeitsspeicher: DDR5-RAM ist seit Herbst 2025 um bis zu 270 Prozent teurer geworden. Das Vergleichsportal guenstiger.de hat für über 1.200 RAM-Produkte ausgewertet, dass 96 Prozent aller erfassten Module sich verteuert haben - ein konkretes 32-GB-Kit von Corsair kostete im August 2025 noch 129 Euro, im November bereits 237 Euro.
Grund: Samsung und SK Hynix, die gemeinsam rund 70 Prozent des weltweiten DRAM-Marktes kontrollieren, haben ihre Produktion massiv auf hochprofitablen KI-Speicher umgestellt - für normale Verbraucher bleibt weniger übrig. In der Folge steigen die Preise.
Der Marktbeobachter TrendForce prognostiziert für das erste Quartal 2026 weitere Preissteigerungen bei DDR5-RAM von bis zu 110 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch Grafikkarten, Laptops und Smartphones werden durch steigende Speicherkosten teurer - die gesamte Unterhaltungselektronik steckt mitten in einem schleichenden Preisschock.
Warum ausgerechnet Festplatten?
Festplatten gelten als altmodisch, langsam, überholt. SSDs sind schneller, Cloud-Speicher bequemer. Warum also dieser Ansturm auf die gute alte Magnetplatte? Ganz einfach: KI muss unvorstellbar viele Daten speichern.
Trainingsdaten, Protokolle, Rohdatensätze - das läuft schnell in Millionen von Terabyte. Und wer so viel Speicher braucht, nimmt das günstigste Medium. Festplatten kosten pro Terabyte nur einen Bruchteil von SSDs. Für Hyperscaler ist die klassische HDD deshalb unverzichtbar und daher so begehrt.
Derzeit kein Ende in Sicht
Eine zeitnahe Entspannung ist nicht zu erwarten. Western Digital hat nicht nur das gesamte Jahr 2026 verplant - mit einigen Großkunden gibt es bereits Verträge bis 2027 und 2028. Seagate beginnt gerade erst, Bestellungen für das erste Halbjahr 2027 anzunehmen. Eine kurzfristige Produktionserweiterung ist laut den Herstellern nicht geplant.
Was das für Euch bedeutet
Wer in absehbarer Zeit eine neue Festplatte oder SSD benötigt, sollte nicht zu lange warten. Die Preise dürften weiter steigen. Als Alternative bietet sich Cloud-Speicher an - etwa Google Drive, iCloud oder Microsoft OneDrive. Die haben zwar monatliche Kosten, schützen dafür aber auch vor Datenverlust.
Der KI-Boom hat bislang vor allem als Strom- und Wasserfresser für Schlagzeilen gesorgt. Jetzt zeigt er eine neue Seite: Er macht ganz alltägliche Produkte teurer - für alle. Auch für die, die mit KI nichts am Hut haben.
Unsere Quellen:
- Heise
- Tom's Hardware
- TechRadar
- Western Digital und Seagate
- guenstiger.de
Sendung: WDR.de, KI-Boom mit Auswirkungen: Warum externe Festplatten gerade teuer sind, 18.02.2026, 15.10 Uhr