Wegen Dürre: Menschen in England sollen alte E-Mails löschen

01:59 Min. Verfügbar bis 15.08.2027

Wegen Dürre sollen Briten ihre alten Mails löschen: Das ist der Grund

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Wegen anhaltender Dürre in Großbritannien ruft die Regierung dazu auf, alte E-Mails und Fotos zu löschen. WDR-Digitalexperte Jörg Schieb erklärt, warum das Wasser sparen hilft.

Von Jörg Schieb, WDR-Digitalexperte.Jörg Schieb

Millionen Liter Wasser täglich verbrauchen Rechenzentren für die Kühlung ihrer Server. Die britische Regierung hat deshalb am Dienstag einen ungewöhnlichen Aufruf gestartet. Bürger sollen alte E-Mails und Fotos löschen, um Wasser zu sparen.

Der Hintergrund: England erlebt die "trockensten sechs Monate seit 1976", die Regierung stuft die Wasserlage als "national bedeutsamen Vorfall" ein. Fünf Regionen sind offiziell von Dürre betroffen, sechs weitere erleben anhaltende Trockenheit.

Rechenzentren brauchen nicht nur Strom, sondern auch viel Wasser

Die offizielle Begründung der „National Drought Group“ überrascht: In der Cloud gespeicherte Daten wie E-Mails und Bilder zu löschen kann tatsächlich helfen, Wasser zu sparen. Die offizielle Begründung: Viele Rechenzentren benötigen immense Mengen Wasser, um ihre Systeme zu kühlen.

Dass Rechenzentren Strom verbrauchen – und zwar enorme Mengen – ist allgemein bekannt. Doch dass sie auch viel Wasser verbrauchen, ist vielen Menschen nicht bewusst.

Wasser zum Kühlen besser als Klimaanlagen

Tatsächlich sind Rechenzentren wahre Wasserfresser. In vielen Rechenzentren arbeiten Tausende Server rund um die Uhr, sie erzeugen enorme Hitze. Ohne Kühlung würden sie überhitzen und ausfallen. Viele Betreiber nutzen Wasser als Kühlmittel – entweder direkt oder über Verdunstungskühlung. Wasserkühlung ist deutlich effektiver als der Einsatz von Klimaanlagen.

Unzählige Mails und Fotos verbrauchen schnell mehrere Gigabyte Speicherplatz auf den Servern

Unzählige Mails und Fotos verbrauchen schnell mehrere Gigabyte Speicherplatz auf den Servern

Die Dimensionen sind beeindruckend: Laut einer Studie der Universität Oxford kann ein relativ kleines 1-Megawatt-Rechenzentrum ohne weiteres 26 Millionen Liter Wasser pro Jahr verbrauchen. Andere Studieren gehen von 11 bis 19 Millionen Litern täglich für ein typisches Rechenzentrum aus – so viel wie eine Stadt mit 30.000 bis 50.000 Einwohnern.

Jede E-Mail, jedes in der Cloud gespeicherte Foto muss auf Servern vorgehalten werden – oft sogar mehrfach für mehr Sicherheit und schnelle Verfügbarkeit. Weltweit werden täglich über 330 Milliarden E-Mails verschickt, dazu kommen Billionen gespeicherter Fotos und Videos.

Wirkung umstritten – aber nicht wirkungslos

Eine externe Festplatte ist ein gutes Speichermedium für Sicherheitskopien von alten Fotos

Ob das Löschen einzelner E-Mails tatsächlich messbar Wasser spart, ist umstritten. Der Effekt tritt erst ein, wenn sich dadurch die Anzahl benötigter Server reduziert. Einzelne gelöschte Nachrichten ändern zunächst nichts.

Dennoch: Wenn Millionen Menschen mitmachen, kann es durchaus einen Unterschied machen. Forscher der Universität Cambridge berechneten 2023, dass eine Reduzierung der deutschen E-Mail-Bestände den Wasserverbrauch der hiesigen Rechenzentren um 2-3 Prozent senken könnte – das entspräche mehreren Millionen Litern jährlich.

Was Verbraucher tun können

Der Aufruf der britischen Regierung hat also durchaus ihren Sinn, denn wenn die Rechenzentren weniger Daten speichern müssen, reduziert das den Energie- und Wasserverbrauch. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, den wasserintensiven Fußabdruck der Digitalisierung zu reduzieren:

Sofort umsetzbar: E-Mail-Postfächer regelmäßig leeren, besonders Newsletter und Spam-Mails. Streaming-Qualität bewusst wählen – 4K-Videos (also die maximale Bildqualität) verbrauchen deutlich mehr Energie und damit Wasser als HD-Qualität. Fotos vor dem Hochladen komprimieren und Duplikate vermeiden.

Größere Wirkung: Video-Calls nur einschalten, wenn nötig. Cloud-Speicher regelmäßig aufräumen und nur wirklich Wichtiges dauerhaft speichern. Besonders wasserintensiv sind KI-Anwendungen wie ChatGPT – eine Unterhaltung verbraucht etwa 500 Milliliter Wasser.

Alternative Lösungen: Nicht alle für die Ewigkeit bestimmten Daten sollten in der Cloud gespeichert werden. Externe Festplatten oder lokale Speicher verbrauchen praktisch kein Wasser für die Datenhaltung. Wer wichtige Dateien lokal statt in der Cloud speichert, reduziert den Bedarf an wasserintensiven Rechenzentren.

Industrie arbeitet an Lösungen

Immerhin: Die Tech-Branche hat das Problem erkannt, denn in den USA ist der Wasserkonsum von Rechenzentren schon lange ein Thema. Microsoft testet Unterwasser-Rechenzentren mit Meerwasserkühlung, Google setzt verstärkt auf Luftkühlung. Finnische Anlagen nutzen die Abwärme zum Heizen ganzer Stadtteile, was die Effizienz um bis zu 40 Prozent steigern kann.

Amazon kündigte an, bis 2030 "water positive" werden zu wollen – also mehr Wasser zurückzugeben als zu verbrauchen. Trotz aller Fortschritte wächst der globale Datenverbrauch jedoch schneller als die Effizienzsteigerungen.

Bewusstsein als erster Schritt

Der britische Appell mag ungewöhnlich klingen, macht aber auf ein wichtiges Problem aufmerksam: Unsere digitale Welt hat einen realen ökologischen Fußabdruck. Jeder Klick, jede gespeicherte Datei verbraucht Ressourcen – nicht nur Strom, sondern auch Wasser.

Unsere Quellen:

  • Britische Umweltbehörde
  • Thinktank "The Shift Project"

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