ChatGPT: Warum Nutzer wechseln – und wie ein Umzug gelingt

02:28 Min. Verfügbar bis 12.03.2028 Von Jörg Schieb, Jörg Schieb

ChatGPT: Warum Nutzer wechseln - und wie ein Umzug gelingt

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OpenAI steht unter massivem Druck: Nach einem umstrittenen Deal mit dem US-Verteidigungsministerium kehren Millionen Nutzer ChatGPT den Rücken. Die KI-Alternative Claude von Anthropic stieg dadurch erstmals auf Platz 1 der App-Charts. WDR-Digitalexperte Jörg Schieb erklärt die Hintergründe - und wie ein Wechsel gelingt.

Von Jörg Schieb, WDR-Digitalexperte.Jörg Schieb

Am Abend des 27. Februar 2026 verkündete OpenAI-Chef Sam Altman auf der Plattform X: Sein Unternehmen habe eine Vereinbarung mit dem US-Verteidigungsministerium getroffen, um KI-Modelle in geheimen Militärnetzwerken einzusetzen.

Wenige Stunden zuvor hatte Konkurrent Anthropic - das Unternehmen hinter dem Chatbot Claude - genau diesen Deal abgelehnt, weil die eigene KI nicht für massenhafte Überwachung oder vollautonome Waffensysteme genutzt werden soll. Daraufhin ordnete US-Präsident Donald Trump an, dass sämtliche Bundesbehörden Anthropics-Technologie nicht mehr verwenden dürfen.

#QuitGPT: Ein Hashtag wird zur Bewegung

ChatGPT: Warum Nutzer wechseln – und wie ein Umzug gelingt

Unter dem Hashtag #QuitGPT formiert sich Widerstand auf Social Media

Was folgte, war einer der größten Nutzerproteste in der Geschichte der KI-Branche. Unter dem Hashtag #QuitGPT teilten Nutzer Screenshots gekündigter Abos, löschten die App und riefen zum Boykott auf. Auf der Webseite quitgpt.org haben sich nach eigenen Angaben mehr als 2,5 Millionen Menschen registriert. Prominente wie Schauspieler Mark Ruffalo verbreiteten die Kampagne über soziale Medien.

Der Protest speiste sich aus mehreren Quellen: Neben dem Militärdeal sorgten die Einführung von Werbung in der kostenlosen ChatGPT-Version sowie eine 25-Millionen-Dollar-Spende von OpenAI-Präsident Greg Brockman an ein Trump-nahes Super PAC für Empörung. Rund 100 OpenAI-Mitarbeiter unterzeichneten einen offenen Brief und erklärten ihre Solidarität mit Anthropics Haltung.

Claude erstmals auf Platz 1 der App-Charts

Während ChatGPT Nutzer verlor, stieg die Claude-App rasant. Ende Januar noch außerhalb der Top 100 im US-App-Store, überholte sie am 1. März ChatGPT und wurde erstmals die meistgeladene kostenlose App bei Apple. Wenig später folgte der Google Play Store.

Laut Anthropic melden sich inzwischen täglich mehr als eine Million neue Nutzer an. Die Zahl der kostenlosen Nutzer stieg seit Januar um über 60 Prozent, die zahlenden Abonnenten haben sich 2026 mehr als verdoppelt. Vor den Büros von Anthropic in San Francisco hinterließen Passanten Dankesbotschaften in Kreide auf dem Bürgersteig.

Was der Wechsel für Europa bedeutet

Unter dem Hashtag #QuitGPT formiert sich Widerstand auf Social Media

ChatGPT: Warum Nutzer wechseln – und wie ein Umzug gelingt

Auch hierzulande wird die Entwicklung aufmerksam verfolgt. Laut einer YouGov-Umfrage haben bereits 43 Prozent der Erwachsenen in Deutschland ChatGPT mindestens einmal genutzt. Dass sich nun eine spürbare Wanderungsbewegung zu einem Anbieter abzeichnet, der sich aus ethischen Gründen gegen militärische Nutzung gestellt hat, ist ein bemerkenswertes Signal.

Claude gilt in Fachvergleichen als besonders stark beim Programmieren, beim strukturierten Schreiben und bei der Analyse langer Texte. Die Plattform bleibt werbefrei. Allerdings bietet Claude keine Bildgenerierung - wer diese Funktion braucht, findet sie weiterhin bei ChatGPT oder Googles Gemini.

Der Umzug: Einfacher als gedacht

Wer wechseln möchte, steht vor einer praktischen Frage: Wie nimmt man den über Monate aufgebauten Kontext mit - den bevorzugten Schreibstil, die Projekte, die gespeicherten Vorlieben? Anthropic hat dafür eine Import-Funktion eingebaut, die inzwischen auch in der kostenlosen Version verfügbar ist.

Die bei ChatGPT exportierten Daten lassen sich später bei Claude importieren

Die bei ChatGPT exportierten Daten lassen sich später bei Claude importieren

Der Ablauf: In den Claude-Einstellungen unter "Fähigkeiten" lässt sich der Import starten. Claude stellt einen vorgefertigten Prompt bereit, den man bei ChatGPT einfügt. ChatGPT listet daraufhin alle gespeicherten Erinnerungen strukturiert auf. Diese Ausgabe wird kopiert und bei Claude eingefügt - nach wenigen Sekunden übernimmt das System die Informationen ins eigene Gedächtnis.

Zusätzlich lassen sich bei ChatGPT unter "Einstellungen > Datenkontrollen" alle Gesprächsverläufe als Archiv exportieren. Wichtig: Die Import-Funktion überträgt Kontextinformationen und Präferenzen, nicht aber einzelne Chat-Verläufe oder eigene Prompts. Diese sollte man separat sichern. Wer Claude später wieder verlassen möchte, kann sein Gedächtnis jederzeit exportieren.

Ein Markt in Bewegung

Ob die #QuitGPT-Bewegung langfristig Wirkung zeigt, bleibt offen. Tech-Boykotte verlaufen oft im Sand. Doch diesmal gibt es erstmals leistungsfähige Alternativen - und ausgerechnet zahlende Kunden treiben den Protest voran. OpenAI meldete zuletzt zwar 900 Millionen wöchentlich aktive Nutzer. Doch die Dynamik hat sich verschoben. Für viele ist die Wahl des KI-Assistenten nicht mehr nur eine technische, sondern auch eine politische Entscheidung.

Unsere Quellen:

  • OpenAI
  • Anthropic
  • Nachrichtenagentur dpa
  • quitgpt.org

Sendung: WDR.de, "Viele User verlassen ChatGPT aus Protest", 12.03.2026, 18.10 Uhr

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