KI im Militär: Führt künstliche Intelligenz bald Kriege?
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In den USA wird über den Einsatz von Künstlicher Intelligenz beim US-Militär diskutiert: Dem KI-Unternehmen Anthropic wurde die Zusammenarbeit vom US-Verteidigungsministerium aufgekündigt, unter anderem, weil es nicht seine Modelle für vollautonome Waffen freigeben wollte. WDR-Digitalexperte Jörg Schieb erklärt im Podcast "nah dran", wie weit KI im Militär wirklich schon ist und warum das uns alle angeht.
Von Michael Treis
Eigentlich war das KI-Unternehmen Anthropic ein verlässlicher Partner des US-Militärs – bis das Pentagon mehr wollte: Es bestand darauf, Anthropics KI-Modelle auch für vollautonome Waffensysteme einzusetzen. Systeme also, die ohne menschlichen Befehl töten könnten. Anthropic sagte Nein. Die US-Regierung stufte das Unternehmen daraufhin als "Risiko für die nationale Sicherheit" ein und beendete die Zusammenarbeit. Stattdessen übernimmt nun Konkurrent OpenAI.
Wo KI im Krieg schon drinsteckt
Nicht erst der aktuelle Krieg der USA und Israels gegen den Iran zeigt: Künstliche Intelligenz wird schon längst in den Armeen dieser Welt verwendet. Im Ukraine-Krieg erkennen KI-gesteuerte Drohnen bereits eigenständig Ziele, Geheimdienste analysieren in Echtzeit Satellitendaten und Social-Media-Beiträge. Der Digitalexperte Jörg Schieb sagt im WDR-Podcast "nah dran", KI erkenne Muster eben schneller als Menschen. Das biete auch im Militärbereich strategische Vorteile.
KI ist nicht zu stoppen
Schieb bezeichnet Künstliche Intelligenz als "das leistungsfähigste Werkzeug, dass der Mensch je entwickelt hat". Inzwischen setzten viele Staaten auch bei ihren Armeen auf den Einsatz von Künstlicher Intelligenz. China beispielsweise investiert massiv in militärische KI, Russland setzt aggressiv auf Drohnen und Cyberoperationen. Europa diskutiere darüber, handle aber zu zögerlich, betont Schieb im "nah dran"-Podcast. Auch die Bundeswehr habe KI-Strategien. Politisch und kulturell gebe es aber ein großes Zögern beim Thema Autonomie. "Das wird man aber auf Dauer nicht durchsetzen können", prognostiziert der KI-Fachmann.
Die rote Linie
Digital-Experte Jörg Schieb
Weltweit wird jedoch auch vor den Gefahren bei der Weiterentwicklung von Künstlicher Intelligenz gewarnt. Einerseits sei da die generelle Herausforderung, dass der Algorithmus einer KI immer ein Stück weit unberechenbar sei. Genau wie der Mensch werde KI auch immer Fehler machen. Was ist also, wenn ein KI-System Unbeteiligte tötet?
Die Entscheidung über Leben und Tod darf niemals allein bei einem Algorithmus liegen. Das sollte auch für Kriege und Konflikte gelten. Jörg Schieb, WDR-Digitalexperte im Podcast "nah dran"
Wenn alle Beteiligten in einem Konflikt jedoch KI in ihren autonomen Waffen einsetzen, fehle das menschliche Bedenken komplett, betont Schieb. Seine Vorhersage: Es dauere noch fünf bis 15 Jahre, dann habe die Menschheit tatsächlich die Möglichkeit, vollautonome Kriege zu führen. Umso wichtiger sei eine gemeinsame Vereinbarung darauf, dass der Mensch immer den letzten Befehl gebe.
nah dran - die Geschichte hinter die Nachricht
Im Podcast "nah dran - die Geschichte hinter der Nachricht" erzählen unsere Reporterinnen und Reporter, was sie bei ihren Recherchen erlebt haben. Sie werfen einen Blick hinter die Nachrichten, hören Betroffenen zu und erleben selbst mit, wovon die meisten nur kurz in den wöchentlichen Schlagzeilen lesen. Näher ran als sie kommt niemand - egal ob im Ausland, in der Hauptstadt oder direkt vor unserer Tür in der Region.