Neue Studie zeigt: nach einem Powernap lässt es sich leichter lernen | WDR Aktuell
02:31 Min.. Verfügbar bis 27.06.2027.
Mal kurz die Augen zu, muss auch gar nicht lang sein - und schon kommt der geniale Einfall. Der "Heureka"-Moment im Schlaf (oder kurz danach) ist womöglich mehr als ein Märchen. Darauf deutet eine neue Studie von zwei Psychologinnen der Uni Hamburg hin.
Aufgabe mit verstecktem Hinweis
Dazu haben sie ein Experiment durchgeführt: 90 Versuchspersonen sahen einen Bildschirm mit beweglichen Punkten. Sie mussten erkennen, in welche Richtung sich die Mehrheit der Punkte bewegt und einen entsprechenden Knopf drücken.
Das ist teilweise gar nicht leicht - es gab aber einen versteckten Trick: Die Farbe der Punkte zeigte nämlich auch die richtige Lösung an. Wer das begriff, konnte die Aufgabe ab dann viel schneller lösen.
Schlaf hilft beim Lösen
Während des Experiments wurde dann eine Pause eingelegt - und es zeigte sich: Wer in der Zeit ein Nickerchen machte, entdeckte den versteckten Trick danach häufiger als die, die nur wach herumlagen. Offensichtlich hatte der kleine Schlaf - sogenanntes "Powernapping" - beim Geistesblitz geholfen.
Schlafmediziner Michael Feld
Dass das funktioniert, bestätigt auch Schlafmediziner Michael Feld aus Frechen: "Es gibt Studien, die zeigen: Wenn Sie ein bisschen dösen, die Füße hoch, dann reicht das schon, eine Viertelstunde, 20 Minuten." Nach der Ruhephase fühle man sich direkt leistungsfähiger.
Hirnnerven können regenerieren
Was genau dabei im Gehirn funktioniert, ist allerdings noch nicht so richtig verstanden. Klar ist: Schlaf tut uns gut. Aber warum das mit mehr Ideen einhergehen soll, kann die Wissenschaft nur vermuten.
"Geistesblitze sind ja Eingebungen, die nur ein Gehirn machen kann, das gut funktioniert", sagt Schlafmediziner Feld. "Die Hirnnerven müssen schnell feuern können. Wenn Sie jetzt zu wenig schlafen und immer müde sind, dann ist das verlangsamt. Deswegen könnte das eine Erklärung sein: Wenn Sie regelmäßig nappen, dann sind Sie nachmittags geistesblitziger."
Wie viel Schlaf ist optimal?
Es muss in jedem Fall noch mehr geforscht werden. Es ist zum Beispiel noch unklar, wie tief der Schlaf sein muss, damit er wirklich bei der Ideenfindung hilft. In der Hamburger Studie schien ein ruhiger Schlaf besser zu sein als nur eine unruhige Halbschlafphase.
In einer französischen Studie kam allerdings das Gegenteil heraus: Da kamen die Versuchspersonen besonders schnell auf Ideen, wenn sie nur ganz kurz in den Halbschlaf verfielen und nach einer Minute wieder aufwachten. Einen positiven Effekt hatte die kurze Ruhephase aber in beiden Fällen.
Unsere Quellen:
- PLOS Biology
- Science Advances
- Schlafmediziner Michael Feld