Fanproteste – Wie viel Kontrolle verträgt der Fußball?
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12 Minuten war Stille in vielen deutschen Stadien, immer wieder: Damit haben die Fans gezeigt, wie wichtig sie als 12. Mann bzw. 12. Frau für den Fußball sind. Ein Protest gegen verschärfte Maßnahmen für mehr Sicherheit in Stadien. Offenbar mit Erfolg: Die Innenministerkonferenz ist nämlich von vielen Plänen wieder abgerückt.
Personalisierte Tickets, schnellere Stadionverbote, mehr Überwachung: Diese Ideen standen unter anderem zu Beginn der Innenministerkonferenz (IMK) auf der Liste. Damit wollten sie für mehr Sicherheit in Stadien sorgen. Am Freitag (05.12.), dem letzten Tag der IMK, ist klar: Die meisten dieser Pläne werden so nicht umgesetzt.
Bundesweite Kommission für Stadionverbote beschlossen
Was jetzt kommen soll: Eine bundesweite Kommission für Stadionverbote, die einheitliche Standards schaffen soll - damit nicht jeder Verein selbst entscheiden kann und muss, wann ein Stadionverbot verhängt wird. Insgesamt sollen die Vereine in Sachen Sicherheit stärker in die Pflicht genommen werden.
Pyrotechnik weiter offenes Thema
"Wir haben uns auf einen klaren Kurs verständigt: Dialog statt Konfrontation. Zusammen mit den Vereinen und den Fans haben wir das gemeinsame Interesse, dass sich die Menschen im Stadion sicher fühlen", sagt Bremens Innensenator und IMK-Vorsitzender Ulrich Mäurer (SPD). Was weiter ungeklärt ist: Wie mit dem Thema Pyrotechnik umgegangen wird. Das soll bei der nächsten Innenministerkonferenz wieder besprochen werden.
Thomas Kessen, Sprecher der Fanvertretung "Unsere Kurve", zieht ein verhalten positives Fazit: Es sei gut, dass Punkte wie die KI-Gesichtserkennung nicht umgesetzt würden: "Gleichzeitig bleiben aber noch viele Fragen offen".
Fans protestieren und haben Erfolg
Seit etwa einem Jahr beraten die Innenpolitikerinnen und -politiker zusammen mit der Deutschen Fußball-Liga (DFL), dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) und Sportverbänden. Seit Wochen haben Fußballfans dagegen protestiert. Mit Stille in Stadien oder lautstark bei Protestzügen vor etwa zwei Wochen in Leipzig.
WDR-Sportreporter Chaled Nahar
Dass die Innenministerinnen und -minister jetzt doch nicht die ganz scharfen Maßnahmen beschlossen haben, ist für WDR-Sportreporter Chaled Nahar auch ein Erfolg der Fans.
"Der mündige Fan, das ist ein Wesensmerkmal des deutschen Fußballs." Chaled Nahar, WDR-Sportreporter
Denn gerade durch die Stille in Stadien hätten die Fans gezeigt, dass sie ein wichtiges Verkaufsargument für den Fußball sind: "Nur mit der Begeisterung drumherum kann man das als ein begeisterndes Produkt verkaufen und da hat sich der deutsche Fußball schon was erhalten", sagt Chaled Nahar.
Ob die Fans jetzt wirklich ihr Ziel erreicht haben und wie es wirklich um die Sicherheit in Stadien steht, darüber sprechen Chaled Nahar und Host Julia Barth im Podcast "nah dran".
Der Podcast "nah dran"
Im Podcast "nah dran - die Geschichte hinter der Nachricht" erzählen unsere Reporterinnen und Reporter, was sie bei ihren Recherchen erlebt haben. Sie werfen einen Blick hinter die Nachrichten, hören Betroffenen zu und erleben selbst mit, wovon die meisten nur kurz in den wöchentlichen Schlagzeilen lesen. Näher ran als sie kommt keiner - egal ob im Ausland, in der Hauptstadt oder direkt vor unserer Tür in der Region.
Sendung: WDR.de, Fanproteste - Wie viel Kontrolle verträgt der Fußball?, 05.12.2025, 13.00 Uhr