Mercosur Abkommen durch: Good news für Verbraucher
Aktuelle Stunde . 09.01.2026. 11:34 Min.. Verfügbar bis 09.01.2028. WDR. Von Timucin Tim Köksalan.
Mercosur-Abkommen - NRW-Landwirte sagen: "Kauft unsere Produkte"
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Der Weg für das größte Freihandelsabkommen der Welt ist frei. Die Botschafter der EU-Staaten stimmten für das Mercosur-Abkommen mit den südamerikanischen Ländern Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay. Heimische Landwirte sind in Sorge. Kritik kommt auch von der Verbraucherzentrale.
Befürworter des Mercosur-Abkommens mit Südamerika hoffen auf einen Schub für die Wirtschaft, heimischen Landwirte fürchten billigere Konkurrenzprodukte aus Südamerika.
Ermöglicht wurde die Einigung auf das umstrittene Abkommen nach mehr als 25 Jahren Verhandlungen durch weitere Zugeständnisse an die europäische Agrarlobby, um deren Wettbewerbsfähigkeit gegenüber günstigeren Agrarprodukten aus Südamerika zu sichern. So will die EU-Kommission bestimmte Pflanzenschutzmittel wie beispielsweise Glyphosat künftig etwa zeitlich unbegrenzt zulassen.
Landwirte warnen vor Wettbewerbsdruck und niedrigeren Standards
Michael Hüllen aus Wachtberg im Rhein-Sieg kritisierte im Dezember im WDR-Interview, dass beispielsweise der Umgang mit Antibiotika in der Tierhaltung in den Mercosur-Staaten nicht dem entspreche, was in der EU gelte: "Wir müssen hier die höchsten Standards in Deutschland von der Produktion her leisten. Die deutsche Landwirtschaft, die europäische Landwirtschaft kommt damit gewaltig unter Druck." Die europäischen Bauern könnten mit den südamerikanischen nicht konkurrieren, so Hüllen: "Wir können diese Preise einfach nicht mitgehen."
Proteste in Brüssel im Dezember
Bauern in Deutschland und Frankreich protestieren auch noch bis zuletzt gegen das Freihandelsabkommen. In beiden Ländern blockierten sie am Donnerstag zum Teil Straßen und Autobahn-Auffahrten.
Landwirt Michael Hüllen appellierte an Kunden, im Supermarkt weiterhin Rindfleisch und andere Lebensmittel aus der heimischen Landwirtschaft zu kaufen: "Kauft deutsche Produkte, helft der deutschen Landwirtschaft." Beim Rindfleisch wird das wegen der geringen Menge, die aus Südamerika in die Europäische Union importiert werden darf, ohnehin weiterhin notwendig sein.
"Ich produziere Zucker und da brauche ich Absatzmarkt"
Bernd Kockerols ist Zuckerrüben-Anbauer aus Baesweiler und Vorsitzender der Kreisbauernschaft Aachen. Er war bei Protesten in Brüssel im Dezember dabei.
Bernd Kockerols
"Das Mercosur-Abkommen trifft viele Bauern ins Mark durch verschiedene Öffnungen des Imports für Fleisch und auch für Zucker. Das belastet unsere Betriebe", sagte der Landwirt Kockerols damals gegenüber dem WDR. "Ich produziere Zucker und da brauche ich den Absatzmarkt hier für unseren Zucker und keinen Import aus den Drittstaaten."
Was jetzt im Supermarkt billiger werden könnte
WDR-Wirtschaftsexperte Ulrich Ueckerseifer sagt, dass das Abkommen sich auch auf einige Preise auswirken könnte. Spezialitäten wie argentinisches Rumpsteak könnten künftig zu günstigeren Preisen in deutschen Supermärkten zu kaufen sein: "Aller Voraussicht nach werden bestimmte Produkte für uns preisgünstiger." Dazu zählten auch Zucker und Kaffee aus Brasilien.
Verbraucherzentrale kritisiert Gentechnik und Wachstumshormone für Nutztiere
Die Verbraucherzentrale Hamburg hatte sich während der jahrelangen Verhandlungen zu Mercosur mit dem Freihandelsabkommen beschäftigt und sieht die Regeln zur Produktion von Lebensmitteln in Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay kritisch: "In vielen Ländern, auch in den Mercosur-Staaten Südamerikas, sind Gentechnik und Wachstumshormone für Nutztiere erlaubt", heißt es in einer Stellungnahme der VH Hamburg zum Freihandelsabkommen vom 6. November. Die Standards zur Lebensmittelqualität seien vielfach niedriger. Auch könne das Abkommen Auswirkungen auf den Klimaschutz haben.
Unsere Quellen:
- Nachrichtenagentur dpa
- Interview mit WDR-Wirtschaftsexperte Ulrich Ueckerseifer im Dezember
- Interview mit Landwirt Michael Hüllen im Dezember
- Stellungnahme der VH Hamburg zum Freihandelsabkommen vom 6. November.
Sendung: WDR 5, Nachrichten 09.01.2026, 14.01 Uhr