Frühkartoffeln werden mit einer Legemaschine in den Boden des Ackers gelegt,

Mehr Lohn für Saison- und Fachkräfte in der Landwirtschaft?

Stand:

Es gibt gerade Tarifverhandlungen für die Landwirtschaft. Die Gewerkschaft fordert 15 Prozent mehr Lohn für Saison- und Fachkräfte. Die Arbeitgeber weisen das als zu hoch zurück.

Bei den Tarifverhandlungen geht es um Erntehelfer, die beispielsweise Erdbeeren oder Äpfel pflücken oder bei der Getreideernte helfen. Aber auch um ausgebildete Fachkräfte, die das ganze Jahr über in landwirtschaftlichen Betrieben arbeiten - in der Viehhaltung und im Ackerbau. Laut der zuständigen Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) gibt es 500.000 Beschäftigte in der Landwirtschaft. Allerdings werden nicht alle nach Tarif bezahlt.

Tarifgespräche für Beschäftigte der deutschen Landwirtschaft

WDR Studios NRW 31.10.2025 01:00 Min. Verfügbar bis 31.10.2027 WDR Online


Gewerkschaft: Gestiegene Lebenshaltungskosten und Arbeitsbelastung erfordern höheren Lohn

Die Gewerkschaft fordert für die Beschäftigten in der Landwirtschaft 15 Prozent mehr Lohn. Eine Fachkraft bekomme derzeit 15,64 Euro pro Stunde. Die IG BAU fordert 18 Euro. Sie begründet ihre Forderungen mit den gestiegenen Lebenshaltungskosten - Mieten und Heizen zum Beispiel. Aber auch mit der Arbeitsbelastung der Angestellten in der Landwirtschaft: "Sie müssen früh aufstehen, haben oftmals einen langen Tag und müssen auch an Wochenenden sowie Feiertagen arbeiten. Sie müssen die Tiere versorgen und sich um die Pflege von Pflanzen kümmern, auch bei Wind und Wetter. Sie müssen sich mit moderner digitaler Technik genauso auskennen wie mit anspruchsvollen Umwelt- und Hygienestandards", heißt es in einer Mitteilung der IG BAU.

Von der Gewerkschaft heißt es, dass es auch in der Landwirtschaft einen Fachkräftemangel gebe. Gleichzeitig gebe es auf den Höfen immer mehr Angestellte. Etwas mehr als die Hälfte (55 Prozent) derjenigen, die in der Landwirtschaft arbeiten, sind nach Zahlen der Agrarstrukturerhebung von 2023 keine selbstständigen Bäuerinnen und Bauern, sondern angestellt. Im Vergleich zu zehn Jahren zuvor stieg die Zahl der Arbeitnehmer um 17 Prozent an, diejenige der selbstständigen Bäuerinnen und Bauern sank um 21 Prozent.

Arbeitgeber-Vertreter: Forderungen völlig unangemessen

Die Gewerkschaft verhandelt mit dem Gesamtverband der Deutschen Land- und Forstwirtschaftlichen Arbeitgeberverbände (GLFA). Der Verband weist die Forderungen als "völlig unangemessen" zurück. Sie würden die wirtschaftlichen Möglichkeiten der Betriebe übersteigen. Die Betriebe in Deutschland haben vielfach Sorge, international konkurrenzfähig bleiben zu können. Allein durch den Mindestlohn haben sie deutlich höhere Kosten als Betriebe in anderen europäischen Ländern.

Der erste Verhandlungstermin von Gewerkschaft und Arbeitgeber-Vertretern ist an diesem Freitag (31.10.25) in Kassel. Ausgehandelt wird eine sogenannte Bundesempfehlung, die dann von den einzelnen Landesverbänden umgesetzt wird.

Unsere Quellen:

  • Gewerkschaft IG BAU
  • Gesamtverband der Deutschen Land- und Forstwirtschaftlichen Arbeitgeberverbände (GLFA)
  • Nachrichtenagentur AFP

Über dieses Thema berichten wir am 31. Oktober auch im Tag um zwölf bei WDR 4 und WDR 5 und in den Nachrichten bei WDR 2.

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