Weihnachtseinkauf und Fake-Shops | WDR aktuell

02:26 Min. Verfügbar bis 03.12.2027

KI macht Fakeshops stark – und hilft beim Aufdecken

Stand:

Fakeshops im Netz lassen sich mit KI immer leichter gestalten. Jeder achte Onlinekunde ist in den vergangenen zwei Jahren auf so einen Betrug reingefallen. Doch Künstliche Intelligenz kann auch vor Abzocke beim Shoppen schützen.

Von Katja Goebel

Manfred Schulte aus Bergisch Gladbach liebt das Reisen. Als er mit seiner Frau die nächste Urlaubstour plant, fehlt nur noch ein Gepäckträger für die Fahrräder. Im Netz wird er schnell fündig. Es ist ein Fahrradhändler in Norddeutschland, der ein unschlagbares Angebot auf seiner Seite hat. 100 Euro günstiger als die Konkurrenz bietet der Onlineshop den Fahrradgepäckträger an.

Fakeshop-Tarnung: Falsche Homepage mit geklauten Daten

Adressensuche mit Streetview

Im Netz gefunden: der Fahrradladen

Die Seite sieht professionell und seriös aus. Manfred Schulte ist ein durchaus kritischer Konsument. Er schaut ganz genau ins Impressum, findet dort ordnungsgemäß Steuernummer, Telefonnummer und Adresse. Die Straße und Hausnummer gibt er zur Sicherheit sogar noch in den virtuellen Bilderdienst Street View ein, mit dessen Hilfe man kostenlos eine dreidimensionale Ansicht öffentlicher Straßen, Plätze und Gebäude finden kann.

Die Adresse, die der Dienst auch zügig findet, zeigt ein Haus mit einem Schild, auf dem tatsächlich der Name des gesuchten Fahrradladens steht.

"Da waren meine Bedenken zerstreut und ich habe bestellt." Manfred Schulte

Es folgt zwar prompt eine Bestellbestätigung. Aber: "Was mir fehlte, war eine Versandbestätigung mit Trackingnummer." Schulte wartet weiter ab.

Hunderte Kunden fallen auf Fahrrad-Fakeshop rein

Erst als der Gepäckträger nach Wochen nicht ankommt, fliegt der Schwindel auf. Schulte versucht unter den angegebenen Telefonnummer jemanden zu kontaktieren, doch die Nummer existiert gar nicht.

KI macht Fakeshops stark – und hilft beim Aufdecken

WDR Studios NRW 03.12.2025 00:59 Min. Verfügbar bis 03.12.2027 WDR Online


Manfred Schulte

Manfred Schulte

Er recherchiert selbst die Nummer und erreicht sofort eine Mitarbeiterin des Ladens. Die zeigt sich allerdings wenig erstaunt über die Geschichte. Der Rentner aus Bergisch Gladbach ist mittlerweile einer von rund 200 Kunden, die auf diesen Fakeshop im Netz hereingefallen sind. Den Fahrradladen gibt es zwar wirklich, aber die Website war ein Fake - mit geklauten Daten des seriösen Anbieters.

"Ich habe mich geschämt, weil ich dann doch im Nachhinein zwei, drei Dinge übersehen habe, die mich hätten misstrauisch machen müssen." Manfred Schulte

Jeder Achte ist bereits auf Fakeshops reingefallen

Viele Fakeshops sehen täuschend echt aus, ihre Tarnung wird immer besser und ihre Zahl steigt - genau wie die der Betrogenen. Laut Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) ist nahezu jeder achte Online-Shopper in den vergangenen zwei Jahren auf die falschen Angebote reingefallen. Fakeshops erreichen auch immer wieder über Werbunganzeigen bei Google, Facebook oder Instagram Millionen potentielle Kunden.

Laut des "Finanzguru"-Fake Shop-Reports fielen allein 2023 rund 301.000 Deutsche auf solche Shops herein. Der geschätzte Schaden: mehr als 94 Millionen Euro. Betrüger nutzten demnach gezielt Angebote mit hoher Nachfrage oder saisonaler Relevanz, um Vertrauen zu erwecken. Besonders beliebt seien Produkte wie Fahrräder, Kinderwagen oder stark reduzierte Markenbekleidung. 

Und noch eine Zahl: Nur jedes dritte Betrugsopfer stellt Anzeige bei der Polizei. Das hat eine Schufa-Verbraucherumfrage ergeben.

Fakeshop-Finder: Eine KI warnt vor Betrug

Doch die Künstliche Intelligenz hilft eben nicht nur beim Betrügen, sondern kann auch helfen, Betrug aufzudecken. Mit Hilfe einer KI können Verbraucher seit rund drei Jahren unbekannte Shops prüfen, bevor sie Ware bestellen. Möglich macht dies der Fakeshop-Finder der Verbraucherzentrale.

Dort kann man einfach die Adresse in ein Suchfeld eingeben und das Tool gibt wenige Sekunden später eine Bewertung in Ampelfarben ab. Rot heißt Finger weg- der Fakeshop ist bekannt. Gelb bedeutet, dass die überprüften Merkmale nicht ganz eindeutig sind. Hier heißt es für Verbraucher noch einmal ganz genau hinzusehen. Bei einer grünen Ampel ist der Onlineshop bisher nicht negativ aufgefallen.

Screenshot des Fakeshop-Finder der Verbraucherzentale

Suchmaske des Fakeshop-Finders der Verbraucherzentrale

Außerdem gibt der Fakeshop-Finder neben der Bewertung auch noch Tipps fürs sichere Bezahlen. Kein anderes Hilfsangebot der Verbraucherschützer wurde so oft genutzt: 2,9 Millionen Mal wurde er allein im Jahr 2024 aufgerufen, fast doppelt so oft wie im Jahr 2023. Mit dem Tool hat die Verbraucherzentrale übrigens gerade den dritten Platz beim European Crime Prevention Award (ECPA) gewonnen. Der Preis würdigt herausragende, innovative Kriminalpräventionsprojekte in Europa.

Jeden Monat rund 1.200 Fakeshops entdeckt

Hinter dem Fakeshop-Finder steckt ein System, das mittels KI das Internet ständig nach Shops durchsucht. Jede gefundene Shop-Website wird auf Merkmale gescannt, die sehr oft bei unseriösen Shops zu finden sind. Auch öffentliche Listen von bekannten Fakeshops kennt und nutzt das Tool. "Der Fakeshop-Finder hat bereits 86.000 gefälschte Online-Shops identifiziert. Jeden Monat kommen rund 1.200 neue Shops dazu“, sagt Wolfgang Schuldzinski, Vorstand der Verbraucherzentrale NRW.

Tipps für den Online-Einkauf:

  • Zahlung: Bietet ein Shop nur Zahlungen per Vorkasse an, solltet ihr misstrauisch werden. Die sicherste Option ist der herkömmliche Kauf nach Erhalt einer Rechnung.
  • Überweisung: Nicht auf ausländische Konten überweisen, wenn der Firmensitz in Deutschland ist.
  • Kundenbewertung: Taucht der Shop in anderen Kundenbewertungen auf? Fakeshops sind oft nicht lange online, deshalb sind oft auch gar keine Bewertungen zu finden.
  • Impressum und Gütesiegel: Bei vielen Fakeshops fehlt das Impressum, oder Gütesiegel sind lediglich als Bild hineinkopiert. Man kann im Verzeichnis der Siegelanbieter übrigens auch Shops suchen. Beim Gütesiegel "Trusted Shops" gibt es auch einen Fakeshop-Scanner.
  • Kontakt: Angegebene Telefonnummer einfach mal anrufen.
  • Anzeige: Betrugsopfer sollten immer Beweise sichern und Anzeige bei der Polizei erstatten.
  • Rückerstattung: Ist das Geld erst seit wenigen Tagen überwiesen, versucht die Zahlung durch die Bank rückgängig zu machen.
  • Unterstützung: Rat und Hilfe gibt es auch bei den Verbraucherzentralen.

Bittere Erfahrung öffentlich machen

Manfred Schulte hat sein Geld nicht wieder gesehen und verbucht die Geschichte als bittere Erfahrung. Doch seine Geschichte öffentlich zu machen, war ihm ein Anliegen, um andere vor Betrug zu warnen.

Jnd noch etwas treibt den Rentner um: "Es ist ja nicht profan, so einen Webshop zu faken und mit einem anonymen Bankkonto zu verbinden. Das kann nicht jeder. Da gehörten ja gewisse Fachkenntnisse dazu. Warum Leute mit solchen Fähigkeiten nicht in der Branche einen legalen Job suchen? Die werden gesucht, die würden sicher gut bezahlt.

Unsere Quellen:

Sendung: WDR Fernsehen, WDR aktuell, 03.12.2025, 12.45 Uhr

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