Wie entlarvt man Fake-Dienstleistungen im Internet? | WDR Aktuell

02:09 Min. Verfügbar bis 04.08.2027

Beschwerde-Boom: Wie entlarve ich Fake-Dienstleistungen im Internet?

Stand:

Die Beschwerden über Online-Dienstleistungen haben sich innerhalb eines Jahres verdreifacht. Wie schütze ich mich vor Betrügern?

Von Daniel Schwingenheuer

Der Nachsendeauftrag ist einer von vielen Punkten auf der To Do-Liste beim Umzug. Zwischen Tür und Angel wird schnell gegoogelt, wie man ihn einrichten kann. Bei einer Suchmaschine wird man fündig, trägt die eigenen Daten ein, das Geld wird überwiesen. Und der Brief? Ob der wirklich zur neuen Adresse gebracht wird, das ist trotzdem noch lange nicht sicher - obwohl man vielleicht sogar zu viel für diesen Service gezahlt hat.

Immer mehr Menschen beschweren sich über dubiose Angebote für Dienstleistungen im Internet. Die Verbraucherzentralen haben im ersten Halbjahr 2025 mehr als 2.900 Beschwerden registriert. Das sind fast dreimal so viele wie im selben Zeitraum im letzten Jahr.

"In den meisten Fällen beschweren sich Verbraucherinnen und Verbraucher über Dienstleister, die online etwa mit Angeboten für Nachsendeaufträge, Führungszeugnisse oder andere offizielle Dokumente werben", sagt Ramona Pop, Chefin vom Verbraucherzentrale-Bundesverband.

Nach welcher Masche arbeiten solche Anbieter?

"Gesponsert" heißt nicht seriös

Brief wird in einen Briefkasten eingeworfen

Bei Online-Angeboten für Nachsendeaufträge ist Vorsicht geboten.

Einige Suchmaschinen verdienen Geld über gesponserte Anzeigen. Sucht jemand nach einem Begriff wie "Nachsendeauftrag", sind die ersten Suchergebnisse Webseiten, die dafür bezahlen, unter bei diesem Begriff gefunden zu werden. Erst danach werden die "echten" Suchergebnisse angezeigt. Einträge, für deren Anzeige Geld bezahlt wurde, müssen gekennzeichnet werden. Bei Google steht über dem Eintrag das Wort "Gesponsert".

Dennoch wirken die Einträge bei einem schnellen Blick wie normale Suchergebnisse. Die Verbraucherzentralen kritisieren, dass die Werbung aber häufig nicht auf ihre Seriosität geprüft wird. Auf diese Weise können sich auch Fake-Anbieter unter den Suchbegriffen listen lassen. Durch die Werbung werden sie sogar über den offiziellen Angeboten angezeigt.

Dokumentenbeschaffung und Behördenkommunikation

Einige Webseiten bieten ihren Nutzern beispielsweise die Dienstleistung an, Dokumente für sie zu besorgen. Wer mit dem Auto über Schweizer Autobahnen fahren will, braucht zum Beispiel eine Vignette. Die kann über das schweizerische Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit bezogen werden.

Weil es aber verschiedene weitere Webseiten gibt, die die E-Vignette für die Schweiz anbieten und teilweise Zusatzgebühren verlangen, schreibt das BAZG auf seiner Webseite: "Das BAZG verlangt genau 40 CHF (Schweizer Franken) für den Kauf der Schweizer E-Vignette und verlangt keine Kaution."

Eine Hand hält ein Smartphone mit schweizer E-Vignette ins Bild

Betrüger versuchen auch, mit der Schweizer E-Vignette Geld zu machen.

Ähnliche Berichte, wonach Anbieter mehr Geld verlangen für Dokumente, die man auch bei Behörden direkt besorgen kann, gibt es auch über die ESTA-Einreisegenehmigung in die USA.

Die Verbraucherzentralen klagen aktuell auch gegen eine Webseite, die ein Kontaktformular zum Beitragsservice des öffentlich-rechtlichen Rundfunks anbietet. Für den Service verlangt der Betreiber 39,99 Euro. Wer sich direkt beim Beitragsservice meldet, für den ist der Kontakt kostenlos.

Wie schütze ich mich?

Fake-Shops im Internet zu erkennen, ist nicht immer einfach, egal ob es sich um Dienstleistungen oder Produkte handelt. Um für mehr Sicherheit und Vertrauen im Netz zu sorgen, wurde der Fakeshop-Finder von der Verbraucherzentrale NRW 2022 entwickelt. Das Projekt wurde vom Land Nordrhein-Westfalen gefördert. Mit Hilfe einer KI sucht der Fakeshop-Finder nach Shops im Netz und gibt eine Wahrscheinlichkeit dafür an, wie seriös diese sind.

Ein ähnliches Projekt ist die Watchlist Internet des Österreichischen Instituts für angewandte Telekommunikation. Auch dort finden sich Listen mit Shops, die nicht seriös arbeiten.

Auch die Polizei NRW hat eine Liste mit sieben Punkten veröffentlicht, auf die Nutzerinnen und Nutzer bei Shops im Netz achten sollten:

  • Auffällige Internetadresse
  • (Un)Sichere Zahlungsweise
  • Auffallend günstiger Preis
  • Falsche Gütesiegel
  • Kundenbewertungen
  • Fake-AGB
  • Impressum nicht vorhanden

Insbesondere bei der Beschaffung von Dokumenten oder der Kommunikation mit Behörden lohnt sich ein Blick auf die jeweiligen Webseiten der Behörden selbst. Dort befinden sich häufig Informationen zu Preisen und Warnungen vor Fake-Angeboten.

Unsere Quellen:

Kommentare zum Thema

3 Kommentare

  • 3 Claudia 04.08.2025, 17:45 Uhr

    Ich bin auch auf so eine Seite reingefallen als ich die GEZ für meine Mutter abmelden wollte. 39,99€ sollte ich bezahlen. Nach 3 Tagen schon eine Mail eines Inkasso Büros mit Drohungen.

    Antworten (1)
    • I. S 04.08.2025, 21:22 Uhr

      Das gleiche spielchen auch bei mir. War schwer im Glaube alles richtig und kostenlos auf der GEZ Seite umgemeldet 1 Woche später eine E Mail von Aliminkasso, bitte 70 Euro zahlen , sofort ! Vorher kein Preis, keine Mail, nichts

  • 2 Jens Liebermann 04.08.2025, 16:07 Uhr

    Mal ehrlich ... wer zu xxx ist einen Nachsendeantrag an der richtigen Stelle zu beantragen oder eine Einreisegenehmigung auf einer obskuren Webseite oder ... Dem ist nicht zu helfen... Oder vlt. doch: Statt Handy mal einen PC nutzen. Der größere Bildschirm hilft. ... das komische ist ja, die Beschwerden kommen dann irgendwie beim richtigen Falschen an ...

  • 1 Andre Schäfer 04.08.2025, 12:53 Uhr

    Wenn der Verbraucherzentrale ja daran gelegen wäre, den Verbraucher wirklich zu schützen und nicht einfach nur Traffic auf ihre eigene Webseite zu ziehen, dann würde sie ihre Fakeshop-Prüfung als Browser-PlugIn anbieten, welches direkt die "Ampel" anzeigt, wenn eine URI angegeben wird. Entsprechende Lösungen gibt es auch von anderer Stelle, MyWOT zum Beispiel - wobei das auch nicht unfehlbar ist. Gute Internet Security Suiten wie Bitdefender bieten sowas allerdings auch.

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