Die KI-Agenten kommen: Wenn KI nicht mehr nur redet, sondern handelt

03:46 Min. Verfügbar bis 27.02.2028 Von Jörg Schieb, Jörg Schieb

KI-Agenten: Was es heißt, wenn KI nicht mehr nur redet, sondern handelt

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Bisher beantwortet KI Fragen oder erstellt Texte, Bilder oder Videos. Doch KI-Agenten sollen zunehmend auch Aufgaben übernehmen. WDR-Digitalexperte Jörg Schieb erklärt, was auf uns zukommt, was sich dadurch verändert - und ob ihr das auch mal ausprobieren solltet.

Von Jörg Schieb, WDR-Digitalexperte.Jörg Schieb

ChatGPT, Gemini, Claude - die meisten kennen KI bisher so: Man tippt eine Frage ein, bekommt eine mehr oder weniger zuverlässige Antwort. Wie zutreffend oder ausführlich, hängt auch von der Art und Weise ab, wie man fragt - oder in der Profi-Sprache: Wie man die Prompts schreibt.

KI-Agenten können eigenständig agieren

Bisher hat KI vor allem geantwortet oder auf Wunsch Inhalte erstellt. Jetzt lernt sie zunehmend, eigenständig zu handeln. Sie wird so zum Assistenten: Sogenannte KI-Agenten können selbständig Flüge buchen, Formulare ausfüllen, E-Mails schreiben (oder beantworten), Preise vergleichen - alles im Auftrag des Besitzers. Eine Zukunft, in die gerade alle großen Tech-Konzerne Milliarden investieren.

Ein KI-Agent kann zum Beispiel im Internet nach dem günstigsten Flug suchen, ihn (nach Nachfrage) buchen und den Platz am Fenster reservieren, die Bestätigung per E-Mail weiterleiten und den Termin im Kalender eintragen. Alles automatisch. Oder er recherchiert in Datenbanken, Bibliotheken, Büchern und Doktorarbeiten nach einem komplexen Thema, ordnet alles und erstellt eigenständig Texte, Tabellen und Grafiken.

Der Unterschied zum Chatbot: Der Chatbot ist eher ein Berater, der Fragen beantwortet, Tipps gibt oder Texte erstellt. Der Agent ist ein vollwertiger Assistent, der eine anspruchsvolle Aufgabe oder Arbeit tatsächlich erledigt.

Alle KI-Konzerne entwickeln derzeit an Agenten

Dass das längst keine Zukunftsmusik ist, zeigt ein Blick auf die Nachrichtenlage der vergangenen Tage. Praktisch gleichzeitig haben die größten KI-Unternehmen massiv aufgerüstet.

Anthropic, das Unternehmen hinter dem KI-Bot "Claude", hat am 24. Februar ein umfassendes Agenten-Programm für Unternehmen gestartet: mit Plug-ins, also Erweiterungen, die eigenständig Finanzanalysen erstellen, Verträge prüfen oder Bewerbungsprozesse organisieren.

Perplexity hat mit "Perplexity Computer" ebenfalls einen KI-Agenten an den Start gebracht, der komplexe digitale Arbeitsabläufe autonom organisieren und ausführen soll. Das System agiert dabei laut Anbieter wie ein Mitarbeiter, der herkömmliche Benutzeroberflächen bedienen kann. Selbst komplexe Workflows sollen kein Problem sein, ebenso Aufgaben, die sich über Stunden, Tage oder sogar Monate erstrecken.

Perplexity kann sogar einen vollständigen Rechner steuern und bedienen

Perplexity kann sogar einen vollständigen Rechner steuern und bedienen.

Milliarden-Wettrennen um die KI, die handelt

In diese Richtung entwickeln alle KI-Konzerne gerade. ChatGPT-Anbieter OpenAI hat Mitte Februar den österreichischen Entwickler Peter Steinberger eingestellt - den Erfinder von "OpenClaw", einem KI-Agenten, der innerhalb weniger Wochen viral ging. OpenClaw ist in der Lage, auf dem eigenen PC viele übliche Aufgaben selbständig zu erledigen - Kalender verwalten, Flüge buchen, E-Mails sortieren.

ChatGPT kann komplexe Aufgaben lösen und Abläufe befolgen

ChatGPT kann komplexe Aufgaben lösen und Abläufe befolgen

Und auch Meta entwickelt eigene KI-Agenten. Mark Zuckerbergs Konzern hat Ende 2025 das Startup Manus gekauft - und damit einen der am weitesten entwickelten KI-Agenten weltweit. Manus kann eigenständig recherchieren, Daten auswerten und mehrstufige Aufgaben abarbeiten.

Meta will die Technologie in WhatsApp, Instagram und Facebook integrieren (und hat das teilweise auch bereit getan).

Kann ich mir jetzt einen persönlichen Assistenten klarmachen?

Einige Agenten kann man heute bereits ausprobieren. OpenAIs ChatGPT Agent lässt sich direkt in ChatGPT nutzen: Man wählt den "Agent Mode", beschreibt eine Aufgabe, und die KI öffnet einen Browser, um sie zu erledigen.

Manus (jetzt Teil von Meta) kann über manus.im komplexe Aufgaben bewältigen, etwa eine Marktanalyse erstellen oder eine Präsentation bauen. Schwerpunkt ist hier das eigenständige Sammeln von Informationen und Erstellen von Inhalten. Manus unterteilt eine große Aufgabe in viele kleine und führt sie parallel aus.

Die KI-Agenten kommen: Wenn KI nicht mehr nur redet, sondern handelt

Manus ist einer der leistungsfähigsten Agenten: Er kann komplexe Aufgaben bewältigen

KI-Agenten sind praktisch, bergen aber Risiken

Allerdings: Blind vertrauen sollte man den Agenten noch nicht. Für überschaubare Aufgaben wie Recherche oder Preisvergleiche funktioniert die Technik gut. Bei längeren Aufgaben passieren noch Fehler - die KI verliert den Faden, klickt daneben oder vergisst Zwischenschritte. Kein Agent sollte ohne Aufsicht sensible Dinge erledigen: Geldüberweisungen, Vertragsabschlüsse oder Zugriff auf persönliche Konten sollten tabu sein, auch wenn die Tools das theoretisch bereits beherrschen.

Für Technik-Neugierige ist jetzt ein guter Einstiegszeitpunkt. Wer lieber abwartet, verpasst aber nichts Entscheidendes - die Technik wird in den nächsten Monaten deutlich einfacher. Steinberger selbst hat angekündigt, einen Agenten bauen zu wollen, "den sogar meine Mama benutzen kann".

KI-Agenten aus Europa? Leider Fehlanzeige

Aktuell dominieren US-Unternehmen das Feld klar. Mit Ausnahme von Manus, das in Singapur entwickelt wurde, nun aber von Meta gekauft wurde.

OpenAI, Anthropic, Google, Meta - die Agenten-Revolution kommt fast ausschließlich aus dem Silicon Valley. Peter Steinberger war als Österreicher eine der wenigen europäischen Ausnahmen - aber auch er arbeitet jetzt für OpenAI in San Francisco.

Aus Deutschland gibt es bisher keine vergleichbaren Agenten-Projekte für Verbraucher. Wer heute einen smarten Assistenten will, kommt an US-Anbietern nicht vorbei - mit allen Fragen rund um Datenschutz und Abhängigkeit, die das mit sich bringt.

Viele offene Fragen

Die KI-Branche erlebt gerade einen Paradigmenwechsel. Nach Jahren als besserer Textgenerator wird KI zum digitalen Assistenten, der eigenständig handelt. Das verspricht enorme Zeitersparnis - wirft aber auch neue Fragen auf: Wem vertraue ich meine Daten an? Wer haftet, wenn der Agent einen Fehler macht? Und was passiert mit Jobs, die bisher genau aus solchen Aufgaben bestanden?

Sicher ist: Die Agenten kommen - und sie werden schneller Alltag, als viele denken.

Unsere Quellen:

  • Veröffentlichungen von OpenAI
  • Veröffentlichungen von Perplexity
  • Veröffentlichungen von Anthropic

Sendung: WDR.de, "KI-Agenten übernehmen zunehmend komplexe Aufgaben völlig selbständig", 28.02.2026, 05.58 Uhr

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