Reaktionen der iranischen Community in NRW

Aktuelle Stunde 28.02.2026 33:18 Min. UT Verfügbar bis 28.02.2028 WDR Von Alexa Schulz

Eskalation in Nahost: Exil-Iraner hoffen und bangen

Stand:

Mit heftigen Attacken haben Israel und die USA unter Trump den Iran angegriffen. Exil-Iraner in Deutschland hoffen und bangen.

Die Islamische Republik reagierte auf die Bombardierung ihrer Städte mit Gegenangriffen auf Israel und US-Militärstützpunkte in mehreren Golfstaaten. Israel hatte am Samstagmorgen den Beginn eines "Präventivschlags" verkündet. US-Präsident Donald Trump bestätigte kurz darauf in einer Videobotschaft auch die Beteiligung des US-Militärs an den Angriffen. Diese zielten darauf ab, die militärische Schlagkraft des Landes zu vernichten und den Iran an der Entwicklung einer Atomwaffe zu hindern. US-Präsident Trump rief die Iraner auf, die Führung des Landes in die Hand zu nehmen. "Wenn wir fertig sind, übernehmt eure Regierung."

Walter Posch im Interview

Walter Posch

Ob tatsächlich ein Regimewechsel in Teheran das zentrale Ziel der Angriffe ist, sei völlig offen, erklärte am Samstag Walter Posch, Nahostexperte am Institut für Friedenssicherung und Konfliktmanagement in Wien, dem WDR. "Geht es um einen Regime-Change? Geht es darum, die Iraner einseitig zu entwaffnen? Will man eine Aufstandsbewegung entfachen? Das ist alles möglich." Möglicherweise könnten die Angriffe auch separatistischen Kräften aus den Nachbarländern den Weg bereiten, im Iran aktiv zu werden, so Walter.

Umfrage unter Deutsch-Iranern: Chance auf Frieden?

In der iranischen Diaspora herrscht offenbar die Meinung, dass der neue Angriff auf den Iran endlich wieder Hoffnung gibt: auf ein Ende der Unterdrückung, auf ein Ende des islamischen Gottesstaats. Bei einer WDR-Umfrage am Samstag in einem iranischen Lebensmittelgeschäft in Düsseldorf wurde aber auch klar, wie groß die Angst in der Community ist.

"Einerseits freuen wir uns", sagte eine junge Frau dem WDR-Reporter, "vielleicht ist das Chance, endlich Frieden in unserem Land zu haben. Andererseits sorgen wir uns natürlich um unsere Familien". Zustimmung kommt von einem anderen Kunden: "Ohne die Unterstützung der USA und Israel können wir das nicht schaffen."

Iranische Demonstranten in Düsseldorf

Protest in Düsseldorf

In mehreren NRW-Städten trafen sich am Samstag Exil-Iraner zu schnell organisierten Demonstrationen und Kundgebungen, zum Beispiel in Düsseldorf und Dortmund. Auch dort forderten die Menschen einen Regimewechsel - und nicht ein Ende der Angriffe.

Eine junge Frau im Interview

Daniela Sepheri

Auch die Deutsch-Iranerin Daniela Sepehri ist hin- und hergerissen zwischen Hoffnung und Angst, erklärte sie am Samstag im WDR-Gespräch. Nach der blutigen Niederschlagung der Protestbewegung mit Zehntausenden Toten seien viele ihrer Landsleute nun erneut in Lebensgefahr. "Die Menschen sind den Bomben schutzlos ausgeliefert. Es gibt keine Schutzbunker, keine Warnsignale, keine Evakuierungsmaßnahmen." Sie mache sich auch große Sorgen um die politischen Gefangenen, sagt sie. Diese seien den Bomben noch hilfloser ausgeliefert als die normale Bevölkerung.

Journalistin Soufiani: Auch Freude im Iran über Angriffe

Zwar könne man von den Ansichten der Iraner im Ausland nicht unmittelbar Rückschlüsse auf die Stimmung im Land ziehen, meint WDR-Journalistin Parniean Soufiani vom Podcast "Iran im Herzen". Doch es gebe auch aktuelle Bilder aus dem Iran, auf denen sich Menschen ganz offensichtlich über die Angriffe freuen - trotz berechtigter Sorgen um die Angehörigen und das eigene Leben. "Sie sagen sich: 'Wir haben es in den vergangenen Jahren mit friedlichem Protest nicht geschafft, diese islamische Regierung zu stürzen. Vielleicht treffen diese Angriffe von außen das Regime jetzt so hart, dass es wieder Hoffnung gibt.'"

Parniean Soufiani

Parniean Soufiani

Abgesehen von den geschätzten 20 Prozent der Bevölkerung, die von den derzeitigen Machtverhältnissen profitieren, habe die Unterstützung der islamischen Republik in den vergangenen Jahren immer weiter abgenommen, so Soufiani. "Das sieht man auch daran, dass immer mehr Moscheen leer bleiben. Viele Menschen haben sich sogar vom Islam abgekehrt." Opposition müsse aber nicht einmal ideologisch begründet sein: "Es fehlt einfach an allem, insbesondere an Lebensmitteln, Strom und Wasser."

Chance für den Weltfrieden?

Die Warnung der iranischen Machthaber, ein Regimewechsel würde unweigerlich zu einem blutigen Bürgerkrieg führen, sei eine Schutzbehauptung, meint Soufiani. "Die Gefahr eines Bürgerkriegs sehe ich nicht." Stattdessen gebe es Chancen für eine echte Verbesserung der geopolitischen Lage durch einen befreiten Iran. "Was könnte das Ende dieser Schreckensherrschaft alles bewirken? Nicht nur im Nahen Osten, wo der Iran seit Jahrzehnten ein destabilisierendes Element darstellt, auch weltweit?" Dafür lohne es sich, zu streiten.

Angriff auf den Iran

WDR Studios NRW 28.02.2026 01:30 Min. Verfügbar bis 28.02.2028 WDR Online


Unsere Quellen:

  • Deutsche Presse Agentur
  • WDR-Interviews mit Walter Posch, Daniela Sepheri und Parniean Soufiani
  • Umfrage in einem iranischen Lebensmittelgeschäft in Düsseldorf

Sendung: WDR-Fernsehen, Aktuelle Stunde, 28.02.2026, 18.45 Uhr

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