Eskalation in Nahost: Irans Führer bei Angriffen getötet

Stand:

Bei Militärschlägen der USA und Israels ist Irans oberster Führer Ajatollah Ali Chamenei getötet worden. Der Iran reagierte mit Gegenschlägen.

Die iranischen Staatsmedien haben den Tod des obersten Führers Ajatollah Ali Chamenei bestätigt. Den Tod des 86-Jährigen meldeten das Staatsfernsehen und die staatliche Nachrichtenagentur Irna am frühen Sonntagmorgen. Die Todesursache nannten sie nicht. Zuvor hatte US-Präsident Donald Trump auf seiner Plattform Truth Social verkündet, dass Chamenei bei den amerikanisch-israelischen Angriffen auf den Iran getötet worden sei.

Übereinstimmenden Medienberichten zufolge sind auch mehrere Angehörige Chameneis sowie drei weitere prominente Köpfe der iranischen Führung getötet worden: der Kommandeur der Revolutionsgarden, Pakpur, Generalstabschef Mussawi und der Vorsitzende des nationalen Verteidigungsrats, Schamchani.

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Im Folgenden könnt ihr nachlesen, was am Samstag, den 28.02.2026, alles passiert ist.

Rauchsäulen und Panik in Teheran

Ein ARD-Korrespondent in Istanbul zitierte Berichte aus Irans Hauptstadt Teheran. Dort habe es mehrere Einschläge gegeben, unter anderem seien der Präsidentenpalast und Ministerien getroffen worden. Ein vom iranischen Nachrichtenkanal Sabrin-News veröffentlichtes Satellitenfoto zeigte das vollständig zerstörte Areal des als "Beyt" bekannten Hochsicherheitsbereichs in Teheran.

Überfüllte Straßen in Teheran nach dem israelischen Angriff

Wegen der Angriffe der USA und Israel versuchen Bewohner Teherans die Hauptstadt zu verlassen

Die Menschen in Teheran seien in Panik, so der ARD-Korrespondent. Eltern hätten ihre Kinder am Morgen aus dem Kindergarten abgeholt. An den Tankstellen gebe es lange Schlangen. Menschen versuchten, aus der Stadt zu flüchten. Die Behörden des Landes riefen per SMS dazu auf, die Hauptstadt zu verlassen und haben eine Autobahn in Teheran zu einer Einbahn gemacht.

Nach einem israelischen Angriff auf eine Mädchenschule im Süden des Iran sollen mindestens 85 Menschen nach Angaben des Gouverneurs getötet worden sein. Nach Medienberichten waren 90 Schülerinnen bei dem Angriff auf die Grundschule in der Provinz Hormosgan nahe der Küste der strategisch wichtigen Straße von Hormus verletzt worden.

Derweil ist das Internet im Iran fast vollständig ausgeschaltet. Die Aktivität sei auf nur noch vier Prozent des sonst üblichen Niveaus gefallen, schreibt der Beobachtungsdienst Netblocks auf X.

Iran startet Gegenangriffe auf Israel

Der iranische Außenminister Abbas Araghtschi räumte den Verlust von "einem oder zwei Kommandeuren" ein. Fast alle Regierungsvertreter seien jedoch in Sicherheit. Umgekehrt habe der Iran eine neue Raketenwelle auf Israel abgefeuert, heißt es vonseiten des israelischen Militärs.

Zwei Frauen stehen in einem Schutzraum in Haifa und schützen sich vor Gegenangriffen des Irans

Menschen stehen in einem Schutzraum im israelischen Haifa

Im Norden Israels waren schon am Morgen Explosionen zu hören gewesen, wie Bewohner berichteten. Iranische Geschosse würden mit dem Raketenabwehrsystem abgefangen, so das Militär. In Israel wurde Luftalarm ausgelöst, um die Bevölkerung vor einem möglichen Gegenschlag zu warnen. Es gebe etwa jede halbe Stunde Luftalarm.

Israel beruft 70.000 Reservisten ein

Israel will für den neuen Krieg mit dem Iran rund 70.000 Reservisten einberufen. Ein israelischer Militärvertreter sagte, die meisten gehörten zur Luftverteidigung und zum Heimatschutzkommando. "Es wird aber auch eine starke Präsenz an unseren Grenzen geben", sagte er Journalisten.

Die iranischen Revolutionsgarden teilten laut staatlicher iranischer Nachrichtenagentur Irna mit, dass die Angriffe auf Israel eine "Antwort auf die Aggression des feindlichen und verbrecherischen Gegners" seien.

Explosionen und Sirenen in Nachbarländern des Iran

Auch den wichtigen US-Verbündeten Katar griff der Iran offenbar mehrmals an. Man habe eine "dritte Angriffswelle" erfolgreich abgewehrt, teilte das katarische Verteidigungsministerium mit. Am US-Stützpunkt al-Udaid, der wichtigsten Basis des US-Militärs im Nahen Osten, war Anwohnern zufolge Luftalarm zu hören. Laut einer ersten Einschätzung des katarischen Innenministeriums gebe es aber keine Opfer und größere Schäden.

Auch aus Abu Dhabi, der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate, wurden laute Geräusche gemeldet. Eine Explosion soll es zudem auf der bekannten künstlichen Insel "The Palm" in Dubai gegeben haben, berichten Augenzeugen.

In Kuwait waren Sirenen ‌zu hören. Bahrain und Saudi-Arabien bestätigten staatlichen Nachrichtenagenturen zufolge, Ziel von Angriffen gewesen zu sein. Nach Berichten der Nachrichtenagentur AFP soll ein US-Stützpunkt in Bahrain bei einem Raketenangriff getroffen worden sein. Unklar ist, ob es sich dabei auch um einen Gegenangriff des Iran handelt.

Bei einem Luftangriff auf einen Stützpunkt des irakischen Militärs kam ein Mensch ums Leben, sagte ein Stützpunktsprecher. In der syrischen Stadt Suwaida sind durch Trümmerteile einer mutmaßlich iranischen Rakete laut Menschenrechtsaktivisten mindestens fünf Menschen getötet worden, darunter ein Kind.

Trump ruft Iraner zu Regierungs-Sturz auf

Auf der Plattform Truth Social veröffentlicht Donald Trump ein Statement zum Angriff auf den Iran

Donald Trump in einem Video-Statement zum Iran

US-Präsident Donald Trump forderte in einem Video das iranische Volk auf, die Regierung in Teheran zu stürzen, sobald die Militäraktion abgeschlossen sei. "Dies ist wahrscheinlich die einzige Chance in Generationen", sagte Trump weiter. Irans Regierung kündigte an, "brutal und heftig zurückzuschlagen".

Noch am Freitag hatte US-Präsident Trump gesagt, er sei unzufrieden über den bisherigen Verlauf der Atom-Verhandlungen mit dem Iran. Der Vermittlerstaat Oman sah dagegen einen Deal in greifbarer Nähe.

Erklärung von Deutschland, Frankreich und Großbritannien

Deutschland, Frankreich und Großbritannien haben in einer gemeinsamen Erklärung die jüngsten iranischen Angriffe auf Staaten in der Region scharf verurteilt. Die drei Regierungen fordern Teheran auf, sofort von willkürlichen militärischen Aktionen abzusehen und umgehend zu diplomatischen Gesprächen zurückzukehren, heißt es in der gemeinsamen Erklärung von Präsident Emmanuel Macron, Bundeskanzler Friedrich Merz und Premierminister Keir Starmer.

Kanzler Merz habe zudem mit Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu telefoniert, erklärte ein Sprecher. Frankreichs Präsident Macron forderte angesichts der Angriffe auf den Iran eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats - dieser kommt am Abend nun zusammen.

Ein Schriftzug und der Bundesadler am Auswärtigen Amt in Berlin

Der Krisenstab kommt im Auswärtigen Amt in Berlin zusammen

Ein Sprecher des Auswärtigen Amts teilte derweil mit, Diplomaten stünden mit den deutschen Botschaften in Iran, Israel und anderen Ländern der Region in Kontakt. Die deutsche Botschaft in Tel Aviv forderte deutsche Staatsbürger in Israel auf, sich dringend an die Anweisungen der Sicherheitsbehörden zu halten. "Bleiben Sie vor allem nah an geeigneten Schutzräumen", schreibt der deutsche Botschafter Steffen Seibert auf X.

Für Bahrain, Irak, Israel, Jordanien, Katar, Kuwait, Libanon, Oman, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabische Emirate sprach das Auswärtige Amt eine Reisewarnung aus - die höchste Warnstufe.

EU verweist auf Achtung des Völkerrechts

Vonseiten der EU kamen Aufrufe nach maximaler Zurückhaltung aller Beteiligten, heißt es in einem gemeinsamen Statement von Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyern und Ratspräsident Antonio Costa. Beide wiesen auf den Schutz von Zivilisten und die Achtung des Völkerrechts hin. Auch Spaniens Ministerpräsident Pedro Sanchez und Norwegens Außenminister Espen Barth Eide verwiesen auf das Völkerrecht.

UN-Generalsekretär António Guterres verurteilte die militärische Eskalation im Nahen Osten. Auch UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk beklagte die Militärschläge Israels und der USA sowie die iranischen Gegenangriffe. Bomben und Raketen seien nicht der Weg, um Konflikte beizulegen. "Wie immer in einem bewaffneten Konflikt sind es die Zivilisten, die letztlich den höchsten Preis zahlen", sagte Türk.

Auswirkungen auf Flugverkehr und Öltransporte im Nahen Osten

Die EU-Flugsicherheitsbehörde EASA empfiehlt Fluggesellschaften, den Luftraum über der Konfliktregion im Nahen Osten in allen Höhenlagen zu meiden. Es bestehe ein hohes Risiko für die zivile Luftfahrt, teilt die Behörde in einem Sicherheitshinweis mit. Im gesamten betroffenen Luftraum bestehe die Gefahr einer Ausweitung der Kämpfe, von Fehlidentifikationen oder Fehleinschätzungen.

Karte von flightradar24.com zeigt Flugverkehr nach Angriff auf Iran: Flugzeuge umfliegen Iran. Stand: 28.02.2026, 11:15 Uhr

Flugzeuge umfliegen den Iran und den Irak

Eine Karte des Tracking-Dienstes Flightradar24 zeigt, dass der iranische Luftraum schon am Vormittag leer war. Auch über dem Irak, dessen Luftraum geschlossen wurde, findet kein ziviler Luftverkehr statt. Nach den Angriffen am Morgen teilte die Lufthansa mit, alle Flüge zu mehreren Zielen im Nahen Osten zu streichen. Der Flugverkehr von und nach Dubai werde am Samstag und Sonntag unterbrochen, sagt ein Sprecher. Die Verbindungen von ‌und nach Tel Aviv, Beirut und dem Oman würden bis zum 7. März gestrichen.

Auch andere Airlines streichen Flüge im Nahen Osten oder leiten sie um - darunter Air France und KLM, Iberia sowie Wizz Air. Zudem meldeten auch Qatar Airways, Oman Air, flydubai und Virgin Atlantic Einschränkungen.

Einige große Ölkonzerne und Handelshäuser setzen wegen des Angriffs auf den Iran ihre Öl- und Treibstofflieferungen durch die Straße von Hormus aus. Einem Vertreter der EU-Marinemission Aspides zufolge verbieten die iranischen Revolutionsgarden Schiffen die Durchfahrt durch die für den Welthandel wichtige Meerenge.

Israel und USA greifen mehrere Ziele im Iran an

WDR Studios NRW 28.02.2026 01:41 Min. Verfügbar bis 28.02.2028 WDR Online


Unsere Quellen:

  • Nachrichtenagenturen dpa, Reuters, AFP, AP
  • ARD-Studio Istanbul
  • Flightradar24.com

Sendung: WDR 2, WDR aktuell, 28.02.2026, 12:30 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 01.03.2026, 18:45 Uhr

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