Immer teurere Mieten für Studierende | Aktuelle Stunde
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Raus aus dem Hörsaal - ran an die Werkbank! | MEINUNG
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Zu viele junge Menschen wollen studieren. Die gute duale Ausbildung braucht wieder ein besseres Image. Das hilft dann auch gegen den Fachkräftemangel und die Wohnungsnot in Großstädten.
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Zu den Kommentaren [56]Zehn Quadratmeter, 609 Euro, WG-Zimmer in Düsseldorf. "Möbliert" steht in der Anzeige. Auf dem Foto ist ein 90-Zentimeterbett und ein Putzeimer als Abfallkorb zu sehen. Und trotzdem wird dieses unverschämte Angebot wahrscheinlich einen verzweifelten Studierenden anlocken.
Die Hochschulstädte in NRW platzen gerade mal wieder aus allen Nähten. Obwohl die Einführungsvorlesungen in den rappelvollen Hörsälen schon in einigen Tagen beginnen, haben viele Erstsemester noch kein Zimmer oder eine Wohnung gefunden. Wohnheimplätze gibt es viel zu wenige - Tausende stehen auf den Wartelisten. Auch wenn neue Wohnheime wie in Bonn in Planung sind, wird die Lage angespannt bleiben.
Was hilft gegen Wohnungsnot?
Klar, insgesamt mehr bauen in Hochschulstädten. Günstige Wohnungen am besten. Studierende könnten auch überlegen, bei den Eltern wohnen zu bleiben und zur Vorlesung zu pendeln, wenn es irgendwie geht. Oder man entscheidet sich vielleicht nicht für die hippeste Uni-Stadt, sondern die, wo noch Wohnraum verfügbar ist.
Aber ganz ehrlich, das wird nicht die Lösung sein. Deswegen würde ich vorschlagen: Lasst uns das Thema doch mal vom anderen Ende her denken. Haben wir vielleicht einfach zu viele Studierende?
Studium statt Ausbildung - muss das sein?
Die Zahl an Studierenden in NRW und ganz Deutschland ist auf einem dauerhaft hohen Niveau. Fast 57 Prozent aller Jugendlichen aus einem Geburtenjahrgang gehen nach dem Schulabschluss an eine Hochschule. Ich stelle mir da die Frage: Ist das sinnvoll? Brauchen wir nicht einfach gut ausgebildete junge Menschen, egal über welchen Weg?
Lange Zeit hatten wir in Deutschland etwa gleich viele Studierende und Auszubildende. Seit zehn Jahren aber geht die Schere auseinander - mittlerweile haben wir mehr als doppelt so viele junge Menschen im Hörsaal wie an der sprichwörtlichen Werkbank. Im ARD-Format "mitreden" wurde darüber auch mit der Community diskutiert:
Gerade mit Blick auf den Fachkräftemangel ist das doch fatal. Fachkräfte heißt: gut ausgebildete Menschen mit Praxiserfahrung. Diese Lücke werden wir nicht mit Uni-Abgängern füllen können, die zwar in der Theorie viel gelernt haben, aber noch gar keine Erfahrungen im Job sammeln konnten.
Ich halte es für eine falsche Entwicklung, dass für immer mehr Berufe ein Studium angestrebt wird. Nehmen wir Erzieherinnen und Krankenpfleger. Natürlich sind das Jobs mit verdammt viel Verantwortung. Und natürlich brauchen sie pädagogisches und medizinisches Fachwissen. Aber muss es tatsächlich ein Bachelorstudium sein?
Studierte schließen nicht die Fachkräftelücke
Zum Beispiel ist der Bedarf an Erzieherinnen und Erziehern in Kitas riesig. Wenn aber jemand ein Studium der Kindheitspädagogik hinter sich hat, sind die Erwartungen an den Job und die Bezahlung andere. Einer Befragung zufolge strebt nur die Hälfte der Studierenden tatsächlich eine Tätigkeit in einer Kita an. Sie wollen eher in Leitungsfunktionen, in andere herausfordernde Bereiche. Das ist ja auch nachvollziehbar. Aber damit ist dem überlasteten System der Kindertagesbetreuung nicht geholfen.
Wir haben in Deutschland ein hervorragendes duales Ausbildungssystem, das auch vielen anderen Ländern als Vorbild dient: Praxis im Betrieb und gleichzeitig schulische Weiterbildung. Der Weg muss hier nicht über ein Studium zum Erfolg führen.
Offensichtlich haben wir gerade trotzdem große Probleme, unbesetzte Ausbildungsplätze und junge Menschen zusammenzubringen. Es matcht oft nicht. Das liegt meiner Meinung nach auch daran, dass die Berufsorientierung an Schulen oft schlecht läuft.
Berufsorientierung an der Schule: Fail!
Viele Schülerinnen und Schüler haben anscheinend eine total verengte Vorstellung davon, wohin die berufliche Reise gehen könnte, zeigt eine Sonderauswertung der PISA-Studie: Influencer, Leistungssportler, Ärztin, Lehrer. Aber dann hörts auch schon auf. Ausbildungsberufe wie Heizungstechniker, Optiker, E-Commerce-Kauffrau hat keiner auf dem Schirm. Obwohl es Bedarf und gute Bezahlung gibt.
Die PISA-Studie sagt, das liege auch daran, dass weniger als die Hälfte der 15-Jährigen schon einmal Kontakt zu einem Arbeitgeber gehabt hat - während eines Praktikums oder im Aushilfsjob. Wie könnte das besser gehen? Wie gehen andere Länder da ran? In Finnland zum Beispiel startet Berufsorientierung bereits in der Grundschule. Oder aus US-Serien kennen viele vielleicht den Career Day. Eltern gehen für einen Tag an die Schule ihrer Kinder und erzählen vor der Klasse von ihrem Job. Warum nicht auch hier?
Sicherlich wäre es wünschenswert, dass es da eine gewisse soziale Durchmischung gibt und am Gymnasium in Münster nicht alle Eltern vom Anwaltsberuf erzählen. Aber an sich: Coole Sache! Und auch Unternehmen aus Branchen mit Fachkräftemangel könnten Job-Botschafter in die Schulen schicken. Je mehr Berührungspunkte junge Menschen mit unterschiedlichen Berufs- und Karrierewegen haben, desto besser.
Karriere und Kohle gibt’s auch mit einer Ausbildung
Wer mit Abitur die Schule verlässt, geht dann zum Beispiel erst einmal BWL studieren. Denn damit lässt sich ja fast alles machen, so der Gedanke. Das verlagert aber nur das Problem. Eine Studierendenbefragung des Bildungsministeriums 2021 zeigte, dass noch während des Studiums viele keine klare Vorstellung von ihrer beruflichen Zukunft haben. Auch ein Grund, warum die Abbrecherquote von 25 bis 30 Prozent unter deutschen Studierenden so hoch ist.
Es ist auch immer noch das Image von Lehre und Ausbildung: geringere Bezahlung, schlechtere Aufstiegsmöglichkeiten. Jeder zweite Jugendliche hat den Eindruck, dass es in der Gesellschaft zu wenig Wertschätzung für die duale Ausbildung gibt. Dabei muss doch nach den drei Jahren mit dem Lernen und Qualifizieren nicht Schluss sein. Wer in einem Unternehmen dann auch Führungsverantwortung übernehmen will, macht halt noch eine Zusatzqualifikation. Für kleinere Management-Aufgaben braucht keiner ein ganzes BWL-Studium.
In Rheinland-Pfalz hat die Industrie- und Handelskammer mit diesem Argument ordentlich die Werbetrommel für Ausbildungen gerührt. Dort haben sie jungen Menschen vermittelt: Eine Ausbildung mit anschließender Weiterqualifizierung ist genauso viel Wert wie ein Studienabschluss - und bringt oft auch das gleiche Gehalt. Das hat offenbar gezogen. Seit drei Jahren gibt es in Rheinland-Pfalz wieder mehr Auszubildende als Erstsemester.
Vorteile vom Dualen Studium: Mehr Praxis und weniger Wohnungsstress
Und noch eine Alternative zum klassischen Studium ist aus meiner Sicht viel zu wenig verbreitet: Das duale Studium. In einem Unternehmen arbeiten und gleichzeitig an der Hochschule lernen. Das bringt den Praxisbezug, den Unternehmen sonst oft bei Studierenden vermissen. Und es hat noch einen Vorteil: Dual Studierende wohnen auch eher in der Nähe des Betriebes, oft im Ländlichen. Sie pendeln dann zu den Vorlesungsblöcken oder belegen Kurse sogar komplett online.
Damit wären wir dann auch wieder bei unserem Ausgangspunkt: Die Hochschul-Standorte wären nicht mehr so überlaufen, wenn sich mehr junge Menschen für eine Ausbildung oder ein duales Studium entscheiden würden.
Wann ist ein Studium sinnvoll und wann sollten wir eine Ausbildung bevorzugen? Ein Lösungsansatz, um das Wohnungsproblem etwas zu mindern? Lasst uns darüber diskutieren. In den Kommentaren auf WDR.de oder auf Social Media.
56 Kommentare
Kommentar 56: 09.10.2025, 19:18 Uhr :
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Kommentar 55: 09.10.2025, 19:03 Uhr :
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Kommentar 54: 09.10.2025, 18:45 Uhr :
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Kommentar 53: 09.10.2025, 15:23 Uhr :
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Kommentar 52: Stoppt den WDR-Tratsch ! schreibt am 09.10.2025, 12:37 Uhr :
Stoppt die weltteurste WDR-Verblödung !
Kommentar 51: Trump rette uns vom WDR ! schreibt am 09.10.2025, 12:31 Uhr :
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Kommentar 50: Chasst Zensurcaro ! schreibt am 09.10.2025, 10:43 Uhr :
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Kommentar 49: Stoppt den Kuliwahn-D schreibt am 09.10.2025, 08:57 Uhr :
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Kommentar 48: Killt die linke Mafia ! schreibt am 09.10.2025, 07:10 Uhr :
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Kommentar 47: Killt die GEZ-Vampire schreibt am 09.10.2025, 06:00 Uhr :
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Kommentar 46: Absolvent 1995 schreibt am 07.10.2025, 15:39 Uhr :
Studium lohnt sich immer. Hatte 1999 einem Kollegen mit Ausbildung aber ohne Frau es nachzuholen. Wollte erst nicht, da er ja schon "gut" verdienen würde. Als ich Ihn später mal traf war er sehr dankbar für meine drastischen Worte doch zu studieren.