Kassenleistung: Raucher-Vorsorge ja, aber Hautkrebs-Screening nicht?
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Krankenkassen brauchen dringend Geld, dafür sollen Leistungen gestrichen werden wie das Hautkrebsscreening. Das erzeugt Unmut, denn gleichzeitig sollen starke Raucher jetzt neu eine Vorsorgeuntersuchung bezahlt bekommen.
Von
Oliver Scheel
Dialogbox
Zu den Kommentaren [50]Dass die Krankenkassen in den roten Zahlen stecken und dringend Geld brauchen, ist schon lange kein Geheimnis mehr. Im kommenden Jahr wird mit einem Defizit von 15 Milliarden Euro, bis 2030 sogar mit 40 Milliarden Euro gerechnet.
Damit die Kassenbeiträge nicht explodieren, hat die Bundesregierung eine Expertenkommission beauftragt, Sparmaßnahmen zu benennen. Diese Kommission machte nun 66 Reformvorschläge, von denen nach Vorstellung von Bundes-Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) "über drei Viertel" umgesetzt werden sollen.
Hautkrebs-Screening bald nur noch gegen eigene Bezahlung?
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU)
So steht das Hautkrebsscreening auf der Streichliste, es könnte bald nicht mehr von den Kassen bezahlt werden. Am Screening können seit 2008 gesetzlich Versicherte ab 35 alle zwei Jahre anlasslos teilnehmen, um Hautkrebs frühzeitig zu erkennen und Heilungschancen zu verbessern.
Eine Kassenleistung geht womöglich, eine andere, viel diskutierte, ist schon da: Denn zum 1. April ist eine Lungenkrebs-Früherkennung als neue Kassenleistung geschaffen worden. Aktive und ehemalige starke Raucher im Alter zwischen 50 und 75 Jahren können nun alle 12 Monate mittels Niedrigdosis-Computertomographie (NDCT) auf Veränderungen in der Lunge untersucht werden.
Beides erzeugte einen Aufschrei in der WDR-Community. Mehr als 1.000 Kommentare erreichten uns. Viele davon zielten auf die geplante Abschaffung der Kostenübernahme des Hautkrebs-Screenings:
Unfassbar! Hautkrebs-Screening streichen und für Raucher gebührenfrei Lunge überprüfen lassen. Hautkrebs kann man sich nicht „aussuchen“ - Raucher nehmen die Risiken selbst in Kauf! Userin Scarlett Hildebrand über die sozialen Netzwerke des WDR
Warum aber soll das Hautkrebsscreening aus der Liste der Kassenleistungen fallen? Laut Warkens "Finanzkommission Gesundheit" fehlt ein "Patientennutzen". Daher soll die "anlasslose Ganzkörperuntersuchung" nicht mehr Teil der Kassenleistung sein. Das Einsparpotenzial liege bei rund 240 Millionen Euro pro Jahr. Insgesamt will Warken aber schon im kommenden Jahr fast 20 Milliarden Euro einsparen und im Jahr 2030 bereits rund 43 Milliarden Euro.
Eine der häufigsten Krebsarten - Dermatologen entsetzt
Sind da die 240 Millionen Einsparungen nicht nur ein Tropfen auf den heißen Stein? Der Berufsverband der Deutsche Dermatologen (BVDD) ist über die Sparmaßnahme entsetzt. Hautkrebs sei die häufigste Krebsart in Deutschland, die Fälle hätten sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten gar verdoppelt.
Die häufigsten Krebsarten in Deutschland
Dass Hautkrebs eine der häufigsten Krebsarten in Deutschland ist, ist unbestritten. In Statistiken wie denen vom Robert Koch-Institut werden allerdings andere Erkrankungen wie Brust-, Prostata- oder Lungenkrebs häufiger genannt. Der sehr oft diagnostizierte nicht-melanotische Hautkrebs wird hier allerdings nicht mitgezählt. Er ist auch als heller oder weißer Hautkrebs bekannt. Laut RKI trägt er trotz seiner Häufigkeit nur sehr geringfügig zur Krebssterblichkeit bei und wird in vielen Krebsregistern nicht oder nur unvollständig erfasst.
"Wer angesichts der stark gestiegenen Hautkrebsinzidenzen das gesetzliche Hautkrebsscreening aussetzen will, spart am falschen Ende. Die Folgekosten zu später Diagnosen werden erheblich sein", sagt BVDD-Präsident Ralph von Kiedrowski. "Bei effektiver Früherkennung wird Hautkrebs in früheren Stadien erkannt und mit weniger Patientenbelastung und Kosten therapiert", heißt es zudem in einer Mail an den WDR.
Nutzen der Haut-Screenings wird bezweifelt
Aufklärung von Tumor-Metastasierung
Doch genau das zweifeln Experten an. Es gebe keine Evidenz für einen Nutzen des Screenings. Und Deutschland ist das einzige Land weltweit mit einem anlasslosen Hautkrebs-Screening. Zwar würden Melanome früher entdeckt, doch die Sterblichkeit sei nicht gesunken.
In Studien sei aber die Sterblichkeit durch die Vorsorgeuntersuchung bei Rauchern gesunken. "Lungenkrebs ist die tödlichste Krebserkrankung. Wer Lungenkrebs hat, hat eine sehr schlechte Prognose", sagt Sebastian Sohrab, Lungenfacharzt aus Duisburg im Gespräch mit dem WDR. "Wir suchen die Menschen nach Risiko aus, nicht nach Moral. Die Prävention richtet sich nicht nach Schuld oder Unschuld", erläutert er.
Die Lungen-Screenings hätten einen hohen Nutzen: "Lungenkrebs hat lange Zeit keine Symptome, daher sind die Screenings wichtig. Die Mortalität geht runter, daher machen wir das", so Sohrab, der auch im Dachverband der Pneumologen engagiert ist. Man habe hier eine Hochrisikogruppe ausgewählt. Jährlich erkranken ca. 57.000 Menschen in Deutschland an Lungenkrebs, etwa 45.000 sterben daran.
Auf einem Röntgenbild ist Lungenkrebs zu erkennen.
Die beste Prävention ist aber immer noch, das Rauchen gar nicht erst anzufangen, bzw. sofort damit aufzuhören: "Da kommen 4.000 Substanzen in deine Lunge, die da nichts zu suchen haben, davon sind etwa 100 nachgewiesenermaßen krebserregend", sagte Heinz-Wilhelm "Doc" Esser in seinem WDR-Podcast. Von der Politik müssten da Anreize kommen, "das ist viel wichtiger", so der Pneumologe.
Da hat die Bundesregierung nun auch reagiert. Die Tabaksteuer soll noch in diesem Jahr angehoben werden. Auch höhere Steuern auf Alkohol und eine Zuckersteuer stehen im Raum - alles im Rahmen der Gesundheitsprävention.
Dass die Milliarden durch die Qualmerei aber auch gut für den Staat sind, belegt folgende Zahl: Im Jahr 2024 nahm der Fiskus rund 15,6 Milliarden Euro durch die Tabaksteuer ein. Wer nun denkt, der Staat freue sich über jeden Raucher, der sollte auch diese Zahl kennen: Die Folgekosten des Rauchens liegen laut der aktuellen Ausgabe des "Tabakatlas des Deutschen Krebsforschungszentrums" derzeit bei 97,24 Milliarden Euro im Jahr!
Unsere Quellen
- Bundesgesundheitsministerium.de
- Gespräch mit Sebastian Sohrab, Lungenfacharzt aus Duisburg
- Gespräch mit dem Berufsverband der Deutschen Dermatologen
- WDR-Podcast Tief Luft holen! Wie die Lunge gesund bleibt mit dem Lungenfacharzt Doc Esser
- Deutsches Krebsforschungszentrum
- Agenturen dpa, Reuters, KNA
Sendung: WDR Hörfunk, Mittagsecho WDR5, 17.04.2026, 13:00 Uhr
50 Kommentare
Kommentar 50: Silke Grobhahn schreibt am 19.04.2026, 15:08 Uhr :
Auffällig viele Zuwanderer rauchen importierte oder geschmuggelte Kippen. Davon hat der Staat nichts. Dazu kommt das Problem mit der illegalen Zigarettenproduktion in heimlichen Hallen. Dazu kommt noch das Problem mit Cannabis und Wasserpfeife. Das wird noch teuer für uns. Das wird Obama-care Salto rückwärts.
Kommentar 49: Brigitta S. schreibt am 19.04.2026, 14:35 Uhr :
Die Krankenkasse weiß genau welche Vorsorgeuntersuchung wichtig ist. Hautkrebs kann man sich nicht aussuchen? Er lässt sich oft vermeiden, wenn man die Sonne halbnackt nicht zulange genießt und sich gut eincremt. Im Schatten bekommt die Haut auch eine braune Sommerfarbe, zuhause und im Urlaub. Ich sah schon viele deutsche Touristen in Afrika, total schwarz verbrannt. Sind die nicht selbst schuld? Bei Raucher sieht man es anders? Weiß jeder, dass „die Krankenkasse zum Bsp. einen Scheidenabstrich für Frauen ab 35 Jahren auch nur noch alle drei Jahre zahlt? Der Frauenarzt kann jedoch anraten, ob Abstriche trotzdem sinnvoll sind. Falls es keinen medizinischen Grund für diese Tests gibt, müssen Frauen die Kosten auch selbst tragen. Laut dkfz- Informationsdienst. . Falls Hautkrebsscreening wegfällt, von der KK nicht mehr bezahlt wird, warum regt man sich darüber auf? Weil man jetzt schön wieder auf Raucher losgehen kann? Sind alle anderen Menschen tadellos? Bin kein Raucher!
Kommentar 48: Anonym schreibt am 19.04.2026, 13:57 Uhr :
Raucher sind für den Staat die nützlichsten Melkkühe. Wer als Jugendlicher mit Rauchen anfängt, entwickelt sich nämlich sehr schnell zum Kettenraucher , kommt dann suchtbedingt nicht mehr davon los , füllt dann mit der dekadenlangen Zahlung der hohen Tabaksteuer die Staatskassen , verliert dadurch ein Vermögen , stirbt dann , früh, regelmäßig mit ca. 63 Jahren den qualvollen Krebstod, so daß der Staat auch keine Rente,Pension im Alter erbringen muß ! Wer will da noch über Raucher schimpfen ?
Antwort von Silke Grobhahn , geschrieben am 19.04.2026, 14:17 Uhr :
Haben sie den letzten Satz des Artikels nicht gelesen? Folgekosten durch Raucher: 97,24 Milliarden im Jahr.
Kommentar 47: Silke Grobhahn schreibt am 19.04.2026, 12:21 Uhr :
50.000 sind wieder im ersten Jahresviertel 2026 über das Asylsystem eingereist. Für Bürgergeldempfänger bekommen Kassen nur 144€. Und unsere Regierung wollte sich klammheimlich ein extra hohr Finanzdusche für Staatssekretäre, Minister, Kanzleramt geben. Und jetzt soll Hautkrebs zur Igelleistung werden? Und die brave Wählerschaft macht alles mit.
Antwort von @silke , geschrieben am 19.04.2026, 13:38 Uhr :
Die Deutschen sind nun mal die wahren Masochisten im gesamten Universum , die geradezu danach lechzen, in Lichterketten mit ,Kerzen in den Händen stehend , demonstrierend , sich vom Politestablishment zu weltweiten Melkkühen dressieren zu lassen, zum Vorteil Derjenigen weltweit , die bei ihm nur jammern, dicke Kullertränen ausdrücken und laut schreien ! Das ist nun mal das trostlose Michelschicksal in administrativ wummswummsverdummt - Deutschland ! Dafür nehmen die Deutschen sogar die erhebliche Gesundheitsgefährdung billigend in Kauf . Danke Deutschland ! Hoch lebe die Brandmauer !!! Über Spanien lacht die Sonne und über Kuli-Otto inzwischen die ganze Welt. Was ist los in D ?
Kommentar 46: Tomski schreibt am 19.04.2026, 12:15 Uhr :
Ich mag das wie die Norweger das machen... Die haben einfach mal ausgerechnet wieviel Kosten die Krankenkassen als Spätfolgen des Rauchens tragen müssen und danach die Tabaksteuer so festgesetzt dass Nichtraucher keine Raucher mehr über ihre Kassenbeiträge subventionieren müssen. Wenn es nun mal Dein Privatvergnüngen ist, dann trag die Kosten dafür auch selbst! Alle Einnahmen aus der Tabaksteuer dort fließen zu 100% in die Krankenkassen. Dann kostet eine Schachtel halt 17€ (Stand 2017, war länger nicht mehr dort). Geht in Deutschland nur leider nicht so einfach weil es im deutschen Steuerrecht ein Zweckbindungsverbot gibt, es muss erstmal alles in einen großen Topf landen und danach kann umverteilt werden.
Kommentar 45: Paul S. schreibt am 19.04.2026, 11:57 Uhr :
Ich bin Nichtraucher! Raucher im Freien anpöbeln, oder hier im Forum hässlich diskriminieren, werde ich deshalb nicht. Es ist nicht gang und gäbe bei Raucher, dass alle sich daneben benehmen und ihre Kippen fallen lassen. Wegen Dreck am Boden denke ich an viele Nichtraucher die im Freien soviel Schmutz hinterlassen, dass manche Stadt in NRW dreckig wirken. Im Freien kann jeder den Raucher aus dem Weg gehen, die größere Gefahr beim Passivrauchen sind die eigenen vier Wände, da stinkt es gewaltig, wenn man eine Wohnung im Mietshaus beruflich besuchen muss. Ansonsten, bei Vorsorgeuntersuchungen sollte keiner, weder für Raucher noch für Alkoholtrinker sie abstreiten. „Hautkrebs sei die häufigste Krebsart in Deutschland, die Fälle hätten sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten gar verdoppelt sagen Dermatologen. Zitat- Artikel. Weißer Hautkrebs ist selten gefährlich, in den meisten Fällen heilbar. Schwarzer Hautkrebs ist sehr gefährlich, tritt jedoch viel seltener auf. Bitte ehrlich sein!
Kommentar 44: Karina Bergmann schreibt am 19.04.2026, 10:34 Uhr :
Wenn, dann für alle!
Kommentar 43: Karina Bergmann schreibt am 19.04.2026, 10:30 Uhr :
Das ist nicht zu verstehen! Da werden die Raucher noch belohnt für ihre ungesunde Lebensweise. "Wozu dann aufhören, wenn das Screening negativ ist, dann wirds auf weiterhin gut gehen und wenn nicht, dann wurde es ja frühzeitig erkannt." Die Krankenkassen sparen wieder mal am falschen Ende.
Kommentar 42: das Brot schreibt am 19.04.2026, 09:11 Uhr :
In Dland kann jeder für sich entscheiden, was er seinem Körper antut oder nicht. Das ist auch gut so. Nur sollte dann nicht gefordert werden, Leistungen zu erhalten, um Vorsorge in Anspruch zu nehmen oder Heilmaßnahmen zu erhalten. Eigenverantwortung ist hier gefragt. Alle - ausnahmslos - sollten in die GKV einzahlen und es sollte auch nur eine Krankenkasse geben. Damit wäre schon viel geschafft. Oder es wird eine Art PKV für alle geschaffen - Grundversorgung für einen niedrigen Beitrag und wer mehr Leistungen erhalten möchte zahlt mehr. Und wer ein persönliches Risiko hat (Rauchen, Übergewicht etc) zahlt mehr oder die Behandlung aus eigener Tasche. Ich selber bin aufgrund einer genetischen Vorbelastung chronisch krank. Die Behandlungskosten, für die ich mittlerweile privat aufgekommen bin, liegen im fünfstelligen Bereich über 30 Jahre), weil die GKV nicht alles zahlt. Und wer bislang selber keine Beiträge gezahlt hat, sollte max. nur eine Grundleistung erfahren.
Kommentar 41: Hans-Gerd schreibt am 19.04.2026, 08:26 Uhr :
Ich lese immer was von "Reform". Ausser Streichen von Leistungen und Erhöhung von Beiträgen ändert sich aber Nichts. Reform könnte bedeuten: Nur noch eine GKV, in die Alle (Arbeiter, Angestellte, Selbständige, Beamte, Abgeordnete, Minister und Bundeskanzler) einzahlen. Diese GKV finanziert die Heilung von Kranken und eine angemessene Vorsorge. Sie wird wieder eine Solidargemeinschaft.
Kommentar 40: Simone schreibt am 19.04.2026, 08:25 Uhr :
Ich finde es total falsch den Rauchern eine Möglichkeit zu geben. Vielleicht sollten Sie von selbst mal überlegen, es zu lassen, um das Risiko zu verringern. Falsche Entscheidung, wie so oft in Deutschland.