Weniger Billigfleisch: Was das für Verbraucher und Landwirte bedeutet
Stand:
Discounter setzen zunehmend auf Fleisch und Milch aus besserer Tierhaltung. Was das für Verbraucher und für Landwirte bedeutet.
Von Lena Sterz
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Zu den Kommentaren [9]Die dunkelgrüne 5 ist mit Bio-Siegel die teuerste Haltungsform, die rote 1 erfüllt nur die gesetzlichen Mindeststandards bei der Tierhaltung - und ist normalerweise am günstigsten. Mehrere Discounter und Supermarktketten wollen die aber bald nicht mehr verkaufen.
Aldi Süd etwa hat angekündigt, ab Januar kein Fleisch von Eigenmarken aus der untersten Haltungsform 1 mehr verkaufen zu wollen. Auch Rewe und Penny wollen Mitte 2026 mindestens auf Haltungsform 2 umgestellt haben. Lidl hat dieses Ziel im Wesentlichen bereits erfüllt, teilt eine Sprecherin mit. Die wichtigsten Fragen und Antworten dazu.
Was bedeutet das für die Tiere?
Haltungsform 2 macht im Vergleich zur 1 etwa 12,5 Prozent mehr Platz aus. Für die Schweinehaltung bedeutet das zum Beispiel, dass ein kleines Mastschwein statt einem halben Quadratmeter Platz dann dreizehn Quadratzentimeter mehr Platz hat - plus etwas mehr Beschäftigungsmaterial. Ab Haltungsstufe 3 kommt dann auch Platz draußen oder im Offenstall dazu.
Was bedeutet das für die Landwirte?
Die Landwirte haben bei der Schweinehaltung beispielsweise relativ unkompliziert die Möglichkeit von Haltungsform 1 auf 2 zu wechseln, wenn sie ein paar Schweine weniger halten. Wenn sie Fleisch aus Haltung mit Auslauf ab Stufe 3 anbieten, wird es aus Sicht der Landwirte schon komplizierter, sagt Daniel Eschmann vom Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband: "Nicht jeder Landwirt kann automatisch auch einen Auslauf an den Stall entsprechend anbauen," merkt er an.
Was bedeutet das für Nachbarn von Landwirten?
Wolfang Büscher, Professor für Nutztierhaltung an der Uni Bonn, merkt dazu an: "Vielleicht bedeutet ein Schweinestall mit Außenanlage auch eine neue Geruchssituation, die von diesen Stallanlagen ausgeht. Also das Ganze löst in gewisser Weise eine Kettenreaktion aus, die für die landwirtschaftliche Seite nicht nur positiv ist."
Wird es dann irgendwann gar kein Billigfleisch mehr zu kaufen geben?
Bis 2030 wollen die großen Ketten das gesamte Frischfleischangebot ihrer Eigenmarken in Deutschland vollständig auf Stufe 3 und höher umstellen. Vorausgesetzt, die Landwirte bieten es an, wird immer von Supermärkten und Discountern betont.
Aber die Gastronomie zum Beispiel ist auch ein großer Absatzmarkt für den Fleischverkauf und die haben bisher noch keine großen Pläne angekündigt, Mindeststandards für Fleisch einzuführen. Deshalb geht Daniel Eschmann vom Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband auch nicht davon aus, dass die 1 und 2 jetzt wirklich schnell verschwinden. "Wir liegen bei Schweinefleisch aus NRW momentan immer noch so bei 90 Prozent in Haltungsform 1 und 2. Davon rund 50 bis 55 Prozent in Haltungsform 2, die Haltungsform-3-Ware macht aktuell 4 bis 5 Prozent aus."
Kann man immer erkennen, aus welcher Haltungsform das Fleisch stammt?
Nein, die Haltungsform ist ein freiwilliges Kennzeichnungssystem für Fleisch und verarbeitete Produkte von Schwein, Rind und Geflügel. Es gibt fünf Stufen mit wachsenden Anforderungen an die Tierhaltung. Bei Stufe 3 haben Tiere mehr Raum und Frischluft-Kontakt, bei Stufe 4 Auslaufmöglichkeiten im Freien, die Stufe 5 entspricht Bio-Standards.
Unsere Quellen:
- WDR-Interview mit Wolfang Büscher, Professor für Nutztierhaltung an der Uni Bonn
- WDR-Interview mit Daniel Eschmann, Westfälisch-Lippischer Landwirtschaftsverband
- Nachrichtenagentur dpa
9 Kommentare
Kommentar 9: Brigitta S. schreibt am 23.10.2025, 13:09 Uhr :
2 Haltungsformen werden gerne gekauft mit der Einstellung weniger Fleisch zu essen. Bei Haltungsform 3, haben die Tiere Zugang zum Außenbereich, also ein offener Stall, nur Fenster öffnen zählt nicht. Bei Haltungsform 4, ist Tierwohl vorhanden, Auslaufmöglichkeit wie auf den Almen, oder auf ebenen Weiden. Die Haltungsform 5, von der Bio-Landwirtschaft hat sehr hohe Anforderungen an Tierhaltung, Fütterung, und benötigt auch Medikamente. Wer kann dem Käufer garantieren das bei Tieren der Stufe 5 das bessere Fleisch auf den Teller kommt, bei den großen Anforderungen die bei BIO gestellt werden? Die Tiere sind ebenfalls den schädlichen Gefahren ausgesetzt durch die beschädigte Klima-Umwelt. Medikamente für Mensch und Tier ist meistens eine Nebenwirkung vorhanden. Beim Tier selbst wirkt sich das evtl. nicht aus, aber bei Menschen. Ja, Bio ist teuer, wird im Endeffekt billiger, wenn Fleischessen eingeschränkt wird. Die blaue Bio- Milka- Kuh ist unbedenklich gesünder? Wo ist die Garantie?
Kommentar 8: Ute Lehmann schreibt am 22.10.2025, 18:29 Uhr :
Wir versuchen immer die höchste uns finanziell mögliche Haltungsform zu ergattern: Reststück, am Datum mit Rabatt oder Sonderangebot. Billig ist Fleisch überhaupt nicht mehr. Bei Stufe 1 sind endlich die Mindeststandards eingehalten. 1 sollte durch 2 ersetzt werden müssen. Schön wäre keine Mehrwertsteuer auf 4 und 5. Und auch Grundnahrungsmittel steuerfrei. Heute kauften wir , Rentner Ehepaar, 600 gr Rind für einschließlich Sonntag Stufe 3. Fleisch und Käse sind inzwischen Luxus .
Kommentar 7: Jäger schreibt am 22.10.2025, 14:06 Uhr :
Wild ist Öko, keine Umweltbelastung, keine Subventionen durch EU und dem Staat bring die Jagd noch Steuern ein. Was soll das gejammere über letztlich unwirtschaftlich, obwohl subventionierte Haltungsformen. Wer wissen will, wo sein Fleisch herkommt, soll den Hof oder einen "Mastbetrieb" besuchen. Guten Appetit, wir ertragen ja nichtmal ein Tier auf der Verpackung.
Kommentar 6: Vens schreibt am 22.10.2025, 13:48 Uhr :
12,5 Prozent von 0,5 Quadratmeter sind nicht 12,5 Quadratzentimeter sondern 625 Quadratzentimeter. Es wären auch nicht ca. 13 Quadratdezimeter sondern ca 6,5 Quadratdezimeter oder besser 6,25 Quadratzentimeter.
Kommentar 5: Bauer Willi schreibt am 22.10.2025, 11:08 Uhr :
Sie schreiben zu Haltungsstufe 3, dass diese im Ofenstall stattfindet. Womit wird im Ofenstall geheizt?
Antwort von Ute Leh , geschrieben am 22.10.2025, 18:34 Uhr :
Erst ist das Tier im Offenstall , und dann beim Metzger und zuletzt im Ofen . Wärmelampen. Die Tiere brauchen keine Zimmertemperatur. An sehr kalten Wintertagen werden die Türen geschlossen.
Kommentar 4: Anne schreibt am 22.10.2025, 09:14 Uhr :
Stufe 3 sollte schon mindestens sein. Und wenn ich sparen muss, esse ich halt kein Fleisch sondern etwas anderes. Oder kaufe das im Preis gesenkte mit kürzerer Haltbarkeit. Man hat doch nicht ein Grundrecht darauf, ständig Fleisch essen zu können.
Kommentar 3: Friedhelm schreibt am 22.10.2025, 08:44 Uhr :
Wenn wir alle weniger Fleisch essen würden dann kann man sich das etwas teurere Fleisch auch leisten . Es wäre für Mensch und Tier gesünder
Antwort von Brigitta S. , geschrieben am 23.10.2025, 13:11 Uhr :
@Friedhelm, dass meine ich auch!
Kommentar 2: Niedriglöhner schreibt am 21.10.2025, 17:58 Uhr :
Ohne Menschenwohl kein Tierwohl. Wähler der Grünen haben das Geld dafür, wer aus der Mittelschicht gefallen ist kann gar nicht darüber nachdenken. Aber selbst innerhalb der Mittelschicht kann es eng werden, wenn Kosten für das Wohnen zu hoch sind.
Antwort von Gustav , geschrieben am 22.10.2025, 07:52 Uhr :
Wußte gar nicht, daß die Grünen alle zur Mittelschicht gehören. Vllt. mal etwas weniger Geld für Benzin, Rauchen und Alkohol ausgeben, dann können sich auch Niedriglöhner gute Lebensmittel leisten.
Antwort von Niedriglöhner , geschrieben am 23.10.2025, 13:27 Uhr :
@Gustav, Tagesspiegel: „Analyse zu Wählergruppen: Besserverdiener-Anteil bei Grünen am höchsten, ärmere Menschen wählen häufig AfD“; von Anna Maria Schulze, 12.02.2025. Das spiegelt sich auch in den Wahlbezirken wieder in fast allen Städten, Grüne holen Stimmen in den reicheren Stadtteilen, im sozialen Brennpunkt verliert die SPD an die AfD. Aber das ist nicht nur Mittelschicht, auch viele Reiche und Superreiche gehören zu Unterstützern der Grünen. Aber nur die Reichen die genug Geld und Zeit haben, wer noch reicher werden will wählt FDP. Der durchschnittliche Wähler der Grünen ist völlig ahnungslos über Probleme durch zu wenig Geld im Niedriglohnsektor, was dann zum Klischee von „selber Schuld“ führt wegen Geld für „Rauchen und Alkohol“ statt für „gute Lebensmittel“.
Kommentar 1: Hubert und Maria schreibt am 21.10.2025, 16:39 Uhr :
Wir essen viel Fleisch und kaufen dieses seit Jahrzehnten beim Metzger unseres Vertrauens. Wir zahlen gerne mehr dafür und wissen was wir auf den Teller bekommen. Billigfleisch, nein danke.