Fast jede dritte Autobahnbrücke in NRW ist marode, schätzt die Industrie- und Handelskammer. An vielen Brücken gilt daher ein Verbot für schwere Lkw. NRW-Verkehrsminister Krischer glaubt: Viele Lkw-Fahrer halten sich nicht an solche Verbote. Er fordert daher in einem Interview mit der "Rheinischen Post" höhere Bußgelder.
Krischer begründet das mit Blick auf die Wiegeanlagen, die es an einigen kritischen Brücken in NRW gibt. Ist ein Fahrzeug zu schwer, senkt sich eine Schranke. Weil das immer noch oft passiere, glaubt Krischer, dass weiterhin zu viele Lkw-Fahrer Verbote ignorieren und über marode Brücken fahren.
Ein Grund dafür seien die geringen Strafen. Die lägen zum Teil bei weniger als 100 Euro, so Krischer. Dadurch würden sich Abkürzungen über gesperrte Brücken für Speditionen finanziell und zeitlich lohnen.
Marode Brücken: NRW-Verkehrsminister fordert höhere Bußgelder für Lkw. WDR Studios NRW. 27.12.2025. 02:12 Min.. Verfügbar bis 27.12.2027. WDR Online.
Verbote allein nicht wirksam
Ein berühmtes Beispiel war lange die Leverkusener A1-Brücke. Dort fuhren auch Jahre nach einem Lkw-Verbot noch täglich etwa 150 zu schwere Fahrzeuge drüber - bis die Gewichtsmessung mit Sperranlage kam.
Auch an der maroden Brücke auf der A42 zwischen Essen und Bottrop wurden zum Start der Sperranlage täglich 200 Lkw gestoppt - allein in eine Fahrtrichtung.
Prinzipiell könnte die von Krischer geforderte Änderung schnell umgesetzt werden. Bußgelder lassen sich über eine Verordnung aus dem Verkehrsministerium ändern. Allerdings muss der Bundesrat Änderungen zustimmen. Das kommt in Einzelfällen regelmäßig vor. Breite Änderungen hat es allerdings zuletzt im November 2021 gegeben.
Höhere Bußgelder allein wohl nicht ausreichend
Ignoriert ein Lkw-Fahrer ein Durchfahrtsverbot, sieht der Bußgeldkatalog in der Regel 100 Euro vor - wenn es von den Ordnungsbehörden festgestellt wird. Mehr Kontrollen könnte das Land selbst anordnen. Dazu aber sagt Verkehrsminister Krischer: Dauerhaft kontrollieren könne man nur mit technischen Anlagen. Wer mit einem zu schweren Fahrzeug in eine Sperranlage fährt, muss auch jetzt schon mehr zahlen. Zu 500 Euro Bußgeld kommen zwei Monate Fahrverbot hinzu.
Unsere Quellen:
- Bußgeldkatalog-Verordnung
- Interview NRW-Verkehrsminister Krischer in der Rheinischen Post
- Protokoll NRW-Landtag (10.11.2016)
Sendung: Der Tag um 12, 27.12.2025, WDR 5, 12:00 Uhr
Kommentare zum Thema
UNGLAUBLICH !!! Und schon wieder sollen die Fahrer für di Unfähigkeit unserer Politiker den Kopf herhalten,wie lange braucht eine Brücke zum Marodewerden ? 2 Tage ? Jahrzentelange scheissegal Politik und nur in die eigene Tasche wirtschaften hat uns soweit gebracht. Vielen Dank dafür ! ! !
Die Fahrer sollen nicht für die Unfähigkeit der Politiker zahlen! Sie sollen für ihr eigenes Fehlverhalten zahlen. Wenn da steht-Durchfahrt über 30 T verboten muß man nicht mit 10000 Lkw pro Tag über 40 T über diese Brücken fahren! Wie blöd muß man sein, um hinterher zu sagen, ich war es nicht? Die Brücken werden i.d.R. von regionalen Unternehmen genutzt. Wenn Schrankenanlagen da sind, fahren trotzdem viele weiter und machen nicht nur die Schrankenanlagen kaputt. Einfach zuviel „Bekloppte“ unterwegs, die die Vorgaben nicht beachten (die anderen sitzen auf dem Fahrrad oder E-Scooter und chatten oder telefonieren und bekommen aus der Umwelt nix mit. Außer massivsten Kontrollen in allen Bereichen mit „echten“ Strafen habe ich leider keine Idee. Der Werteverfall durch sogenanntes so social media ist so übermächtig, daß fast jeder glaubt, was im Internet stimmt, oder was Influenzer sagen, auch Blödsinn, die bekommen Geld dafür!!!
Seit 2009 hatten wir nur christliche oder freie Verkehrsminister die es nicht geschafft haben ihren Aufgabenbereich instandzuhalten. Die Bahn als Alternative wurde auch Top gepflegt. Versager.
Ich erinnere mich an Interview, welches nach der Koalitionsvereinbarung mit Markus Söder geführt wurde. Es ging um die Frage, welche Ministerien von wem besetzt würden. Söder zählte auf und sagte u.a. CSU Verkehrsministerium. Der Interviewer fragte: Haben Sie denn noch immer genug unfähige Verkehrsminister? Habe selten eine solche, wenn auch kurzfristige, Entgleisung in Söders Gesicht gesehen. Die Frage fand zudem endge..
Ein Herumdoktern an Symptomen, aber nicht an den Ursachen. Die Ursache ist die jahrzehntelang verschlafene Instandhaltung und Anpassung der Infrastruktur an moderne Logistikanforderungen. Man könnte längst viel mehr Güter mit der Bahn ferntransportieren und dann LKWs nur noch auf den letzten Kilometern einsetzen. Man hätte die Autobahnbrücken längst ertüchtigen können. Jetzt will man die Industrie und die Logistik noch weiter erdrosseln, indem man verhindert, daß Güter transportiert werden können. Es gibt ja keine Alternativen: Mehr und leichtere LKWs einzusetzen geht nicht, weil die zusammen noch viel mehr Kohlendioxid in die Luft blasen, und es ohnehin zu wenig Fahrer gibt. Und Firmen, die schwere Maschinen bauen, ächzen seit Jahren unter dem Problem, Routen genehmigt zu bekommen. Wenn sie ihr Zeug aber nicht mehr an die Kunden liefern können, nicht mehr an die Häfen gelangen, dann können und werden sie zumachen.