Streik, Spritpreise, Frühling: Steigen die Menschen aufs Fahrrad um?
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Die Anzahl der Fahrräder in Deutschland wächst. Auch in NRW sind mehr Menschen mit Fahrrädern und E-Bikes unterwegs. Gleichzeitig ist die Zahl der Fahrradunfälle stark gestiegen. Was jetzt passieren muss. Und auf welchen Strecken das Rad schneller ist als das Auto.
Warnstreiks im Nahverkehr und steigende Spritpreise - wer derzeit unterwegs ist, kann leicht in Schwierigkeiten kommen. Wird Fahrradfahren jetzt für mehr Menschen eine Alternative zur Fortbewegung mit Auto oder Bahn? Die frühlingshaften Temperaturen könnten zumindest eine zusätzliche Motivation sein.
Immer mehr Fahrräder
Fakt ist: Die Anzahl der Fahrräder ist in den letzten Jahren gestiegen. Drei große Verbände der Fahrradwirtschaft haben am Mittwoch neue Marktdaten vorgestellt. Demnach gab es 2025 in Deutschland insgesamt 90,6 Millionen klassische Fahrräder und E-Bikes. Alleine in den vergangenen fünf Jahren sind mehr als acht Millionen zusätzliche Räder dazu gekommen.
Umsatz auf hohem Niveau
Nachdem die Verkaufszahlen für Räder während der Corona-Pandemie gestiegen waren, fielen sie nach dem Boom wieder ab. Trotzdem lag der Umsatz in den Fahrrad-Fachgeschäften im vergangenen Jahr über dem Niveau der Vor-Corona-Zeit, so die Verbandsangaben.
Es sei typisch, dass nach dem Boom der Fahrradbranche in der Pandemie eine Delle gekommen sei, sagte Uwe Wöll vom Verbund Service und Fahrrad (VSF) am Mittwoch dem WDR. "Das tut schon weh." Aber langsam stabilisiere sich der Markt wieder.
Mehr E-Bikes als klassische Fahrräder
2025 wurden insgesamt 3,8 Millionen Fahrräder verkauft. Das ist ein leichter Rückgang gegenüber dem Vorjahr um 3,9 Prozent. Dieser Rückgang fiel bei E-Bikes zwar stärker aus als bei den klassischen Fahrrädern. "Mit rund zwei Millionen verkauften E-Bikes bleibt der Absatz dennoch auf hohem Niveau", so die drei großen Verbände. "Insgesamt sind inzwischen über 17 Millionen E-Bikes in Deutschland unterwegs – im Vergleich zu rund zwei Millionen E-Autos ein deutlicher Vorsprung innerhalb der E-Mobilität."
Mehr Fahrräder in NRW unterwegs
Der Bestand an Fahrrädern in Deutschland wächst also weiter. Aber steigen in NRW tatsächlich auch mehr Menschen auf das Fahrrad um? Ja, sagt der Landesverband NRW des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC). Laut der Erhebung "Mobilität in Deutschland 2023" des Bundesverkehrsministeriums werde insbesondere in großen NRW-Städten mehr Rad gefahren.
"Die Daten weisen auch darauf hin, dass die Wegelängen zunehmen", sagte Benedikt Glitz vom ADFC NRW am Mittwoch dem WDR. Der dramatische Anstieg der Radverkehrsunfälle lasse sich damit aber nicht erklären.
Mehr Unfälle im Radverkehr
Bei der Verkehrsunfallbilanz für 2025 steche der Radverkehr aus der Statistik besonders hervor, stellte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) am Mittwoch fest. Mehr als ein Drittel aller Unfälle mit Personenschaden entfielen demnach auf den Radverkehr.
Die Zahl der Unfälle mit Fahrrädern und E-Bikes hat im Vergleich zum Vorjahr um gut sieben Prozent zugenommen und liegt nun bei fast 22.000. Stark gestiegen, nämlich um rund ein Drittel, ist die Zahl der Menschen, die bei Fahrradunfällen ums Leben kamen: Nach 80 Menschen 2024 waren im vergangenen Jahr 106 Todesfälle zu verzeichnen. Das sei der höchste Wert im Zehn-Jahres-Vergleich, so Reul.
Gut zwei Drittel dieser Unfälle wurden von anderen Verkehrsteilnehmern verursacht. Die häufigsten Unfall-Ursachen sind laut Reul Vorfahrtsverstöße, Fehler beim Abbiegen und beim Einfahren in den fließenden Verkehr.
Sichere Radwege für Pendler
Als Antwort auf die Zunahme tödlicher Rad-Unfälle fordert der ADFC dringend den Ausbau leistungsfähiger Radwegnetze. Die Voraussetzung dafür sei, so NRW-Pressereferent Benedikt Glitz, "eine durchgehende Radinfrastruktur, die wo immer möglich vom Fuß- und Autoverkehr getrennt geführt wird." Dadurch werde sicher gestellt, dass möglichst alle unfallfrei an ihr Ziel kommen und ihr Verkehrsmittel frei wählen könnten.
Auch Pendler könnten von sicheren Radwegen profitieren. "Viele Fahrradzählstellen in NRW zeigen klar die Tendenz von mehr Radverkehr in den Pendelzeiten", sagte Glitz. Pendeln mit dem Rad lohne sich: "Auf Strecken von bis zu fünf Kilometern Länge ist das Fahrrad schneller als das Auto oder der ÖPNV."
Unsere Quellen:
- Marktdaten 2025 von drei Verbänden der Fahrradwirtschaft
- WDR-Interview mit Uwe Wöll vom Verbund Service und Fahrrad (VSF)
- Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club (ADFC) NRW auf WDR-Anfrage
- Pressekonferenz des NRW-Innenministers Herbert Reul (CDU)
Sendung: WDR.de, "Streik, Spritpreise, Frühling: Steigen die Menschen aufs Fahrrad um?", 11.03.2026, 18:35 Uhr