Stickoxid-Recherche in NRW-Städten
Aktuelle Stunde . 08.01.2026. 11:29 Min.. UT. Verfügbar bis 08.01.2028. WDR. Von Cengiz Ünal.
Autoverkehr: So steht es um die Stickoxid-Belastung in NRW
Stand:
Die Stickoxid-Grenzwerte im Land wurden 2025 wohl eingehalten. Doch die Belastung hat wieder zugenommen, zeigt eine WDR-Analyse. Und ab 2030 gelten strengere Vorgaben.
Von Leonhard Eckwert und Julian Budjan
Zum zweiten Mal in Folge hat Deutschland und damit auch NRW vorausichtlich die Obergrenzen für die Stickstoffdioxid-Konzentration der Luft eingehalten. Stickstoffdioxid (NO2) ist ein gesundheitsschädliches Reizgas, das bei der Verbrennung in Benzin- und Dieselmotoren freigesetzt wird.
Der WDR hat die vorläufigen Daten der aktiven Messstationen des Umweltbundesamtes der vergangenen zwei Jahre ausgewertet. Die Auswertung zeigt: Die aktuellen Grenzwerte wurden 2025 wie bereits im Vorjahr nicht überschritten. Gleichzeitig hat sich die NO2-Konzentration wieder leicht erhöht.
In Nordrhein-Westfalens Städten wird durch viel Verkehr im Schnitt eine höhere NO2-Konzentration gemessen als in den meisten anderen Bundesländern. Von den zehn aktiven Messstationen mit den höchsten Jahreswerten liegen fünf in NRW.
In Düsseldorf etwa messen Stationen an der Corneliusstraße und der Merowingerstraße vergleichsweise hohe Werte – liegen aber noch unter den bisherigen Grenzwerten.
In der Jahresbilanz fehlen allerdings noch die sogenannten Passivsammler. Da sie nicht tagesaktuell messen, können sie erst einige Monate im Nachhinein ausgewertet werden.
Eine dieser Messstationen steht in der Kruppstraße in Essen-Frohnhausen an der A40. Gemeinsam mit einer Station in München war sie 2023 der Grund, warum Deutschland die Grenzwerte überschritten hatte.
Ein Blick auf die vorläufigen Daten bis einschließlich September zeigt, dass die Station an der Kruppstraße dieses Jahr mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit wieder unter dem kritischen Wert bleibt. Bis 2030 müssen die Werte an Stationen mit hoher Konzentration jedoch weiter sinken.
Ab 2030 gelten strengere Regeln
Die Richtlinien, wie viel Stickstoffdioxid pro Stunde, am Tag oder über das Jahr in der Luft sein darf, werden 2030 verschärft. Würden die neuen Regeln heute schon gelten, dann würde bundesweit etwa ein Viertel der Messstationen eine zu hohe NO2-Konzentration für bestimmte Messwerte aufweisen.
Ab 2030 sind für eine Station im Jahresmittel nur noch 20 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter Luft (µg/m³) erlaubt – halb so viel wie bisher. Ein Drittel der Stationen in NRW (19 von 57) würden diesen Grenzwert aktuell überschreiten.
Neu dazu kommt ein Höchstwert für die durchschnittliche NO2-Konzentration pro Tag. Bundesweit darf die Grenze von 50 NO2 µg/m³ innerhalb eines Jahres 18 Mal überschritten werden.
In 2025 hätten die Messstationen deutschlandweit demnach 975 Mal zu viel Stickstoffdioxid gemessen. Allein in NRW gab es im vergangen Jahr 255 Mal eine zu hohe NO2-Tages-Konzentration. Besonders betroffen waren Düsseldorf, Dortmund oder Oberhausen.
Bis zu drei Überschreitungen wären auch nach 2030 erlaubt. Die WHO empfiehlt deutlich strengere Grenzwerte als die aktuellen und künftigen Vorgaben.
Neben den Stationen des Umweltbundesamtes messen einige Städte wie Düsseldorf oder Aachen an zahlreichen Orten im Stadtgebiet auch selbst. Teilweise sind die NO2-Werte dabei an den lokalen Messstellen höher als an den Landesstellen.
Es gibt Alternativen zu Straßensperrungen
Nach EU-Recht können Länder selbst entscheiden, auf welcher Weise sie die Grenzwerte einhalten. Eine Möglichkeit sind lokale Fahrverbote für ältere Dieselfahrzeuge, die besonders viel Stickstoffdioxid produzieren. Solche Umweltzonen werden aber durch bessere Abgaswerte neuerer Autos langsam unwichtiger.
Die Luftreinhaltepläne der Stadt Düsseldorf beispielsweise enthalten verschiedene weitere Maßnahmen wie intelligente Ampelschaltung, emissionsarme Busse und Tempolimits, die den Anteil von Stickstoffdioxid an den Stationen senken können. Die Tempo-30-Maßnahme auf der Merowinger Straße für besser Luftqualität hat erst kürzlich ein Gericht bestätigt. Ein Anwohner hatte dagegen geklagt.
Laut Umweltbundesamt sind die zuletzt landesweit leicht gestiegenen Werte vor allem auf das Wetter zurückzuführen. Denn der Deutsche Wetterdienst stuft 2025 als ein eher trockenes und sonniges Jahr ein. Regen wiederum wäscht Schadstoffe teilweise aus der Luft aus.
Grundsätzlich hat sich die Schadstoffbelastung nach jahrelangem Sinken auf einem Plateau eingependelt. Ohne neue Maßnahmen werden die Werte kaum noch sinken. Als letzte Möglichkeit könnten Straßen gesperrt werden. Das Umweltbundesamt aber hält kleinräumige Maßnahmen für ungeeignet: Das Problem würde sich dann nur verlagern.
Unsere Quellen:
- Stickstoffdioxid-Messdaten des Umweltbundesamtes
- Hintergrundgespräch mit dem Umweltbundesamt
- Luftreinhaltepläne der Stadt Düsseldorf
- Studienrecherche in Kooperation mit Quarks.de
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 08.01.2026, 18:45 Uhr
Sendung: WDR.de, ARD Wissenschaft Bessere Luft: Stickoxide werden weniger, 08.01.2026, 06:03 Uhr