Grippesaison beginnt früher - und könnte heftig werden

Stand:

Erkältung, Grippe oder doch Corona? Viele haben gerade Symptome wie Husten und Halsweh. Laut EU-Gesundheitsbehörde ECDC startet die Grippesaison dieses Jahr früher - und könnte heftig werden.

Viele kennen jemanden, der gerade krank im Bett liegt. Die Grippesaison geht in Europa dieses Jahr wohl früher los als sonst. Die EU-Gesundheitsbehörde ECDC schreibt in einem Bericht:

"Wir beobachten in diesem Jahr einen deutlich früheren Anstieg der Grippefälle als üblich."  Edoardo Colzani, Leiter der Abteilung für Atemwegsviren beim ECDC

Noch sei ungewiss, wie stark die kommende Grippewelle wird. Das ECDC bereitet sich aber darauf vor, dass die Grippe in Europa stärker ausbrechen könnte als sonst - besonders wenn sich wenige Menschen impfen lassen. Viele Kranke würden dann das Gesundheitssysteme belasten.

Fragen und Antworten:

Symptome: Woran merke ich, ob ich Corona, eine Grippe oder eine Erkältung habe?

Halsweh, Husten, laufende Nase, Kopf- oder Gliederschmerzen - Atemwegserkrankungen lösen oft ähnliche Symptome aus. Für den Einzelnen sei es daher schwierig, nur durch die Symptomatik zu erkennen, ob es Corona, eine echte Grippe (auch genannt Influenza), eine Erkältung oder das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) sei, erklärt die Infektiologin Hortense Slevogt von der Medizinischen Hochschule Hannover.

Nach Angaben des RKI sind fieberhafte Verläufe bei einer Corona-Infektion häufiger als bei Erkältungen. Eine Grippe beginnt oft plötzlich. Bei RSV können die Symptome mehr als vier Wochen anhalten, insbesondere Husten. Mehr zur Unterscheidung erklärt das RKI hier:

Antigen- und PCR-Test: Was, wenn man es genau wissen möchte?

"Wenn es klinisch relevant ist - etwa bei Risikopersonen, schweren Symptomen oder wenn eine gezielte Therapie erwogen wird -, klärt man die Ursache am sichersten mit einem PCR-Test", sagt Slevogt, die Sprecherin der Sektion Pulmonale Infektionen der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie ist. Antigen-Schnelltests seien bei hoher Last an Viren zuverlässig. Je niedriger die Viruslast, desto wahrscheinlicher sei ein falsch-negatives Ergebnis.

Antigen-Tests gibt es in der Apotheke und in Drogerien - inzwischen auch für Grippe (Influenza) und Corona.

Was können Dr. Google und die KI leisten?

Viele Menschen wenden sich an "Doktor Google", geben ihre Symptome in die Suchmaschine ein und hoffen auf Erklärungen und Diagnosen aus dem Netz. Umfragen zufolge hält die Mehrheit der Menschen in Deutschland solche Informationen für verlässlich. Ein Vorgehen, das viele Fachleute allerdings kritisch sehen. "Im Netz sind unqualifizierte Fehldiagnosen quasi unausweichlich", heißt es in einer Stellungnahme der Techniker Krankenkasse. Besser als Google oder ChatGPT und Co soll die neue Plattform "Sundi" sein. Dahinter stecken die Berliner Charité und der "Bosch Health Campus". Sundi soll nicht auf das gesamte Netz zugreifen, sondern nur auf wissenschaftlich geprüfte Literatur:

Mehr dazu lest ihr hier:

Wie kann man sich und andere schützen?

Gegen Grippe, RSV und Corona gibt es wirksame Impfungen. Eine Impfung wirke wie ein Schutzschild, teilte Johannes Nießen, Kommissarischer Leiter des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit, kürzlich nach Angaben der Deutschen Presseagentur mit. "Sie senkt das Risiko schwerer Verläufe deutlich und kann so im Ernstfall Leben retten." Deshalb sei es jetzt im Herbst besonders wichtig, den eigenen Impfstatus zu prüfen und die empfohlene saisonale Impfung regelmäßig aufzufrischen.

Fit durch die Erkältungszeit - Wie komme ich gesund durch den Winter? | Quarks

WDR Studios NRW 18.11.2025 09:05 Min. Verfügbar bis 21.11.2027 WDR Online


Grippeimpfung und Co: Welche Impfung kommt jetzt für wen infrage?

Grippe: Menschen mit einem höheren Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf sollten sich unverzüglich impfen lassen, rät das ECD. Zu diesen Gruppen gehören Menschen über 65 Jahren, Schwangere, Menschen mit Vorerkrankungen und chronischen Krankheiten oder mit einem geschwächten Immunsystem sowie Menschen, die in geschlossenen Einrichtungen wie Pflegeheimen leben. Mehr Infos zur Grippeimpfung findet ihr hier:

Corona: Für Corona empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) Menschen ab 60 Jahren und Erwachsenen mit Grunderkrankungen, sich im Herbst eine Auffrischungsimpfung zu holen. Gleiches gilt für die Grippeimpfung. Am besten hole man sich gleich beides zusammen, empfiehlt die Infektiologin Hortense Slevogt. Die Corona-Impfung sei auch gegen die neue Covid-Variante Stratus wirksam. 

RSV: Allen Menschen ab 75 Jahren und Menschen im Alter von 60 bis 74 Jahren, die eine schwere Grunderkrankung haben, empfiehlt die Stiko außerdem eine einmalige Standardimpfung gegen RSV. Die Impfung soll möglichst vor dem Start der RSV-Saison verabreicht werden, die üblicherweise von Oktober bis März geht. Für alle Neugeborenen und Säuglinge gibt es einen Antikörper-Wirkstoff, der in der ersten RSV-Saison gespritzt werden sollte, die auf die Geburt folgt. Die Impfungen tragen der Infektiologin zufolge auch dazu bei, das Risiko für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung zu senken. Denn Menschen, die eine Infektion der Atemwege hätten, hätten ein höheres Risiko, Herz- und Kreislaufprobleme zu bekommen.

Wo kann ich mich impfen lassen?

Die Grippeschutzimpfung gibt es in Arztpraxen, bei Betriebsärztinnen und Betriebsärzten, beim Gesundheitsamt sowie in vielen Apotheken. Auch Städte bieten über die Gesundheitsämter Impfungen an.

Welche Corona-Varianten sind derzeit vorherrschend?

Laut aktuellem RKI-Bericht ist die Linie XFG, auch Stratus oder umgangssprachlich Frankenstein genannt, in Deutschland immer noch am weitesten verbreitet. Stratus ist eine Linie der Omikron-Variante. Deren Viren vermehren sich vor allem in den oberen Atemwegen und können sich dadurch schneller verbreiten. Zu Beginn ihrer Corona-Erkrankung berichten Patientinnen und Patienten derzeit unter anderem von Heiserkeit, einer rauen Stimme und Halsschmerzen.

Ist die Variante Stratus bzw. Frankenstein gefährlicher?

Erkrankungen durch Omikron seien zwar ansteckender als andere, verliefen in der Regel aber nicht schwer, sagt Ärztin Slevogt, die auch Internistin und Pneumologin ist. Trotz zunehmender Nachweise geht das RKI in Deutschland derzeit von keinem erhöhten Risiko für die öffentliche Gesundheit aus. Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO stuft das Risiko von Stratus als gering ein. Dass nach wie vor veränderte Coronaviren auftreten, ist nicht ungewöhnlich. 

Schwere Verläufe gibt es nach wie vor, das Risiko, schwer zu erkranken, ist aber deutlich geringer als während der Pandemie, wie Slevogt erklärt. Betroffen sind vor allem Risikogruppen, zu denen unter anderem ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen zählen.

Unsere Quellen:

Über dieses Thema hat der WDR am 18. November 2025 auch im Wissenspodcast Quarks Daily berichtet.

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