Unternehmen locken offenbar inzwischen häufiger mit Benefits. Fast zehn Job-Extras pro Stelle werden Arbeitssuchenden versprochen - deutlich mehr als in der Vergangenheit. Die Bertelsmann-Stiftung hat mehr als 30 Millionen Online-Stellenanzeigen der vergangenen sechs Jahren ausgewertet. Dabei gilt: Je höher die Job-Anforderungen, desto mehr Job-Extras gibt es.
Arbeitgeber unter Druck
Arbeitsforscherin Yvonne Lott
Yvonne Lott beforscht Arbeitsthemen bei der arbeitnehmernahen Hans-Böckler-Stiftung in Düsseldorf. Ihr zufolge seien Job-Extras "ein Anzeichen dafür, dass eben Unternehmen unter dem Druck stehen, Fachkräfte und Arbeitskräfte zu gewinnen. Sie müssen sich einfach ein bisschen ins Zeug legen."
Job-Benefits, die direkt Geld bringen
Die Möglichkeiten für Job-Benefits sind vielfältig. Sie erstrecken sich von Bonuszahlungen und Shopping-Rabatten über Sportangebote bis hin zu Essensgutscheinen - um nur einige zu nennen. Besonders beliebt sind dabei "harte" Extras, wie Zuschüsse zur Altersvorsorge oder Weihnachtsgeld. Das sind Extras, die direkt mehr Geld ins Portmonee bringen.
Yvonne Lott sieht noch einen anderen wichtigen Punkt. "Sonderzahlung reinzuschreiben, Bonuszahlung anzubieten, das ist natürlich erstmal der einfachere Weg für Arbeitgeber", sagte die Arbeitsexpertin dem WDR: "Das hat erstmal keine Folgen oder Konsequenzen für die Arbeitsorganisation. Da muss nicht Arbeit anders organisiert werden. Wenn jetzt so etwas wie Gleitzeit, Homeoffice etc. angeboten wird, dann muss ich natürlich gucken, wie ich das in der Arbeitsorganisation hinkriege. Darum ist es der weniger einfachere Weg."
Homeoffice, Gleitzeit und Familienfreundlichkeit nicht vergessen
Die Bertelsmann-Analyse zeigt: Mit "weichen" Extras wie einem guten Arbeitsklima, dem Duzen im Team oder Familienfreundlichkeit wird weniger oft um Bewerberinnen und Bewerber geworben.
Yvonne Lott weiß, dass viele auf Jobsuche vor allem mehr Geld brauchen. Sie findet aber auch, dass die "weichen" Extras wie Familienfreundlichkeit wichtig sind und von den Unternehmen beachtet werden sollten. Für sie ist das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie dabei wichtig:
"Wenn wir jetzt über Eltern reden, die arbeiten, die brauchen vielleicht ein bisschen mehr Geld. Aber die brauchen auch die Flexibilität in der Arbeitszeitgestaltung oder auch die Möglichkeit, mal im Homeoffice zu arbeiten." Yvonne Lott, Hans-Böckler-Stiftung
Unsere Quellen:
- Analyse der Bertelsmann-Stiftung: "Was Unternehmen heute versprechen"
- Interview mit Arbeitszeitforscherin Dr. Yvonne Lott, Hans-Böckler-Stiftung
- Nachrichtenagentur dpa