Ein Lehrer unterrichtet in einem Klassenzimmer einer Realschule

GEW-Streiktag: Was sich am Bildungssystem in NRW ändern muss

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Die Erziehungsgewerkschaft streikt, Studien schlagen Alarm: In NRW sieht es düster aus beim Bildungssystem. Was könnte helfen?

Diesmal ist nicht das Winterwetter für Schulausfälle und geschlossene Kitas verantwortlich, sondern streikendes Personal. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hatte am Donnerstag angestellte Lehrer, Erzieherinnen und Schulsozialarbeiter zum "Streiktag Bildung" aufgerufen. Dieser Aufruf galt bundesweit, in NRW, in Köln ist einer der Schwerpunkte, wo es einen Demonstrationszug sowie am Mittag die zentrale Kundgebung auf dem Heumarkt gab.

Anlass für den Warnstreik sind Arbeitsbedingungen und Löhne von Beschäftigten im Rahmen des Ländertarifvertrags. Doch das Geld sei nur ein "Nebenaspekt" sagte GEW-NRW-Vorsitzende Ayla Çelik dem WDR: Es werde zwar auch um höhere Löhne gekämpft, aber eigentlich gehe es den Streikenden darum, "dass Lehren und Lernen überhaupt erst möglich gemacht werden".

GEW-Kritik: Bildungssystem in der Krise

WDR 5 Morgenecho - Interview 29.01.2026 05:06 Min. Verfügbar bis 29.01.2027 WDR 5


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14,5 Prozent Schulabbrecher in Gelsenkirchen

Kleinere Klassen, mehr Zeit, mehr Unterstützung, bessere Ausstattung: Das sind die Forderungen der GEW NRW in Bezug auf die Schulen im Land. Çelik berichtet von Schulen, in denen noch nicht einmal das WLAN funktioniere - und das im KI-Zeitalter. "Wir arbeiten mit Kreide, sollen aber die Kinder auf die digitale Zukunft vorbereiten." Auch die Zahl der Menschen, die ohne Abschluss von der Schule gingen, sei teilweise erschreckend. So gebe es beispielsweise in Gelsenkirchen 14,5 Prozent Schulabbrecher.

Kein Bundesland gibt pro Kopf weniger für Schüler aus

Nicht nur diese Einzelfälle, auch das Gesamtbild für NRW sieht eher düster aus. Laut "Bildungsfinanzbericht 2025" des Statistischen Bundesamt ist NRW das Bundesland, das im Schnitt am wenigsten für Schülerinnen und Schüler ausgibt. Wenn man Personalausgaben, Sachaufwand und Investitionen zusammenrechnet, kamen auf jeden Schüler in NRW Ausgaben in Höhe von 8.900 Euro. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 9.800 Euro, Spitzenreiter nach dem Stadtstaaten Berlin und Hamburg ist Bayern mit 11.300 Euro pro Kopf.

Im Ländervergleich schneidet NRW schlecht ab

In Bildungsstudien schneidet NRW ebenfalls schlecht ab. Beim aktuellen "Bildungsmonitor", den die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) jährlich erstellt, liegt NRW auf dem drittletzten Platz unter den Bundesländern, gefolgt von Brandenburg und Bremen. Die Studie untersucht unter anderem Bildungsausgaben, Investitionen, Betreuungsschlüssel und Digitalisierung.

Das Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) prüft regelmäßig, wie oft die Standards in bestimmten Schulfächern erreicht werden. Auch hier zeigte sich zuletzt: Schülerinnen und Schüler aus NRW liegen in der neunten Klasse beim Fachwissen in den Naturwissenschaften im Bundesvergleich auf den hintersten Plätzen. Auch in der Mathematik wurden in den Aufgaben "besonders schwache Ergebnisse" erzielt.

Schul-Etat ist der größte Posten im NRW-Haushalt

Um dem entgegenzuwirken, stellt NRW-Bildungsministerin Dorothee Feller (CDU) den Schulen mehr Geld bereit: 25,7 Milliarden Euro und somit rund 5 Prozent mehr als im Vorjahr stünden 2026 für die NRW-Schulen zur Verfügung, teilte die Ministerin mit. Der Schul-Etat stelle somit mit 22,9 Prozent den größten Anteil am Landeshaushalt dar. Unter anderem soll damit die Personalausstattung an den Schulen verbessert und der Ganztagsbereich ausgebaut werden.

Für die Bildungsexpertin Silke Müller, die selbst als Schulleiterin in Niedersachsen tätig war, reichen höhere Etats alleine allerdings nicht aus. Man benötige mehr Fachkräfte, mehr Zeit für Beziehungen, mehr Qualität und verpflichtende Fortbildungen für Lehrkräfte. "Ohne Bildung haben wir keine Demokratie, die trägt, und keine Gesellschaft, die Krisen aushält. Und das ist im Moment ein Riesenproblem", sagte sie dem WDR.

"Schule ist ein System, das 200 Jahre alt ist"

Müller fordert grundlegende Änderungen und eine Vision von Schule, die die neu benötigten Kompetenzen in den Blick nimmt. "Wir arbeiten in einem System, das ungefähr 200 Jahre alt ist und aus der preußischen Zeit kommt. Aber wir können doch nicht die Kinder von heute in einem System von gestern arbeiten lassen", so Müller im WDR 5-"Morgenecho".

Auch die GEW NRW-Vorsitzende Ayla Çelik stellt die Systemfrage. "Die Aufgabe ist, Kinder zu befähigen, ein eigenständiges Leben zu führen und gleichberechtigt an der Gesellschaft teilzuhaben. Diese Kernaufgabe schafft das Schulsystem nicht. Derzeit wird nur der Mangel verwaltet."

Auch wenn der Landtag eine Kommission eingesetzt hat, die viele interessante Reformideen skizziert hat: Ein neues Schulsystem ist in NRW derzeit nicht in Sicht. Also müssen sich die Beteiligten mit dem vorhandenen arrangieren. Entsprechend macht sich die GEW für ihre Mitglieder stark. Sie fordert in den laufenden Tarifverhandlungen sieben Prozent mehr Gehalt oder mindestens 300 Euro mehr. 

Unsere Quellen:

Sendung: WDR 5, Morgenecho, 29.01.2026, 06.05 Uhr.

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