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Gen Z und die Bewerbung zum Berufseinstieg: Nicht ohne meine Eltern?

Stand:

Wie selbständig ist die Generation Z? Und welche Rolle sollten die Eltern bei Berufsberatung und Berufswahl spielen? Berufsberater haben da eine ganz bestimmte Meinung.

Von Oliver ScheelOliver Scheel

"Liebe Helikopter-Eltern, hört auf, euch für eure Kinder zu bewerben. Ehrlich gesagt: Ihr tut euren Kindern damit keinen Gefallen. Denn eine Bewerbung vermittelt den ersten Eindruck eines Menschen. Wenn sie allerdings von den Eltern geschrieben wird, ist dieser Eindruck: hier soll ich jemanden einstellen, der es nicht einmal schafft, sich selbst zu bewerben."

Das sind die markigen Worte des deutschen Unternehmers Carsten Maschmeyer. Der Investor eckt gerne mal mit seinen Aussagen an und polarisiert. Trifft er hier aber einen wahren Kern oder tut Maschmeyer der jungen Generation Unrecht? Ist die Generation Z, also die 1995 und später Geborenen, wirklich nicht mehr in der Lage, das eigene Leben zu organisieren? Nehmen die Eltern zu viel Einfluss? Und was sagen die Menschen, die die Berufseinsteiger beraten?

"Kein Fall ist wie der andere"

Für Andreas Hildebrand, Sozialpädagoge beim Zentrum für Berufsorientierung und Bewerbungsmanagement für Köln Höhenberg und Vingst (HöVi) ist der Kontakt zu sogenannten Helikopter-Eltern eine alltägliche Sache. "Es gibt diese Eltern, die sich zu viel einmischen. Es gibt aber auf der anderen Seite auch Eltern, wo wir sagen, es kann euch doch nicht egal sein, was eure Kinder machen." Insofern sei einfach "kein Fall wie der andere."

So können Eltern ihre Kinder beim Bewerbungsprozess unterstützen

WDR Studios NRW 16.12.2025 00:56 Min. Verfügbar bis 16.12.2027 WDR Online


Für Anna Drahs, die in Köln als Beraterin in der Jugendberufshilfe tätig ist, ist Maschmeyers Aussage nicht mehr und nicht weniger als eine unzulässige Pauschalisierung.

"Die Eltern müssen unterstützen", sagt sie im Gespräch mit dem WDR. Es sei vielmehr eine Voraussetzung, damit die Jugendlichen eine Orientierung haben. "Schließlich kennen die Eltern die Stärken und Schwächen ihrer Kinder am besten. Es gibt einen Unterschied zwischen Helikopter-Eltern, die ihre Kinder bis kurz vor die Schultür bringen und einem ernsthaften Interesse an der Zukunft und der Berufswahl ihrer Kinder."

"Die Welt ist sehr viel komplexer geworden"

Das Problem, so Drahs, sei vielmehr, dass die Welt komplexer geworden sei: "Die Jugendlichen und die Eltern sind einer wahren Informationsflut ausgesetzt. Sie müssen die Informationen auf das Wichtigste reduzieren." Auch die Eltern müssten sich sortieren, selbst gebildete akademische Haushalte seien da schnell überfordert.

Anna Drahs, Sachgebietsleitung Jugendberufshilfe

Beraterin Anna Drahs befürwortet die Unterstützung durch Eltern

Drahs sieht, dass die Jugendlichen immer mehr leisten müssten. Die Digitalisierung erfordere schnelles Handeln und Recherchieren, dazu würden die Ansprüche der Betriebe steigen. Wenn Eltern sich im Bereich Ausbildung um die Jugendlichen kümmerten, sei das grundsätzlich positiv.

Die Berufswelt verändert sich stark. Dabei brauchen die Kinder Unterstützung Anna Drahs, Beraterin in der Jugendberufshilfe der Katholischen Jugendagentur

Gerechtere Bewerbungen / Rauchen und Zähne/ Nachhaltiger leben

Quarks Daily – Dein täglicher Wissenspodcast 15.02.2022 21:13 Min. Verfügbar bis 15.02.2027 WDR Online


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Eltern müssen die Grenze erkennen, ab wann die Kinder alleine weiter gehen

Das sei vielmehr Erziehung und nicht Einmischung: "Die Eltern müssen natürlich die Grenzen erkennen. 'Wann lasse ich los, wann sage ich: Okay, bis hierhin sind wir zusammen gegangen und jetzt gehst du alleine weiter'." Die Eltern dürften den Moment nicht verpassen, das Kind ziehen zu lassen. "Wichtig zu wissen ist: Wo steht mein Kind", so Drahs.

Dass die Eltern bei der Berufswahl eine enorm wichtige Rolle einnehmen, ist unbestritten. "Wir nehmen die Eltern in der Beratung mit", sagt Hildebrand. Und auch die Jobcenter wissen, dass es ohne die Eltern kaum geht. "Sie geben Orientierung", sagt Matthias Pöpping von der Arbeitsagentur Münster dem WDR. Seine Düsseldorfer Kollegin Silke Uellendahl nennt es "erfolgversprechend", die Eltern zu den Beratungen mit einzuladen. "Wir sprechen die Eltern offensiv an. Es ist ja auch oft so, dass die Eltern schon lange im Beruf sind und ihre Informationen vielleicht gar nicht mehr aktuell sind". So seien die Eltern an den Veranstaltungsangeboten der Arbeitsagenturen stets sehr interessiert.

Arbeitsagenturen setzen voll auf die Teilnahme der Eltern

"Wir legen den Eltern die Teilnahme an den Veranstaltungen zur Berufsorientierung sehr ans Herz", so Pöpping: "Und wir veranstalten auch Elternabende in der Schule. Eltern sollen unterstützen und ermutigen."

Die Arbeitsagenturen bieten deshalb digitale Elternabende an, bei denen Eltern und Kinder die Möglichkeit erhalten, Branchen, Unternehmen und die Ausbildungsmöglichkeiten und duale Studiengänge kennenzulernen. Das sollte eigentlich auch Carsten Maschmeyer gut finden.

Unsere Quellen:

  • Gespräch mit Sozialpädagoge Andreas Hildebrand bei der KJA (Katholische Jugendagentur) Köln
  • Gespräch mit Anna Draht, Beraterin in der Jugendberufshilfe der KJA
  • Gespräch mit Matthias Pöpping, Pressestelle der Arbeitsagentur Münster
  • Gespräch mit Silke Uellendahl, Pressestelle der Arbeitsagentur Düsseldorf
  • Instagram-Posting Carsten Maschmeyer
  • Infoportal der Arbeitsagentur

Sendung: WDR.de, Gen Z und die Bewerbung zum Berufseinstieg: Nicht ohne meine Eltern?, 17.12.2025, 6 Uhr

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