Arbeiten statt Ausbildung: Jobben, Geld verdienen und dann Endstation Niedriglohn?
Aktuelle Stunde . 16.07.2025. 32:54 Min.. UT. Verfügbar bis 16.07.2027. WDR. Von Cedrik Pelka.
Bertelsmann-Studie: Mehr Jugendliche wollen nach der Schule arbeiten
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Mehr junge Leute wollen nach der Schule weder eine Ausbildung machen noch studieren. Mehr als 20 Prozent möchten erstmal arbeiten, zeigt eine Umfrage der Bertelsmann-Stiftung unter 1.755 Jugendlichen zwischen 14 und 25 Jahren aus allen Schulformen. Das hat Folgen für den Arbeitsmarkt.
Von Uwe Pollmann
Lieber gleich mehr Geld verdienen anstatt eine langwierige Ausbildung angehen. Den Wunsch haben sicher viele Jugendliche nach dem Schulabschluss. Aber die Bertelsmann-Stiftung warnt: Es werden immer mehr. Jeder fünfte Schüler will weder eine Ausbildung machen noch studieren - besonders jene, die einen niedrigen Abschluss haben.
Viele bleiben lebenslang ohne Berufsabschluss
"Dieses Ergebnis sollte wirklich alarmieren, denn wir haben schon jetzt fast drei Millionen junge Menschen in Deutschland, die keinen formalen Berufsabschluss haben", sagt Bildungsexpertin Helen Renk von der Gütersloher Stiftung.
Und diese jungen Menschen haben schlechtere Zukunftschancen. Das Risiko, im Laufe des Lebens arbeitslos zu werden, ist signifikant höher und sie verdienen im Laufe ihres Lebens auch wesentlich weniger Geld. Helen Renk, Bildungsexpertin der Bertelsmann-Stiftung
Viele blieben auch lebenslang ohne Berufsabschluss. Dadurch gehe ebenso dem Arbeitsmarkt Potential verloren. Und das in einer Zeit, in der bundesweit nach Angaben des Instituts der deutschen Wirtschaft rund eine halbe Million Fachkräfte fehlen.
"Orientierungslosigkeit ist groß"
Positiv ist laut Bertelsmann-Stiftung jedoch, das die große Mehrheit eine Ausbildung schätzt und anstrebt. Erschreckend sei nur, dass von jenen mit niedrigen Abschlüssen 35 Prozent kaum daran glauben, einen Ausbildungsplatz zu bekommen. Und: viele wissen laut Studie zwar einiges über Berufswege, finden sich bei den ganzen Informationen aber oft nicht zurecht.
"Diese Orientierungslosigkeit ist im besonderen Maße eine Herausforderung für die Gymnasiasten", so Renk. "Das ist ein überraschendes Ergebnis. Offensichtlich gelingt es Hauptschulen an dieser Stelle besser als Gymnasien, jungen Menschen im Dschungel der Berufswahl Orientierung zu geben."
Mehr Hilfen beim Übergang in Ausbildung notwendig
All das dürfe kein Grund sein, in Aushilfsjobs zu flüchten. Schulen müssten noch mehr tun, um Jugendlichen eine Ausbildung nahezubringen, so die Bertelsmann-Stiftung. Vor allem jene mit niedrigem Abschluss brauchen mehr Hilfen beim Schreiben einer Bewerbung und beim Übergang in eine Ausbildung.
Die Wirtschaft selbst bietet allerdings schon vieles an. Unternehmen gehen immer häufiger in die Schulen, laden zu Besichtigungen und Praktika in den Betrieben ein, sagt Marwin Schadwill, Leiter der Ausbildungsberatung bei der Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe: "Wir bilden auch echte Azubis zu Ausbildungsbotschaftern aus, die junge Leute unkompliziert und auf Augenhöhe über eine Karriere informieren, direkt in der Schulklasse."
Wirtschaft bietet Unterstützung bei Lernschwächen an
Mittlerweile bieten viele Firmen den Jugendlichen auch Unterstützung bei Lernschwächen an. Und längst ist der 1. August kein Stichtag mehr für den Ausbildungsbeginn. "Auch wer später einsteigt, hat Möglichkeiten", sagt Ausbildungsexperte Schadwill. "Zum Beispiel durch Teilqualifikation, verkürzte Ausbildung oder die nachträgliche Gesellenprüfung."
Anscheinend erreichen diese Informationen aber noch zu wenige Jugendliche, wie die neue Studie der Bertelsmann-Stiftung zeigt.
Unsere Quellen:
- Bertelsmann-Stiftung
- Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe
- Institut der Deutschen Wirtschaft