Nachfolge auf Bauernhöfen: Warum Frauen auch in NRW selten übernehmen
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In Berlin beginnt die Grüne Woche. Ein Thema auch dort: Warum treten so selten Frauen die Nachfolge auf Bauernhöfen an? Welche Gründe es gibt - und was sich aus Sicht des Landfrauenverbandes ändern müsste.
Von
Jörn Seidel
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Zu den Kommentaren [4]An diesem Freitag, 16. Januar, beginnt in Berlin mit zahlreichen Ausstellern und Fachbesuchern aus NRW die Grüne Woche. Sie gilt als weltgrößte Agrar- und Ernährungsmesse.
Die Grüne Woche feiert in diesem Jahr ihr 100-jähriges Jubiläum. Zugleich haben die Vereinten Nationen 2026 als "Internationales Jahr der Frauen in der Landwirtschaft" ausgerufen. Der Grund: Frauen spielen in den Agrar- und Ernährungssystemen zwar eine zentrale Rolle. Sie stehen aber meist im Hintergrund.
Nur die wenigsten Bauernhöfe werden von Frauen geleitet
Das zeigt sich auch in den landwirtschaftlichen Betrieben Nordrhein-Westfalens. Nur die wenigsten Höfe werden von Frauen geleitet, obwohl sie dort viel wichtige Arbeit verrichten.
Cornelia Langreck vom Landfrauenverband
Das sollte sich ändern, sagt Cornelia Langreck, Präsidentin des Westfälisch-Lippischen Landfrauenverbands, dem WDR. Denn mehr Betriebsleiterinnen würden der Zukunftsfähigkeit der Landwirtschaft viel bringen. Ihre Begründung:
"Die gehen anders mit Betriebsführung um. Sie denken ein bisschen nachhaltiger. Sie denken ein bisschen genauer über Investitionen und ein bisschen diverser über Investitionen nach." Cornelia Langreck, Präsidentin Westfälisch-Lippischer Landfrauenverband
Weniger Bäuerinnen als Bauern - und viel weniger Chefinnen
Deutschlandweit sind 35 Prozent der Beschäftigten in der Landwirtschaft Frauen, teilt das Bundesinformationszentrum Landwirtschaft mit. Der bundesweite Durchschnitt über alle Berufe liegt bei 47 Prozent.
Noch deutlicher ist demnach der Unterschied zwischen Männern und Frauen in der Leitung: Nur jeder neunte landwirtschaftliche Betrieb wird von Frauen geführt. Damit zähle Deutschland im EU-Vergleich zu den Schlusslichtern.
Warum so wenige Frauen Bauernhöfe leiten
Als Gründe für den geringen Frauenanteil in der Leitung landwirtschaftlicher Betriebe nennt Langreck vor allem historisch gewachsene Rollenbilder. "Die Betriebsleitung wird immer noch viel mit Männern verbunden. Und auch in den Familien wird die Hofnachfolge dann eher bei den Söhnen gedacht." Frauen würden in der Planung der Hofnachfolge einfach viel weniger einbezogen.
Simona May kam über ihre Pferdeliebe zur Landwirtschaft, wie sie dem WDR erzählt. Erst wollte sie Tiermedizinerin werden. Dann begann sie ein Studium der Agrarwissenschaften. Nach zwei Wochen stand für sie fest:
"Das will ich gar nicht mehr ändern. Da bleib ich bei. Und da schlägt auch heute noch mein Herz für." Simona May, Landwirtin
Gemeinsam mit ihrem Mann Betriebsleiterin
Simona May im Hofladen
In Drensteinfurt im Münsterland hat May gemeinsam mit ihrem Mann den Bauernhof seiner Eltern übernommen. Auch geschlachtet wird auf dem Hof May und vieles im Hofladen verkauft. Simona May ist nicht nur die Frau des Bauern, sondern leitet gemeinsam mit ihm den Betrieb.
Darüber hinaus gibt es noch weitere Frauen auf dem Hof. Zwei weibliche Auszubildende haben sie dort, außerdem eine festangestellte Landwirtin. Der Hof sei "fest in Frauenhänden", wie sie sagt.
Carl-Hendrik May führt mit Frau Simona den Hof May.
Die Landwirtin bestätigt, was die Zahlen zeigen: Grundsätzlich seien es Männer, die den Hof der Familie übernehmen. Mittlerweile aber wachse der Anteil der Betriebsleiterinnen. Sie vermutet, dass es daran liegt, dass heutzutage viel Arbeit von Maschinen übernommen wird. "Und Frau setzt dann den Kopf ein", sagt May und lacht. "Klar, der Mann natürlich auch. Aber dadurch ist dann die Muskelkraft nicht mehr ganz so entscheidend."
Mehr Vorbilder für Frauen in der Landwirtschaft gefordert
Maschinenkraft allein reicht aber offenbar nicht aus, um den Anteil von Frauen in landwirtschaftlichen Führungspositionen deutlich zu ändern. "Vielleicht fehlt da ein Stück weit eine Mentorin, eine Unterstützung, Vorbilder, an denen sie sich orientieren könnten", sagt Langreck vom Landfrauenverband.
"Ich glaube, es wäre gut, wenn es mehr Mentoring-Programme gäbe, um Frauen besser auf diese Rolle vorzubereiten, vielleicht auch schon in der Ausbildung." Darüber hinaus bräuchten Frauen besseren Zugang zu Kapital. Wer nicht als Hofeigentümerin eingetragen ist, habe es schwer, Kredite zu bekommen und Investitionen zu tätigen, so Langreck.
Simona May kann für den Beruf der Landwirtin jedenfalls nur werben. Weil die Landwirtschaft ein "ganz bunter, ein ganz anderer Haufen ist, es als in vielen anderen Bereichen vielleicht der Fall ist", und man am Ende des Tages sehe, was man geschaffen hat.
Unsere Quellen:
- WDR-Interview mit Cornelia Langreck, Präsidentin des Westfälisch-Lippischen Landfrauenverbands, für das "Morgenecho" am 16.01.2026
- WDR-Interview mit Simona May, Landwirtin in Drensteinfurt
- Bundesinformationszentrum Landwirtschaft
- Website FAO, Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen
- Website Grüne Woche
- Landesamtes für Verbraucherschutz und Ernährung (LAVE) zur NRW-Beteilung an der Grünen Woche
Sendung: WDR.de, Nachfolge auf Bauernhöfen: Warum Frauen auch in NRW selten übernehmen, 16.01.2026, 5:59 Uhr
4 Kommentare
Kommentar 4: Brigitta S. schreibt am 17.01.2026, 11:44 Uhr :
Die Aufgaben als Bäuerin sind vielfältig, sie umfassen weit mehr zusätzliche Arbeit, als wenn der Sohn den Betrieb übernimmt. Es zeigt sich immer wieder durch das Fernsehen, wenn es um einen Bauernhof geht, dass Frauen viele Arbeiten am Hof übernehmen sollen, die vorher der Bauer selbst machte. Muss eine Bäuerin mehr können, mehr arbeiten als der Bauer? Auf die Frage kommt ein JA, weil sie für die soziale Arbeit innerhalb der Familie weiterhin zuständig gemacht wird, wie gewohnt seit ewigen Zeiten. Der Song: „Das bisschen Haushalt macht sich von allein sagt mein Mann“, sagt doch alles aus, warum viele Frauen keine Bäuerin sein wollen. „Kochen, Wäsche, Gemüsegarten und die Mithilfe bei der Arbeit auf den Hof, bleibt mit begeisterter Gleichberechtigung? Wie gut ich es habe als Bäuerin, kann nicht jede Frau am Hof sagen? Das geht nur bei reichen Höfen mit viel Personal.
Kommentar 3: Tobi schreibt am 16.01.2026, 20:13 Uhr :
Historisch gewachsene Rollenbilder sind schwer veränderbar. Mentoring-Programme können sicher eine Hilfe sein. Aber welche Betriebsleiterin möchte denn mit einem Hausmann und Vater verheiratet sein, welcher Mann sich in dieser anderen Rolle engagieren? Bei Karriere-Frauen in anderen Berufen ist beobachtet worden, dass sie im Gegensatz zu den Männern, vorwiegend Partner suchen, die mindestens auf gleichem Karriere-Niveau sind, während Männern dieser Status sehr häufig ganz egal ist bzw. eher eine Frau mit weniger beruflichen Ambitionen bevorzugt oder teilweise sogar ein höherer beruflicher Status als beängstigend empfunden wird. Bei der Nachfolge, insbesondere von traditionellen Familienbetrieben, geht es also nicht nur um die einzelne Rolle der Betriebsleitung, sondern um ein komplexeres System.
Kommentar 2: Franziska 1 schreibt am 16.01.2026, 19:59 Uhr :
Welche junge Frau will heutzutage den Job als Bäuerin über nehmen und einen Landwirtschafts- Betrieb leiten? Bauer sucht Frau zeigt die Realität, wo viele Frauen einen Rückzieher machen bei Bauerhöfe. Das klappt meistens nur da, wo finanziell und wirtschaftlich alles gut ist, der Sohn aus schaut wie ein Model. Ohne Geldsorgen lässt sich in der Natur gut leben. Die Arbeit am reichen Hof spürt da die Bäuerin kaum, dafür haben sie Personal eingestellt für die Küche und Haushalt-Vesorgung. Sie selbst sitzen auf Landwirtschaftsgeräte. Wenn es ein gutsituiertes Bauern-Anwesen ist, der Sohn macht weiter als Bauer. Mir tun die weniger betuchten Bauernhöfe leid, wo der Sohn keinen Bock mehr hat Bauer zu sein. Da über nimmt eher die Tochter den Hof, arbeitet als eingetragene Bäuerin am Hof. Das Familienerbe muss erhalten bleiben und das Wohnrecht der Eltern plus Oma/Opa bleibt mühsam erhalten. Das kleine Bauernhof sterben ist nicht ganz ohne Grund, die ständigen Auflagen nimmt ihnen den Atem!
Kommentar 1: Brigitta S. schreibt am 16.01.2026, 17:27 Uhr :
Die Gleichberechtigung hat zwar die Frauen am Bauernhof erreicht, sie dürfte sich als Bäuerin aber nur mit Verzicht umsetzen lassen. Zu viel Arbeit und Doppelbelastung. Für den Haushalt und für das Anwesen verantwortlich zu sein als Bäuerin verlangt mehr als die Gleichberechtigung der Frauen in anderen Berufen die Karriere machen. Oft müssen sich Bäuerinnen noch um einen 2. Haushalt kümmern von Mutter und Großeltern. Ich glaube, der Grund nicht Bäuerin sein zu wollen bei jungen Frauen, dass ihnen die Ungewissheit für die Zukunft der Landwirtschaft belastet. Wie können sie Vorsorge betreiben für ihre spätere Rente, wenn der Hof wirtschaftlich Schwierigkeiten bekommt, bei den Konkurrenz/ Importen vom Ausland. Im Fall einer Scheidung vom Ehemann wie ist die Bäuerin gut abgesichert, wenn sie in den Hof hineingeheiratet und der Mann den Hof von den Eltern übernommen hat? Ein Sohn ist vorhanden? Als (nicht eingetragene) Bäuerin“, könnte sie benachteiligt sein, Vertrag für sie ist wichtig!