Auszubildender Kunstschmied arbeitet mit einem Winkelschleifer

Die meisten Azubis in NRW sind zufrieden mit ihrer Ausbildung

Stand:

Die NRW-Jugend des Deutschen Gewerkschaftsbunds hat nachgefragt, die Azubis haben geantwortet: Sie sind überwiegend zufrieden mit ihrer Ausbildung.

Von Tobi Blum

Wenn wir auf die Zahlen schauen sind fast 70 Prozent der befragten Azubis zufrieden oder sogar sehr zufrieden mit ihren Ausbildungbedingungen. Aber zwischen einzelnen Branchen gibt es große Unterschiede. Bei den angehenden Bankkaufleuten hat niemand gesagt, dass er unzufrieden ist. Kein einziger. Auch bei Fachinformatikern, Industriemechanikerinnen und Steuerfachangestellten gibt es eine hohe Zufriedenheit.

Anders ist es bei Verkäuferinnen und zahnmedizinischen Fachangestellten. In diesen beiden Ausbildungsberufen sind weniger als 60 Prozent zufrieden. Damit bilden sie das Schlusslicht der Zufriedenheitsskala. Fast 2.500 Azubis aus NRW haben bei der Befragung mitgemacht.

Kaffee kochen oder praxisnah lernen - Das sind die Unterschiede

 „Es sind seit Jahren praktisch immer dieselben Branchen, die in unserer Befragung negativ auffallen", sagt Andreas Jansen. Er leitet die Jugend des DGB NRW. Ein Drittel der Azubis muss zum Beispiel regelmäßig Überstunden machen - teilweise unbezahlt. Andere bekommen Aufgaben, die nicht zu ihrer Ausbildung passen: das Klischee-behaftete Kaffee Kochen zum Beispiel.

Es gibt eindeutig Licht und Schatten auf dem NRW-Ausbildungsmarkt. Andreas Jansen, Leiter der Jugend beim DGB NRW

Till Nüsse macht eine Ausbildung zum Lokführer. Er hat solche Probleme nicht. "Zum Glück nicht", sagte er dem WDR als der DGB seine Befragung vorgestellt hat. Die Ausbildung sei praxisnah und er lerne viel. Dass die Arbeitsbedingungen gut sind, liegt seiner Meinung nach auch daran, dass es eine Jugend- und Auszubildendenvertretung gibt und entsprechende Tarifverträge.

Wie zufrieden sind Auszubildende?

WDR Studios NRW 11.02.2026 03:58 Min. Verfügbar bis 11.02.2028 WDR Online


Der Lohn reicht nicht immer zum Leben

Im Monat verdient Lokführerazubi Till Nüsse etwa 1350 Euro brutto. Mehr als viele andere Azubis. Weil er in Köln lebt, reicht ihm das aber nicht zum Leben. Neben der Vollzeit-Ausbildung arbeitet er am Wochenende als Essenslieferant. Besonders die hohen Mieten in Großstädten belasten das Budget vieler Azubis. Mehr Plätze in Azubi-Wohnheimen könnten da helfen. Oder ein kostenloses Deutschlandticket, damit das Pendeln einfacher wird, so sieht es auch Till Nüsse.

Viele brechen trotzdem ab - vor allem in Pflege und Handwerk

Auch wenn die meisten befragten Azubis zufrieden sind: Etwa 30 Prozent brechen ihre Ausbildung vorzeitig ab. Das betrifft vor allem das Handwerk und die Pflege. Das könnte daran liegen, dass eine Ausbildung immer wieder mal eine Notlösung oder ursprünglich nicht geplante Alternative ist.

Das Bundesinstitut für Berufsbildung hat analysiert, dass weniger Azubis ihre Ausbildung abbrechen, wenn sie Spaß macht. Auch eine hohe Ausbildungsqualität kann helfen - oder die Aussicht auf eine Übernahme. Die DGB-Jugend fordert deshalb auch unbefristete Übernahmen für alle und eine bessere Berufsberatung für Jugendliche.

DGB-Ausbildungsreport - wie zufrieden sind Auszubildende in NRW?

WDR 5 Das Wirtschaftsmagazin - aktuell 11.02.2026 05:25 Min. Verfügbar bis 11.02.2027 WDR 5


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Nur jeder fünfte junge Erwachsene hat eine Berufsausbildung

Gerade in NRW könnten wir davon profitieren, wenn Ausbildungen attraktiver werden. Denn bei uns im Land hat jeder fünfte junge Erwachsene zwischen 20 und 35 Jahren keine abgeschlossene Berufsausbildung. Im bundesweiten Vergleich liegen wir damit ziemlich weit hinten. Dazu kommt: Immer mehr junge Leute wollen direkt nach der Schule arbeiten, statt eine Ausbildung zu machen oder zu studieren.

Gerade im Münsterland und Ostwestfalen bleiben einige Azubi-Stellen unbesetzt. Wegen der wirtschaftlichen Situation gibt es in NRW aber auch immer weniger freie Ausbildungsplätze. Einige tausend Bewerber sind letztes Jahr leer ausgegangen, vor allem im Ruhrgebiet und Rheinland. In den letzten Jahren sah das noch anders aus.

Von der Bundesagentur für Arbeit heißt es, dass die Situation am Ausbildungsmarkt angespannt ist. Sie rät jungen Menschen einen angebotenen Platz anzunehmen, auch wenn eine Stelle nicht komplett überzeugt.

Unsere Quellen

  • Ausbildungsreport 2025 der DGB-Jugend NRW
  • Bilanz zum Ausbildungsmarkt 2025 der Bundesagentur für Arbeit
  • Landesbetrieb IT.NRW
  • WDR-Interview mit Till Nüsse
  • Bundesinstitut für Berufsbildung

Sendung: WDR 5, Westblick, 11.02.2026, 17.50 Uhr

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