"Das hilft mir beim Sparen" - Warum Kunden ihre Daten in der Lidl-App preisgeben
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Die Apps von Discountern wie Lidl locken mit großen Rabatten beim Einkauf im Supermarkt. Die Kunden bezahlen allerdings mit ihren Daten und sehen sich einer Flut von Werbeinformationen ausgesetzt. Die Verbraucher schwanken zwischen Fatalismus und Verweigerungshaltung.
Von Ingo Wagner
"Das hilft mir beim Sparen“, sagt der 19 Jahre alte Student Kenan aus Aachen, als er vor dem Lidl-Markt in der Eynattener Straße in Aachen auf die Lidl-App angesprochen wird. Er hat sie schon länger auf seinem Smartphone. Und er schätzt die vielen Rabatte, die über die App angeboten werden.
"Als Student hat man ja nicht so viel Geld. Da macht das schon einen großen Unterschied: Ich spare auf diese Weise im Monat so um die 30 bis 40 Euro." Kenan (Student), 19 Jahre
Nutzer haben sich an mangelnden Datenschutz gewöhnt
Doch die Apps von Discountern sind ein raffiniertes System zur Sammlung von Daten. Die Nutzer gewähren tiefe Einblicke in ihr Leben. Die Programme auf den Smartphones registrieren nicht nur Daten zu Geburtsdatum, Adresse oder Telefonnummer, sondern auch, was, wann und wo eingekauft wurde.
Aber der Aachener Student Kenan macht sich keine großen Sorgen um seine Daten, die er über die App preisgibt.
"Grundsätzlich ist die Verarbeitung und Nutzung meiner Daten durch einen Konzern natürlich nicht so schön. Aber ich nutze auch viele soziale Medien, Instagram und Facebook, und die sammeln ja auch meine Daten und verwerten sie. Da macht das dann keinen großen Unterschied.“ Kenan (Student), 19 Jahre
Sparen ist vielen Kunden wichtiger
Peter Buttgereit
Ähnlich sieht das Peter Buttgereit. Der 68-Jährige hat die Lidl-App auf seinem Smartphone und überhaupt keine Bedenken. Auf die Sicherheit seiner Daten angesprochen, lacht Peter Buttgereit nur:
"Ich bin so transparent, ich habe meine Daten überall abgegeben. Wenn ich sehe, wie viele Apps ich habe und was die alles über mich wissen: Ich bin ein Glasbaustein. Peter Buttgereit, 68 Jahre
Der 68-Jährige lacht wieder. Als Rentner, erklärt er, muss er sein Geld zusammenhalten und dabei sei die Lidl-App hilfreich.
Kritische Kunden sind in der Minderheit
Und die Apps mit ihren vielen Rabattoptionen, mit denen die Discounter Kunden locken, werden immer beliebter. Allein die Lidl-App haben inzwischen weltweit über 100 Millionen Kunden auf ihren Smartphones. Und es werden täglich mehr.
Kritische Kunden, die sich Sorgen um ihre Daten machen, sind heute in Aachen eher die Ausnahme. So eine ist die 47 Jahre alte Barbara. Auch sie kauft regelmäßig in dem Lidl-Markt an der Eynattener Straße ein. Aber sie betrachtet die ständigen Hinweise auf die App des Discounters skeptisch.
"Ich habe keine“, sagt sie. "Und zwar von keinem Discounter. Ich sehe das als eine Art Kontrolle und Überwachung, und das will ich einfach nicht.“ Barbara, 47 Jahre
Discounter-Apps haben Konjunktur
Aber die meisten Kunden wollen sparen. Und so wird das Wachstum der Discounter-Apps wohl weitergehen und damit auch die riesigen Mengen an Kundendaten, über die sie verfügen können. Die Kunden haben sich im Zeitalter der Smartphones und Apps daran gewöhnt. Sie sehen den Verkauf ihrer Daten inzwischen als normalen Preis dafür an, über das Internet vieles günstiger zu bekommen, als es sonst möglich wäre.
Unsere Quelle:
- Beobachtungen und Interviews des WDR-Reporters vor Ort