Weniger Alkoholmissbrauch: Warum Jugendliche seltener abstürzen
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Immer weniger Kinder und Jugendliche landen wegen Alkoholmissbrauchs im Krankenhaus. Neue Zahlen zeigen einen klaren Trend – ein Suchtforscher erklärt, warum Rauschtrinken für viele junge Menschen an Bedeutung verliert und warum trotzdem Vorsicht geboten ist.
Neue Zahlen zeigen: Rauschtrinken bei Kindern und Jugendlichen hat ein Rekordtief erreicht. Laut Krankenkasse DAK-Gesundheit mit Verweis auf eine aktuelle Analyse des Statistischen Bundesamts sank im vergangenen Jahr die Zahl der Klinikbehandlungen von Jugendlichen wegen einer Alkoholvergiftung auf den niedrigsten Stand seit 25 Jahren.
Im Jahr 2024 landeten demnach 8.781 Zehn- bis 19-Jährige nach Alkoholmissbrauch in einer Klinik. Das waren rund fünf Prozent weniger als im Vorjahr. Zum Vergleich: Im Jahr 2000 lag die Zahl noch bei 9.514 Fällen, stieg in den Jahren danach deutlich an und erreichte 2012 mit rund 26.600 Krankenhausbehandlungen ihren Höchststand.
Warum sich weniger Jugendliche maßlos betrinken
Dr. Jakob Manthey
Doch was sind die Gründe für die aktuelle positive Entwicklung? Aus Sicht von Jakob Manthey, Wissenschaftler am Zentrum für interdisziplinäre Suchtforschung der Universität Hamburg, sind die Zahlen nicht überraschend. "Der Alkoholkonsum bei Jugendlichen geht seit Jahrzehnten stetig zurück", sagte er dem WDR. Das gelte auch für den Konsum etwa von Tabak oder Cannabis. "Jugendliche sind tatsächlich in der Mehrzahl abstinent", so Manthey. Damit seien sie auf eine gewisse Art vernünftiger als die Generation vor ihnen.
Die Gründe hierfür sind aus Sicht von Manthey:
- Gesundheitsbewusstein: Immer mehr Jugendliche sind sich bewusst, dass ein maßloser Konsum von Alkohol gesundheitlich schädlich ist. Auch das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) verweist darauf, dass etwa die Gehirnentwicklung nicht in der Kindheit abgeschlossen ist. Demnach erfolgen mindestens bis zum 21. Lebensjahr im Gehirn wichtige Umbauprozesse, die durch Alkohol gestört werden können.
- Problembewusstsein: "Jugendliche haben inzwischen ein stärkeres Bewusstsein für die Probleme, die mit Alkohol in Verbindung stehen", so Manthey. So kann Alkohol beispielsweise eine enthemmende Wirkung entfalten und zu aggressivem Verhalten führen. Die Risikobereitschaft steigt und damit auch die Unfallgefahr. Aber es gibt auch in puncto Suchtverhalten besorgniserregende Entwicklungen: So hat hat etwa nach einer Erhebung über die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen des Instituts für Therapie und Gesundheitsforschung Kiel fast jede und jeder vierte Heranwachsende zwischen der fünften und zehnten Klasse schon Vapen ausprobiert; sieben Prozent dampfen mindestens einmal im Monat.
- Lebensrealität: "Jugendliche haben auch ganz einfach eine andere Lebensrealität", sagt Manthey. Anders als vor 20, 30 Jahren lebten Jugendliche vor allem in der digitalen Welt. Das heißt, ihre sozialen Beziehungen fänden häufig auf Social Media statt - Jugendliche treffen sich also zumeist "nicht auf der Parkbank, um dort zu rauchen und zu trinken", so Manthey. Heutzutage werde gechattet, es werde auch online gespielt; Alkohol spiele dabei eher weniger eine Rolle.
Positive Zahlen sind kein Grund zur Entwarnung
Auch wenn die Zahl von Alkoholmissbrauch bei Kindern und Jugendlichen stark zurückgegangen ist - DAK-Vorstandschef Andreas Storm sieht keinen Grund zur Entwarnung. Denn neben den erfassten Alkoholvergiftungen gebe es eine hohe Dunkelziffer beim Alkoholmissbrauch von Kindern und Jugendlichen.
Das BIÖG bietet eine Reihe von Informationsangeboten zur Alkoholprävention, zum Beispiel:
Quellen:
- Nachrichtenagenturen dpa, AFP
- Pressemitteilung der Krankenkasse DAK-Gesundheit
- Jakob Manthey, Wissenschaftler am Zentrum für interdisziplinäre Suchtforschung der Universität Hamburg im WDR-Interview
- Erhebung über die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen des Instituts für Therapie- und Gesundheitsforschung Kiel
- Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit: Kenn dein Limit
Sendung: WDR.de, Weniger Alkoholmissbrauch: Warum Jugendliche seltener abstürzen, 15.12.2025, 18 Uhr