Die Familien Apken und Vollmer-Lentmann am Bahnhof Norddeich vor einem Zug

Die Familien Apken und Vollmer-Lentmann am Bahnhof Norddeich vor dem Sonderzug "IC Seehund"

Mit dem Sonderzug ans Meer: Auszeit für krebskranke Kinder

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Mit Herz, Engagement und einer ungewöhnlichen Spendenidee haben Bahn-Azubis 80 Familien eine besondere Auszeit ermöglicht. Gemeinsam mit ihren krebskranken Kindern konnten sie einen unbeschwerten Tag am Meer fernab vom Alltag genießen.

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Portraitbild von Cordula Krell
Cordula Krell
und (Text) und Detlef Proges (Multimedia)

Die beiden kleinen Mädchen, die am Gleis vier stehen, sind aufgeregt. Sie wissen genau, was sie heute auf jeden Fall sehen wollen: "Einen Seehund", ruft die siebenjährige Clara Apken. Ihre Freundin Charlotte Vollmer-Lentmann, sechs Jahre alt, sagt: "Auf das Meer und auf den Strand freue ich mich am meisten."

Unterwegs mit dem IC Seehund

Zusammen mit vielen anderen Kindern und deren Eltern warten die beiden Freundinnen in Münster auf den Zug. Nicht auf irgendeinen Zug, sondern auf den, der nur für sie fährt: Der IC Seehund ist ein Sonderzug, der seine Fahrgäste für ein paar Stunden auf andere Gedanken bringen soll. Denn alle 80 Familien auf dem Bahnsteig haben etwas gemeinsam: Eines ihrer Kinder ist an Krebs erkrankt. So wie Clara aus Thuine im Emsland und Charlotte aus Arnsberg.

Was diese Fahrt für Claras Mutter Nicola Apken bedeutet

00:13 Min. Verfügbar bis 18.05.2027

Jedes Jahr erhalten laut des Deutschen Kinderkrebsregisters 2200 Kinder und Jugendliche die Diagnose Krebs. Leukämie ist dabei eine der häufigsten Krebserkrankungen in dieser Altersgruppe. Clara und Charlotte waren noch Kleinkinder, als die Diagnose ihr Leben veränderte. Plötzlich waren Krankenhausaufenthalte Alltag. Im Uniklinikum Münster lernten sich die Mädchen kennen und wurden Freundinnen. Auch die Eltern verstanden sich auf Anhieb.

Wie Bahn-Azubis die Aktion stemmen

Der Zug fährt ein: Natürlich sitzen die Apkens und die Vollmer-Lentmanns zusammen. Die Mädchen haben sich viel zu erzählen und auch die kleinen Brüder Joshua und Moritz finden das Ganze aufregend. "Wir bitten alle Kinder, sich auf ihren Platz zu setzen, wir wollen etwas verteilen", kommt es aus dem Lautsprecher. Mitarbeiter der Bahn verschenken kleine Taschen an alle Kinder. "Da ist ein Seehund drin." Charlotte strahlt und nimmt das Stofftier fest in den Arm.

Die zwei Mädchen Clara und Charlotte sitzen in einem Zug nebeneinander, vor ihnen mitgebrachte belegte Brote

Clara und Charlotte freuen sich auf den Tag am Meer

Eine der Bahnmitarbeitenden ist Laura Seekamp. Die 25-Jährige macht eine Ausbildung zur Lokführerin und hätte heute eigentlich frei. Doch sie und 15 andere Bahn-Azubis haben ihre Freizeit geopfert, um diese Fahrt zu ermöglichen. Sie haben den Extrazug organisiert, kümmern sich um die Verpflegung und haben Spenden gesammelt - auch auf ungewöhnliche Weise.

Die junge Laura Seekamp steht im Mittelgang eines Zuges.

Laura Seekamp hat den Ausflug mitorganisiert

"Wir haben viele Monate lang Kronkorken gesammelt und zum Wertstoffhof gebracht. Die wurden dann eingeschmolzen und wir haben dafür Geld bekommen", erzählt Seekamp. Zusammen mit der Kinderkrebshilfe Münster haben die Azubis dann die Familien eingeladen. "Wir finden es wichtig, dass diese Kinder einen schönen Tag bekommen, einfach mal rauskommen und was anderes erleben", sagt Seekamp. "Die Kinder sind happy, man sieht das Strahlen in den Augen."

Für einen Tag dem Krebs entkommen

Nach zweieinhalb Stunden Fahrt kommt der Sonderzug an der Nordsee an. Die Sonne scheint, der Himmel ist strahlend blau. Auf dem Programm steht ein Besuch der Seehundstation. Die Kinder staunen über die niedlichen Robben in den großen Becken.

Kinder und mehrere Erwachsene mit dem Rücken zum Betrachter vor einer Glasscheibe, dahinter ist ein Seehund zu sehen.

Die Kinder sind von den Seehunden begeistert

Auch fürs Spielen am Sandstrand ist genug Zeit. Barfuß geht es für die Kinder durch den Wattschlamm. Auch die Eltern genießen die Stunden am Meer. Es ist ein Tag mit schönen, aber auch nachdenklichen Momenten, denn nicht allen Kindern auf dieser Fahrt geht es so gut wie Clara und Charlotte. Beide haben die akute Phase der Krankheit mittlerweile überstanden. Sie müssen aber noch regelmäßig zu den Kontrolluntersuchungen.

Warum die Auszeit am Meer so kostbar für die Familien ist

00:35 Min. Verfügbar bis 18.05.2027

Bald müssen die Apkens und Vollmer-Lentmanns wieder zurück zum Zug. Der Tag war ein voller Erfolg. "Ich hab Fische und eine Seerobbe und Wasser und Strand gesehen", zählt Charlotte begeistert auf. Ihre Mutter lacht: "Heute Abend werden sie todmüde ins Bett fallen."

Über dieses Thema haben wir auch am 12.05.2025 im WDR Fernsehen berichtet: Lokalzeit Münsterland, 19.30 Uhr.

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