Kurt Paßmann hat alles im Griff. Der 72-Jährige, den alle nur "Kulle" rufen, steht mit einer Schaufel in der Hand in einer alten Scheune in Geseke-Störmede. Neben ihm dreht sich laut ratternd ein Betonmischer. Mit ordentlich Schwung schippt Paßmann mit der Schaufel Zement in den Mischer. Eine Bewegung, wie er sie schon unzählige Male gemacht hat. Paßmann hat jahrzehntelang im Straßenbau gearbeitet. Aus dem Mischer kommt eine dichte Staubwolke. "Da muss noch Wasser rein", sagt Paßmann bestimmt, "ein bisschen sämiger machen".
Das Wasser kommt und kurz darauf ist der Mörtel sämig genug. Antonius Brinkhaus hilft Paßmann dabei, ihn in eine Schubkarre zu kippen. "Klopp mal ein bisschen an die Karre", gibt Paßmann die nächste Anweisung. Dann schiebt er die Schubkarre mit dem Mörtel rüber auf die andere Straßenseite. "Heute verputzen wir die Bruchsteinmauer gegenüber."
Worum sich der "Hackeclub" kümmert
00:19 Min.. Verfügbar bis 17.05.2027.
Nichts tun. Das kann sich im "Hackeclub" niemand vorstellen. Zwölf Mitglieder hat die Rentnertruppe. Mittwochs von 9 bis 12 Uhr sind die Männer in gelben Warnwesten in Geseke-Störmede unterwegs. Irgendeiner fehlt allerdings immer, wegen Urlaub - oder Rücken.
Rentner mit wichtigem Ehrenamt
Ein Ehrenamt im Rentenalter ist nichts Ungewöhnliches. 35 Prozent der Ehrenamtlichen in NRW sind laut Ehrenamtsatlas 2024 über 65 Jahre alt. Unter anderem kümmern sich mehr als 130 Seniorenbüros in den Städten und Kreisen darum, ehrenamtliches Engagement von Älteren zu unterstützen.
Die Rentnertruppe in Geseke wurde 2004 ins Leben gerufen, nach der Eröffnung des neugestalteten Dorfzentrums. Bei der Gründung sollte der Club "Grünausschuss" heißen. Das war ihnen dann aber doch zu bürokratisch. "Weil wir mit Hacke und Schaufel unterwegs sind, wurde es dann der 'Hackeclub'." Im letzten Jahr hat der Club den Ehrenamtspreis der Stadt Geseke bekommen. Darauf sind Paßmann und die anderen stolz: "Der Bürgermeister hat gesagt, ich soll einen 'Hackeclub' auch woanders ins Leben rufen." Doch Paßmann ist sich sicher, dass das nicht klappen würde. "Rentner gibt es überall viele. Doch die reden alle nur, machen nichts."
Pflanzen und pflegen: Antonius Brinkhaus und Franz Pieper setzen eine neue Buchenhecke
In Geseke-Störmede wird hingegen wenig geredet, aber viel gemacht. "Man muss sich engagieren, damit es ordentlich ist", sagt Brinkhaus, genannt "Tünnes". Mit seinen 65 Jahren ist er das Nesthäkchen der Truppe. Gerade gräbt er Löcher für eine neue Buchenhecke am Straßenrand. 800 Meter Hecke hat der Club seit Bestehen schon gepflanzt. "Was wir pflanzen, pflegen wir", sagt Paßmann. Deshalb rückt die Truppe regelmäßig mit Rasenmäher, Kantenschneider und Heckenschere an. Wie sie mit den Geräten umgehen müssen, wissen sie. Fast alle waren im Berufsleben Handwerker.
Wahre Profis am Werk
Die Geräte bekommen sie kostenlos von der Stadt Geseke gestellt. Genauso wie die Sicherheitsschuhe, die sie tragen. "Nächste Woche brauchen wir einen Bagger, auch den bekommen wir kostenlos gestellt", erzählt Paßmann. Die Stadt weiß, was sie an ihrem "Hackeclub" hat.
Wie der "Hackeclub" Hilfe von der Stadt und ihren Bewohnern bekommt
00:31 Min.. Verfügbar bis 17.05.2027.
Und auch Kaffee und Kekse gibt es. Eigentlich serviert immer die Sekretärin der Grundschule Kaffee auf dem Schulhof. Allerdings sind gerade Ferien. Deshalb kochen die Nachbarn den Kaffee. Ohne den "Hackeclub" wäre der Ort ein Stück ärmer - da sind sich alle einig.
Gleich ist 12 Uhr und damit Feierabend. Paßmann holt mit der Maurerkelle noch einmal Mörtel aus seiner Schubkarre. "Passt", sagt er und verputzt für heute die letzte Fuge. Neben ihm macht Josef "Jüppi" Dömer Schluss. 83 Jahre ist er inzwischen alt und nicht mehr jeden Mittwoch dabei. Nur wenn sein Fachwissen als gelernter Maurer gefragt ist, wie heute für die Bruchsteinmauer. "Wir werden gebraucht", sagt er. "So werden wir Alten nicht vergessen, das ist wirklich wichtig". Wichtig für die Rentner und wichtig für Geseke-Störmede.
Über dieses Thema haben wir auch am 24.04.2025 im WDR-Fernsehen berichtet: Lokalzeit Südwestfalen, 19.30 Uhr.