Zeitreise: Wie der Märkische Kreis vor 100 Jahren Busfahren lernte
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Am 22. Mai 1925 fuhr der erste Bus durch den Märkischen Kreis. Ein neues Zeitalter war angebrochen. Der öffentliche Nahverkehr nahm Fahrt auf. Die Menschen mussten nicht mehr laufen, wenn sie sich die Postkutsche nicht leisten konnten. Sie konnten in einen Bus einsteigen und für damalige Verhältnisse bequem durch den Kreis fahren.
Von Heiko Dolle
Steffen Künne ist voll konzentriert. Immer wieder blickt er in die großen Rück- und Seitenspiegel seines Oldtimer-Busses. Schon in wenigen Wochen will er mit diesem Bus auf Stadtrundfahrt gehen. Doch zunächst heißt es: Üben. Und kräftig anpacken. Denn Kameras, Abstandswarner und andere moderne Fahrzeugtechnik hat er in seinem Bus nicht an Bord. Auch das Lenkrad wirkt riesig und ist schwer zu bedienen.
Steffen Künne am Steuer des Oldtimer-Busses
"Komm noch einen halben Meter vor und setz dann gerade zurück. Stopp", ruft ihm sein Kollege Lukas Röther zu. Er steht vor dem Bus und winkt dem 38-Jährigen zu, mit seinem großen Bus langsam und ganz vorsichtig an einer Natursteinmauer vorbeizulenken. "Ganz links einschlagen." Zentimeter für Zentimeter tastet sich Steffen Künne an sein Hindernis heran. Geschafft. Damit dürfte er auch schon bald in der Innenstadt von Lüdenscheid durch die etwas engeren Passagen kommen.
So sieht der Oldtimer-Bus aus
00:13 Min.. Verfügbar bis 22.05.2027.
Wenn Künne nicht gerade auf der Lok sitzt oder andere Lokführer unterrichtet, dann lenkt er Oldtimer-Busse wie diesen. "Das ist ein sogenannter Standard-Bus, ein Mercedes O305", berichtet er voller Stolz. "1984 gebaut. Das sind die Busse meiner Kindheit."
Postkutschen hatten 1925 ausgedient
In seiner Freizeit kümmert sich Künne um das Museum des Geschichtsvereins Traditionsbus Mark-Sauerland in Lüdenscheid. Wie kaum ein anderer kennt er sich mit der 100-jährigen Geschichte des Busverkehrs im Märkischen Kreis aus. Anfang des 20. Jahrhunderts fuhren noch Postkutschen durch den Kreis.
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Doch die Fahrten waren teuer, dauerten lange und waren sehr unbequem. Eine Lösung musste her. Im Mai 1925 wurden deshalb die ersten motorbetriebenen Busse eingeführt.
Steffen Künne über die Anfänge der Busse in Neuenrade
00:52 Min.. Verfügbar bis 22.05.2027.
Die Firma "Kraftverkehr Mark Sauerland" wurde gegründet. "Das war natürlich allemal komfortabler als zu laufen", sagt der Hobby-Historiker. "Denn diese Busse wurden für damalige Verhältnisse in einem relativ dichten Takt und bis spätabends eingesetzt, um die Fabrikarbeiter von Werdohl wieder nach Hause zu bringen."
Busse seit Ende des 19. Jahrhunderts in NRW
Der Märkische Kreis war mit seiner ersten Buslinie vergleichsweise spät dran. Denn der erste Bus in NRW fuhr bereits am 18. März 1895 nicht allzu weit entfernt von Neuenrade, im Siegerland. Ende des 19. Jahrhunderts wurde zwischen Deuz, Netphen und Siegen die weltweit erste Motor-Omnibuslinie eröffnet. Aber nicht nur Busse, sondern auch Straßenbahnen sollten den öffentlichen Nahverkehr voranbringen. Rund zwei Jahre später fuhr die erste kommunale Straßenbahn Deutschlands durch Oberhausen.
Schon nach wenigen Jahren fuhren die Busse in Neuenrade immer häufiger und steuerten auch mehr Städte an. Die Fahrzeuge waren aber laut und unbequem. Doch dann kam der technische Fortschritt, erzählt Steffen Künne: "Während Anfang der Fünfzigerjahre noch Krupp-Busse im Einsatz waren, die den Motor vorne hatten, sehr laut und sehr schwer zu fahren waren, hat man Anfang der Fünfzigerjahre die sogenannten Büssing-Busse in Betrieb genommen. Die Fahrzeuge waren erheblich leiser und für den Fahrgast und den Fahrer komfortabler zu fahren."
Es wuchs zusammen, was eigentlich schon lange zusammengehörte
1975 war dann für den Busverkehr im Kreis ein wegweisendes Jahr. Nicht nur die Städte arbeiteten jetzt eng zusammen, auch die Busgesellschaften. Der Märkische Kreis wurde gegründet und mit ihm die Märkische Verkehrsgesellschaft als zentrales Verkehrsunternehmen für den Kreis.
So farbenfroh waren die Busse bis 1975
"Das konnte man sehr schön an den Fahrzeugen erkennen", erzählt Künne. "Die ersten Jahre waren noch recht bunt, hellblau, dunkelblau, beige. Ab 1976 gebaute Busse waren schon in einem blutorange-weiß und hatten das große Kreiswappen auf der Front. Das ist im Prinzip bis heute so geblieben."
Fast 30 Millionen Fahrgäste
Heutzutage werden jedes Jahr in den Bussen der Märkischen Verkehrsgesellschaft über 29 Millionen Fahrgäste gezählt. Die Busse fahren rund 2.300 Haltestellen an. Und zwischen all den Bussen ist auch Steffen Künne unterwegs. Mit seinem über 40 Jahre alten "Standard-Bus" auf Stadtrundfahrt durch die Innenstadt von Lüdenscheid. Dabei erzählt er seinen Fahrgästen dann auch von der Geschichte des Busverkehrs im Sauerland.
Über dieses Thema berichten wir auch am 22.05.2025 im WDR-Fernsehen: Lokalzeit Südwestfalen, 19.30 Uhr.