Luis Hantschel, ein junger Mann im Arbeitsanzug, orangem Schutzhelm und Handschuhen, sitzt auf einem gesägten Holzstumpf. Vor ihm links liegt eine gelbe Kettensäge.

Lautstarkes Hobby: Luis ist schwerhörig und sammelt Kettensägen

Kreis Soest | Heimatliebe

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Luis Hantschel ist 26 Jahre alt und schwerhörig. Der Garten- und Landschaftsbauer aus Möhnesee hat ein lautstarkes Hobby: Er sammelt Kettensägen. Mit der Kettensäge des Großvaters fing es an.

Von Katja Brinkhoff

Es riecht nach Diesel. Der Boden der Garage ist gefegt. An der Wand hängen Schraubenzieher und Zangen. Nichts liegt herum. Luis Hantschel braucht diese Ordnung. "Ich finde es nervig, wenn einem in einer Unordnung eine Schraube irgendwohin fällt und man findet diese eine entscheidende Schraube nicht. Das funktioniert für mich nicht", sagt der 26-Jährige. Entsprechend sind auch seine Sammler-Schätze auf den Regalen hinter ihm ordentlich aufgereiht: 116 Kettensägen, geordnet nach Farben und Herstellern. 

Kettensägen reparieren als Hobby

Hantschel ist schwerhörig, er kann durch Hightech-Hörgeräte hören. "Wenn ich die nicht hätte, wäre es sehr leise um mich herum." Im Gespräch mit anderen ist es wichtig, dass er von den Lippen ablesen kann. Dann klappt jede Unterhaltung mühelos. Manche Menschen vermuten, seine Sammelleidenschaft komme von dem Spaß an der Lautstärke der Kettensägen. "Da liegen sie falsch", sagt Hantschel. "Es geht mir um das Reparieren."

Luis ist schwerhörig und sammelt Kettensägen

Lokalzeit Südwestfalen 23.03.2026 03:11 Min. Verfügbar bis 23.03.2028 WDR Von Katja Brinkhoff

Mit einer winzigen Taschenlampe leuchtet er in das Innenleben einer schwedischen Kettensäge, Baujahr 1955. Auch diese Säge hat er im Internet gefunden. Jetzt liegt sie auf der Werkbank in der zur Werkstatt umfunktionierten Garage am Möhnesee. Hantschel ist hochkonzentriert: "Der Luftfilter fehlt. Der Starter ist defekt." Die Erstdiagnose steht schnell.

Als er zwölf war, hat er die kaputte Kettensäge seines Großvaters auseinandergenommen und wieder zum Laufen gebracht. Sein Vater hatte aufgegeben - Hantschel nicht. "Seitdem ist es die Faszination Technik. Dass man sieht, was man da machen muss. Das ist der Spaß am Schrauben."

Seltene Kettensäge aus den 50ern ist das Herzstück

Hantschel klettert auf eine Leiter und greift nach einer riesigen Säge, die unter der Garagendecke hängt. Wieder ein Modell aus Schweden. Wieder eine Säge aus den 50er-Jahren. Sie ist grün, ein wenig rostig, hat ein imposantes Sägeschwert und ist sein ganzer Stolz. "Davon sind weltweit nur 5000 Stück gefertigt worden. Wenige sind noch auf dem Markt. Ich habe das Glück, eine davon zu besitzen." Über den Wert der Säge schweigt der Sägensammler sich aus.

Ein junger Mann in einer beigen Jacke, orangem Schutzhelm und Schutzhandschuhen, beugt sich mit einer gelben Kettensäge über einen Holzstamm und sägt.

In seinem Garten probiert Luis Hantschel gerne die Sägen aus seiner Sammlung aus

Irgendwann reichte der Platz in der Garage für Hantschels Kettensägen nicht mehr. Deshalb steht hinten im Garten neuerdings ein rotes Gartenhaus. Natürlich aus Schweden. Ein Zuhause für die vielen anderen Sägen. "In meinem Kopf ist eine Liste von Sägen, die sehr selten und schwer zu finden sind. Die möchte ich versuchen zu bekommen."

Und vor dem roten Gartenhaus demonstriert Hantschel dann, wie laut eine Kettensäge sein kann. Er setzt den Helm auf, klappt das Visier runter und stülpt Kopfhörer über seine Hörgeräte. Dann wirft er die Partner C6 an. Die schwedische Kettensäge arbeitet sich röhrend und mühelos durch den Baumstamm. Und Hantschel gibt zu, dass sogar ihm sein Hobby manchmal zu laut sein kann. Trotzdem sammelt er weiter: "Komplett ist meine Sammlung noch lange nicht."

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Südwestfalen, 23.03.2026, 19.30 Uhr.