Ana und Sascha Radermacher in ihren Schützenfest-Trachten. Sascha hält ein Glas Bier in der linken Hand.

Eine Autopanne und die große Liebe: Das Altenaer Schützenfest und seine Norweger

Heimatliebe

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Beim Schützenfest in Altena-Evingsen dreht sich alles um Norwegen. Wie eine Autopanne vor fast 50 Jahren nicht nur zu einer besonderen Tradition führte, sondern auch zu einer großen Liebe.

Von Frank Strohdiek

Ana Radermacher steht in einer traditionellen Tracht in Weiß und Dunkelgrün an einem Essensstand auf dem Schützenfest in Evingsen, einem Ortsteil der Kleinstadt Altena. Norwegische Flaggen in Blau, Weiß und Rot schmücken die Tische vor ihr. Konzentriert beugt sich die 48-Jährige über Platten mit Spezialitäten aus ihrer Heimat und richtet sie an. Rentierwurst, Schinken, Flatbrød und der traditionelle Schnaps Aquavit warten auf die Festbesucher.

Welche Bedeutung das Schützenfest für Ana Radermacher hat

00:16 Min. Verfügbar bis 31.07.2027

Schützenvereine und ihre Feste haben in NRW eine jahrhundertealte Tradition und zählen heute zum immateriellen Kulturerbe. Ihren Ursprung haben die Vereine laut UNESCO im Mittelalter, als sich Bürgerwehren gründeten, um ihre Städte und Dörfer zu schützen. Wie kommt es also, dass auf diesem deutschen Volksfest norwegische Spezialitäten angeboten werden? Die Antwort liegt nicht ganz so weit zurück in der Vergangenheit.

Mitte der 1970er-Jahre: Kurz nach ihrem damaligen Schützenfest reist eine Gruppe der Evingser Schützen nach Norwegen und hat dort eine Autopanne. Zufällig kommt die örtliche Musikkapelle vorbei und hilft den gestrandeten Deutschen. Die Musiker aus dem kleinen Ort Stor-Elvdal organisieren die Reparatur des Fahrzeugs und sorgen für Nachtquartiere. Zum Dank werden sie zum Schützenfest nach Altena eingeladen.

Altena: Eine Freundschaft, die Leben verändert

Seit fast 50 Jahren sind "die Norweger", wie alle in Evingsen sie nennen, fester Bestandteil des alle zwei Jahre stattfindenden Festes im Märkischen Kreis. Auch Ana Radermacher kommt mit ihren Eltern zum Fest nach Deutschland. 1994 nimmt dadurch ihr Leben eine neue Wendung. Die junge Norwegerin ist bei einer Gastfamilie untergekommen, deren Haus steht in derselben Straße wie das Elternhaus ihres heutigen Mannes Sascha. "Wir sind irgendwann in der Nacht zusammen nach Hause gelaufen. Danach ist der Kontakt nicht mehr abgerissen", erzählt die heute 48-Jährige.

Nach dem Studium beschließt Radermacher, Deutsch zu lernen und zieht schließlich ins Sauerland. Kurze Zeit später heiraten sie und Sascha. Standesamtlich in Deutschland und kirchlich in Norwegen. "Wir haben dort damals ein riesiges Fest gemacht. Ein alter Freund von Ana hat den 'Zeremonienmeister' gemacht. Das war grandios", erinnert sich Sascha Radermacher. Und dank der Freundschaft zwischen den Vereinen waren alle Hochzeitsgäste bei Gastfamilien untergebracht.

Schützenfest-Kapelle in ganz Norwegen bekannt

Inzwischen ist die norwegische Musikkapelle in ihrer Heimat sogar landesweit bekannt. Heute spielen dort auch Menschen, die gar nicht aus Stor-Elvdal stammen. Zum diesjährigen Schützenfest sind etwa 80 Menschen aus Norwegen angereist. Mit Reisebussen haben die Schützenbrüder sie vom Flughafen abgeholt.

Wie ist es für Ana Radermacher, norwegische Freunde wiederzusehen?

00:32 Min. Verfügbar bis 31.07.2027

Die Ankunft der Musiker im Ort ist ein Höhepunkt noch vor dem eigentlichen Schützenfest. Die Kapelle zieht durch die Straßen bis zum obligatorischen Bierstand des ersten Zugs. Dort wird das Wiedersehen mit den alten und neuen Freunden gefeiert. Nicht nur Ana und Sascha Radermacher freuen sich jedes Jahr auf das Fest, sondern auch ihre zwei Töchter. Die beiden sind 16 und 18 Jahre alt, sprechen fließend Norwegisch und begleiten ihre Mutter und die Musiker aus dem Norden auch beim Schützenumzug.

Die Radermachers beim Festumzug in Altena-Evingsen

00:26 Min. Verfügbar bis 31.07.2027

Jetzt stehen sie mit ihrer Mutter am Norwegerstand und verteilen die landestypischen Spezialitäten. Ihr Vater ist gerade auf dem Festgelände unterwegs. Er ist im zweiten Zug der Schützen und feiert mit den Schützenbrüdern. "Da ist unsere persönliche deutsch-norwegische Verbindung kurz etwas lockerer", sagt er mit einem Schmunzeln. Zumindest bis zum Abend, wenn die Party im Festzelt steigt. Und wer weiß, vielleicht entsteht dort die nächste Liebesgeschichte.

Über dieses Thema haben wir auch am 21.07.2025 im WDR Fernsehen berichtet: Lokalzeit Südwestfalen, 19.30 Uhr.