Der Karnevalsfriseur: Ohne ihn wären die Roten Funken nur halb so schön
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Ohne Markus Gurok wäre der Kölner Karneval kopflos - oder genauer gesagt perückenlos. Der Friseurmeister kümmert sich für mehrere Karnevalsgesellschaften um die Perücken der Garden. Und sorgt mit seiner Arbeit dafür, dass im Fastelovend alle strahlen.
Von Lena Wensch
Es ist Montagnachmittag. Wie die meisten Friseure hat auch Markus Gurok heute eigentlich seinen "freien Tag". In seinem Salon in Köln-Pesch sitzen deshalb keine Kundinnen und Kunden, um sich die Haare schneiden zu lassen. Arbeit wartet auf den Friseurmeister aber trotzdem.
Vor dem Spiegel steht eine ziemlich zerzauste Perücke der Roten Funken. Die mühsam drapierten Locken hängen an einer Seite schlaff herunter. Der Zopf unter dem Helm, dem sogenannten Laberdan, steht in alle Richtungen ab. "Beim Bützen hängengeblieben, würde ich vermuten. Das passiert schnell, vor allem wenn die Damen Pailletten tragen und sich die Haare darin verheddern", erklärt Gurok. "Dann sieht das sehr schnell sehr unordentlich aus und sollte möglichst schnell gerichtet werden."
Der Karnevals-Friseur
Lokalzeit aus Köln. 04.02.2026. 02:57 Min.. Verfügbar bis 15.02.2028. WDR. Von Lena Wensch.
Flink öffnet er den Zopf der Perücke und bürstet sorgfältig das Yakhaar. Die Handgriffe sitzen. Denn Gurok ist nicht nur Friseurmeister, sondern auch ein sogenannter Zweithaarspezialist - mit Perücken kennt er sich also bestens aus. Und die Arbeit ist eine willkommene Abwechslung zu seinem Friseuralltag. "Der Kamerad hier schreit nicht, das ist schön. Den kann ich auch mal eine halbe Stunde stehen lassen, ohne dass er motzt", sagt er scherzhaft.
Handwerk trifft Karneval
2011 hat er den Familienbetrieb "Limberg" übernommen. Haare sind seine Leidenschaft. Und nur zwei Jahre nach der Übernahme entdeckte er eine weitere: den organisierten Kölner Karneval. Inzwischen ist Gurok seit zwölf Jahren Mitglied bei den Roten Funken. Ein Kunde hatte ihn damals überzeugt, sich das Traditionskorps einmal genauer anzuschauen. Und wie es sich für einen Friseur nun einmal gehört, achtete er auch beim Karneval vor allem auf die Köpfe.
Schnell war ihm klar: Hier muss er selbst Hand anlegen. Und so etablierte er sich nach und nach als "Karnevalsfriseur". Seine Aufgaben sind vielfältig: Bei Auftritten sorgt er beispielsweise dafür, dass seine Kameraden manierlich aussehen und die Frisuren sitzen. Mittlerweile stellt er die Karnevalsperücken auch selbst her. Und das mit Erfolg.
Markus Gurok bei einer Sitzung der Roten Funken
Zu seinen Kunden gehören nicht nur die Roten Funken, sondern auch andere Karnevalsgesellschaften wie die Kölner Bürgergarde blau-gold, die Nippeser Bürgerwehr oder die Ehrengarde Frechen. Werbung hat er dafür nie gemacht, es hat sich einfach herumgesprochen, dass er auf diesem Gebiet ein Profi ist.
Über 100 Perücken in einer Session
Das Geschäft läuft so gut, dass Gurok manchmal schon Ärger von seiner Familie bekommt, weil er einfach zu viele Aufträge annimmt. Geld verdienen möchte er mit den Karnevalsperücken nicht. Diese Arbeit bezeichnet er liebevoll als "Hobby". Nur die Selbstkosten müssen natürlich gedeckt sein. Über 100 Perücken stellt der 44-Jährige während der Session an seiner Nähmaschine her - besonders viele vor dem 11. November. Doch auch danach bleibt für den Karnevalsfriseur noch viel zu tun.
Dank Gurok muss sich bei den Roten Funken niemand mehr Gedanken darum machen, ob die Haare sitzen. Und ein bisschen stolz auf seine Arbeit ist er auch. "Wenn ich all meine Perücken durch die Stadt laufen sehe und sehe, wie sich die Leute daran erfreuen, ist das eigentlich das Geilste." Einen Traum hat er aber noch: "Ich möchte irgendwann mal durch die Stadt gehen und sagen können: Meine, meine, meine, meine, alle gut."
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Köln, 04.02.2026, 19.30 Uhr.