Wissen für jeden Jeck: Das steckt hinter den Namen der Karnevalstage
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Mit Weiberfastnacht beginnt jedes Jahr der Straßenkarneval in NRW und am Aschermittwoch ist alles wieder vorbei. Soweit so gut. Doch welchen Ursprung haben eigentlich die Namen der Karnevalstage? Und warum heißen sie nicht überall gleich? Hier gibt's die Auflösung.
Von Josefine Upel
- Kapitel 1 : Karneval, Fastelovend und Fasching im Vergleich
- Kapitel 2 : Weiberfastnacht oder schmotziger Donnerstag?
- Kapitel 3 : Karnevalsfreitag, der namenlose Tag
- Kapitel 4 : Rosenmontag - oder eigentlich Rosensonntag?
- Kapitel 5 : Die Blumentage und der Kappessonntag
- Kapitel 6 : Vom Veilchendienstag zum Aschermittwoch
Klar, jeder weiß, dass der Montag an Karneval der Rosenmontag ist. Aber warum ist das eigentlich so? Und was steckt hinter Namen wie Nelkensamstag, Kappessonntag oder Weiberfastnacht? Es gibt wohl kaum zwei Menschen, die tiefer in die Herkunft von Karnevalsbegriffen eingetaucht sind als Manfred Becker-Huberti und Verena Krautwald.
Becker-Huberti ist ein katholischer Theologe und Professor. Seit Jahrzehnten beschäftigt er sich mit religiösem Brauchtum und hat mehrere Bücher dazu geschrieben. Krautwald erforscht am LVR-Institut die Sprache im Rheinland und damit auch alles, was zum Karneval gehört. Sie zeigen, dass sich hinter den zum Teil kuriosen Namen der Karnevalstage überraschende Ursprünge, alte Bräuche und sprachliche Kuriositäten verbergen.
Karneval, Fastelovend und Fasching im Vergleich
Bevor es um die ungewöhnlichen Namen der Karnevalstage geht, lohnt sich ein Blick auf die Grundbegriffe. "Der Begriff Karneval ist überhaupt nicht alt", sagt Becker-Huberti. Für den Theologen bedeutet das: 17. bis 18. Jahrhundert. Sprachwissenschaftlerin Krautwald führt den Begriff auf das mittellateinische "carne levare" zurück, was übersetzt so viel wie "Fleisch wegnehmen" bedeutet. Die Idee dahinter: Karneval ist die Zeit vor der Fastenzeit, "danach wird das Fleisch quasi weggenommen", so Krautwald.
Ebenso eng mit der Fastenzeit verbunden sind der Begriff "Fastnacht" und dessen regionale Varianten. Ursprünglich bezeichnete Fastnacht den Vorabend vor der Fastenzeit, später die Tage davor. Im Rheinland wurde daraus im Dialekt "Fastelovend" - eine Verbindung aus Fast und Ovend, also Abend.
Woher kommt der Begriff "Fasching"?
In anderen Regionen heißt es statt Fastelovend oder Karneval "Fasching". Das Wort geht zurück auf "vaschanc", was so viel wie Fastenschank bedeutet, also der letzte Ausschank vor der Fastenzeit. "Da darf man sich nochmal kräftig was hinter die Binde gießen, was dann anschließend verboten ist", sagt Becker-Huberti in typisch unverblümter rheinländischer Art.
Brauchtumsexperte Manfred Becker-Huberti
Sprachwissenschaftlerin Krautwald ergänzt: "Seit dem 17. Jahrhundert hat sich die Endung -ing durchgesetzt, weil es auch einfach andere Wörter gibt, die mit -ing aufhören. Es ist typisch in der Sprachwissenschaft, dass man Wörter an andere angleicht."
Weiberfastnacht oder schmotziger Donnerstag?
Nun zu den Karnevalstagen selbst. "Weiberfastnacht" oder "Altweiber" dürften die meisten kennen. Beide Begriffe erinnern daran, worum es an diesem Tag geht: "Die Frauen reißen die Macht an sich", so Krautwald. Die Ursprünge des Brauches reichen bis ins Spätmittelalter. Fest etabliert hat sich die Tradition im 19. Jahrhundert durch einen Aufstand der Wäscherinnen in Bonn-Beuel. Mehr dazu hier.
Die Archivaufnahme von 1937 zeigt das Alte Beueler Damenkomitee
Und was hat es mit dem "Alt" in "Altweiber" auf sich? Gemeint sind damit schlicht erwachsene Frauen. "Man übertreibt ja gerne im Karneval", sagt Becker-Huberti.
Warum heißt Weiberfastnacht auch Fettdonnerstag?
Je nach Region trägt der Donnerstag auch ganz andere Namen. "In meiner Heimat Aachen sagt man nicht Weiberfastnacht oder Altweiber, wir feiern den Fettdonnerstag", sagt Krautwald. Auch das passt wieder zur Fastenzeit. Vor den entbehrungsreichen Wochen wird bei fettigem Essen noch einmal richtig reingehauen. In manchen Gegenden heißt der Tag deshalb auch "schmotziger" oder "schmutziger Donnerstag". Auch hier steckt im Kern das fettige Essen.
Eher seltener ist laut Becker-Huberti die Bezeichnung "unsinniger Donnerstag". Seine Erklärung: "Ab Weiberfastnacht wird die Unsinnigkeit im Straßenkarneval öffentlich. Man ist draußen, zeigt sich in Maske und verhält sich eben nicht normal, sondern unsinnig." Für Sprachwissenschaftlerin Krautwald verweist "Unsinn" auf den Rollentausch und das aus konservativer Sicht umgekehrte Machtverhältnis zwischen Männern und Frauen.
Karnevalsfreitag, der namenlose Tag
Nach Donnerstag folgt ein überraschend unspektakulärer Tag im närrischen Kalender: der Karnevalsfreitag. In NRW trägt er keinen besonderen Namen und das hat wohl auch einen Grund. Brauchtumsexperte Becker-Huberti führt das auf die kirchliche Tradition zurück. Freitags wird an den Tod Jesu erinnert, und zwar nicht nur an Karfreitag. Es setzte sich kein spezieller Name durch, weil man sich am Freitag traditionell mit dem Feiern zurückhielt. "Das war am Samstag schon wieder völlig anders. Da durfte man wieder die karnevalistische Wildsau loslassen", sagt Becker-Huberti und lacht.
Rosenmontag - oder eigentlich Rosensonntag?
Bevor man die nächsten Tage im Kalender erklärt, muss zunächst der wohl bekannteste aller Karnevalstage erklärt werden: der Rosenmontag. Wer den Namen verstehen will, muss allerdings etwas um die Ecke denken. Denn der Rosenmontag verdankt seinen Namen dem Rosensonntag. An diesem Tag traf sich im frühen 19. Jahrhundert in Köln das Komitee, das den Karnevalsumzug plante. Der Zug selbst fand am Montag statt, also übertrug man kurzerhand den Namen des Vorbereitungstages auf den Umzugstag. Der Rosenmontag war geboren.
Der Kölner Rosenmontagszug ist der älteste organisierte und größte Karnevalszug Deutschlands
Bleibt die Frage, warum hieß der Rosensonntag überhaupt Rosensonntag? Die Theorie der Brüder Grimm: Der Name geht auf den "rasenden Montag" zurück, der das wilde Feiern beschreibt. Die Experten halten diese Theorie aber für unwahrscheinlich. Eher führt die Spur weit weg vom närrischen Rheinland bis nach Rom. Seit dem Mittelalter verlieh der Papst an diesem Tag traditionell eine goldene Rose an eine Person, die sich besonders für die Kirche eingesetzt hatte. Diese Symbolik prägte den Namen Rosensonntag und damit indirekt auch den Rosenmontag.
Die Blumentage und der Kappessonntag
Mit der Blumensymbolik lassen sich auch andere Karnevalstage deuten. In manchen Regionen heißt der Samstag zum Beispiel Nelkensamstag, möglicherweise als Anlehnung an die anderen Blumentage. "Damit man quasi eine ganze Reihe davon hat", erklärt Krautwald. Eine weitere Deutung: "Die Nelke ist eine Blume, die oft mit Mutter Gottes in Verbindung gebracht wird. Ob das wirklich damit zu tun hat wird diskutiert, ist aber schwierig zu sagen."
Sprachwissenschaftlerin Verena Krautwald vom LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte
Sicher ist: Je nachdem, wo in NRW man lebt, tragen die Karnevalstage ganz unterschiedliche Namen. Und das ist kein Zufall. "So kann eine Stadt auch eine eigene Duftmarke setzen und sich besonders machen", erklärt Becker-Huberti. Am deutlichsten zeigt sich das wohl beim Karnevalssonntag.
Orchideensonntag, Tulpensonntag oder Kappessonntag
Weil die Verwechslungsgefahr mit dem Rosenmontag groß ist, haben sich dafür heutzutage eigene Bezeichnungen etabliert. So gibt es etwa den "Orchideensonntag", "Tulpensonntag" oder "Kappessonntag". Der Tulpensonntag ist vor allem am Niederrhein verbreitet, einer Region, die für ihre Tulpenfelder bekannt ist. Der Kappessonntag stammt aus Neuss. "Kappes" bedeutet einerseits Kohl - ja, das Gemüse. "In anderen Städten sagt man Tulpen oder Orchideen, also schöne Blumen, und dann kommt Neuss mit dem Kohl", sagt Krautwald und lacht.
In Neuss findet der große Umzug traditionell am Kappessonntag statt
"Kappes" kann aber auch "Unsinn" bedeuten. "Wenn ich gegen den Düsseldorfer oder Kölner Karneval anstinken will, um zu zeigen, auch wir können Kappes, dann mache ich eben den Kappessonntag daraus", sagt Brauchtumsexperte Becker-Huberti. Gerade im Karneval dienen die Namen schließlich auch dazu, sich von Nachbarstädten abzugrenzen oder sich gegenseitig zu necken.
Vom Veilchendienstag zum Aschermittwoch
So wie die Tulpen passt auch der Veilchendienstag zur Blumentheorie. Es gibt aber eine weitere Deutung: "Das Veilchen steht für Demut. Und die ist verdammt nötig, wenn am nächsten Tag der Aschermittwoch kommt", sagt Becker-Huberti. Ähnlich erklärt es auch Sprachwissenschaftlerin Krautwald, wobei die Theorie umstritten sei. "Im kirchlichen Kontext wird der Dienstag auch Beichtdienstag genannt. Die Farbe der Buße wiederum ist Violett - wie ein Veilchen. Der lateinische Name von Veilchen ist "Viola", woraus sich auch das Wort "Violett" ableitet."
Zum Schluss der Aschermittwoch. Sein Name erklärt sich aus dem Brauch, Gläubigen ein Aschekreuz auf die Stirn zu zeichnen. "Ab dem Tag ist der Beginn der Fastenzeit für 40 Tage", erklärt Krautwald. "Und das Ende der Karnevalszeit."
Sendung: Lokalzeit.de, Die überraschenden Geschichten hinter den Namen der Karnevalstage, 12.02.2026, 06.21 Uhr.